{"id":20831,"date":"2007-11-13T04:28:38","date_gmt":"2007-11-13T04:28:38","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/nick-stone-mr-clarinet\/"},"modified":"2022-06-06T21:44:29","modified_gmt":"2022-06-06T19:44:29","slug":"nick-stone-mr-clarinet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/nick-stone-mr-clarinet\/","title":{"rendered":"Nick Stone: Mr. Clarinet"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist eine lukrative Aufgabe: 10 Millionen Dollar, wenn Max Mingus das entf\u00fchrte Kind findet und lebend zur\u00fcckbringt, oder 5 Millionen Dollar, wenn er das tote Kind findet und weitere 5 Millionen, wenn er den T\u00e4ter bringt. Nicht, dass er meint, das Geld wirklich zu brauchen, aber so richtig rosig scheint sie nicht auszusehen, die Zukunft des Expolizisten, Ex-Privatdetektives und Exknackies, frisch aus der Haft entlassen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Letztendlich ist es seine Frau, die ihn \u00fcberzeugt den Job zu \u00fcbernehmen. Genauer gesagt ihre Figur, die ihm im Traum erscheint, denn sie selber ist kurz vor seiner Entlassung an einer Hirnblutung verstorben und hat ihn etwas haltlos zur\u00fcckgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also macht er sich auf nach Haiti, 1995: Das Land ist vor kurzem von den USA \u201ebefreit\u201c worden und UN-Truppen stehen f\u00fcr Ruhe und Ordnung ein. Allein auf den Stra\u00dfen merkt man davon nichts, so viel Amoral, Verkommenheit und Armut hat sich auch Max nicht vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Randomly spaced, between blocks of shacks, were areas that hadn&#8217;t yet been claimed and build on, where the ground was a cross between mammoth garbage dump and a snap shot of World War I killing fields, post-conflict \u2013 broken, muddy, blasted to fuck, strewn with death and despair.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Als erste sklavenfreie Republik der Welt gegr\u00fcndet und heutzutage \u00e4rmer als jedes andere Land der westlichen Hemisph\u00e4re. Das Land als Ganzes und die meisten seiner Bewohner sind abh\u00e4ngig von G\u00f6nnern, die das \u00dcberleben sichern. Welcher Kontrast zum Haushalt seines superreichen Auftragsgeber und dessen archaischen Umgang mit den Bediensteten, die kein Einkommen, sondern Unterkunft und zu Essen erhalten<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Schritt und Tritt trifft Max auf den Voodoo Kult. Einer undurchsichtigen Melange von religi\u00f6sen Vorstellungen, psychodelischen Riten und Versuchen die Zukunft, zum eigenen Vorteil zu manipulieren, welche die Menschen Haitis und ihre Seelen fest im Griff hat.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>You know how this country runs on superstition ? We feed the dead better than we feed ourselves here. The dead rules this land.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>\u201eMr. Clarinet\u201c ist ein gro\u00dfes Leseereignis, das sich zwischen Weltuntergangsstimmung in einem zerfallenen Land, spannender Darstellung der Gewaltbereitschaft im Sumpf der Armut und euphorisierender Stimmung des Voodoo Kultes bewegt. Formal deckt es, wie viele zeitgen\u00f6ssische Thriller, die zeitlich nach vorne erz\u00e4hlte Geschichte und den r\u00fcckw\u00e4rtigen Bezug der Detektivgeschichte ab. Es \u00fcberzeugt von Aufbau, Darstellung und erz\u00e4hlerischer Qualit\u00e4t (siehe erstes Zitat) und auch seine Personen haben die n\u00f6tige Glaubw\u00fcrdigkeit und die literarische Exaltiertheit: F\u00fcr einen Erstling hat es geradezu eine atemberaubende Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eines der wenigen B\u00fccher, welches Krimipreise beiderseits des Atlantiks gewann und endlich auch &#8218;mal wieder ein Buch, das in Deutschland erschienen ist. Das Buch wird hiermit unbedingt empfohlen: \u201eMr. Clarinet\u201c (deutsch: Voodoo) ist ein Buch, das noch lange im Kopf des Lesers nachhallt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Nick Stone: Mr. Clarinet. <br \/>Penguin 2006. 576 Seiten. 9,45 \u20ac <br \/>(deutsch: \u201cVoodoo\u201d, Goldmann Verlag 2007. 608 Seiten. 9,95 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine lukrative Aufgabe: 10 Millionen Dollar, wenn Max Mingus das entf\u00fchrte Kind findet und lebend zur\u00fcckbringt, oder 5 Millionen Dollar, wenn er das tote Kind findet und weitere 5 Millionen, wenn er den T\u00e4ter bringt. 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