{"id":20836,"date":"2007-11-16T05:32:53","date_gmt":"2007-11-16T05:32:53","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/krimimehr\/"},"modified":"2022-06-07T00:07:12","modified_gmt":"2022-06-06T22:07:12","slug":"krimimehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2007\/11\/krimimehr\/","title":{"rendered":"Krimimehr"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/cover\/nochbier.jpg\" alt=\"nochbier.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Krimiweisheiten aus dem B\u00dcRGERECK&#8220;. So hei\u00dft eine neue Serie, in der wir zuf\u00e4llige G\u00e4ste der bekannten einheimischen Gastst\u00e4tte B\u00dcRGERECK zu fortgeschrittener Stunde mit krimiaffinen Themen konfrontieren und um m\u00f6glichst empirisch abgesicherte Weisheiten zum Genre bitten. Heute wollen wir uns anh\u00f6ren, was Karl-Heinz T. nach sieben &#8222;M\u00e4nnergedecken&#8220; (1 Pils, 1 Klarer, 1 Klosterfrau Melissengeist) zu sagen hat.<\/em><br \/>Nein, es l\u00e4sst einem keine Ruhe. \u201eMehr als ein Krimi\u201c, &#8222;\u00fcber das Genre hinaus\u201c \u2026 da schwillt sogar dem notorisch netten \u2192<a href=\"http:\/\/blogs.arte.tv\/Krimitagebuch\/frontUser.do;jsessionid=6F3B7E4397A2E7F380235316D58F6003?method=getPost&amp;postId=21988&amp;blogName=Krimitagebuch\">Tobias Gohlis<\/a> die Kollerader kindskopfdick, Krimidummdeutsch ist das, aber selbst das Unterirdische muss doch irgendwo einen Ausgang nach oben haben, nur wo, bittesch\u00f6n, ist der? Oder anders gefragt: Was ist ein Krimi, wenn er mehr als ein Krimi ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz schreckliches Eingest\u00e4ndnis: Ich kann diese Frage beantworten. Es macht \u00fcberhaupt keine Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wohin man gelangt, wenn man diesen Mehrwert sucht: zu den Kritikern n\u00e4mlich. Schreibt ein Rezensent dieses \u201emehr als Krimi\u201c, dann meint er unweigerlich: \u201emehr als mein Kopf fassen kann\u201c. Mein Kopf? Wie das? Oder, anders gefragt: Was ist das eigentlich, Kopf? Und was ist drin?<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen wir uns das mal rein rezeptionstechnisch vor. Jemand liest einen Krimi. Wohin liest er ihn? In seinen Kopf selbstverst\u00e4ndlich. Denn dort sitzt etwas, das ein Kritiker besitzen sollte: ein Gehirn. Dort wiederum, im Gehirn, sitzen Zellen \u2013 ich will das jetzt nicht ausf\u00fchren, aber diese Zellen sind von Natur aus ziemlich intelligent, fast so intelligent wie ein Buchh\u00e4ndler, das hei\u00dft: Diese Zellen brauchen nur auf einen Buchumschlag zu gucken und schon wissen sie: Aha, ein Krimi. Wenns denn draufsteht. Manchmal steht \u201eKriminalroman\u201c drauf, da sagen sich die Zellen schon: Obacht, da steht Roman dabei, vielleicht ist das ja Literatur und \u00fcberhaupt kein Krimi und wenns kein Krimi ist, dann ist es sofort \u201emehr als Krimi\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kritiker liest also in seinen Kopf, in sein Gehirn, in seine Zellen. Und siehe: Es ist ein Krimi. Weils n\u00e4mlich draufgestanden hat und der Kritiker, wenn er Krimikritiker ist, einen Krimi quasi von berufswegen lesen muss, er liest gar nichts anderes, kriegts ja nicht bezahlt, au\u00dfer Harry Potter auf Englisch in der U-Bahn, das zeugt von Abitur.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist wie in der Backstube, verstehen Sie? Also in der Backstube: Da wird Brot gebacken. Aus Mehl. Wenn jedoch der B\u00e4cker feststellen muss, nanu, auf dem Sack da steht \u201eMail\u201c, aber es sind Smarties drin, dann b\u00e4ckt er eben mit Smarties und nennt das Ergebnis \u201emehr als ein Brot\u201c. Weil er kann ja nicht sagen: Das sind gebackene Smarties und sie schmecken scheu\u00dflich. Klar, ja? Und so geht es einem Krimikritiker, der etwas liest, das gar kein Krimi ist, obwohls draufsteht, sondern, sagen wir mal: irgendso ein gesellschaftsrelevant kritischer D\u00fcnnpfiff, dass du garantiert auch d\u00fcnnpfeifst, aber jetzt mal ehrlich: Davon kann ein Krimikritiker nicht leben. Er muss eine Krimikritik schreiben und er kann das dann auch nicht D\u00fcnnpfiffkritik nennen, sonst w\u00e4re er ja rein logisch ein D\u00fcnnpfiffkritiker, was aber kein Mensch sein will au\u00dfer denen im Fernsehen. Er kann h\u00f6chstens feststellen, dass das, was er da gelesen hat, \u00fcberhaupt kein Krimi ist, nur da w\u00e4ren wir wieder beim B\u00e4cker, der auch gucken muss, wo er bleibt mit seinen gebackenen Smarties und der doch der Omma nicht sagen kann, h\u00f6r ma Omma, das ist kein Brot, das sind Smarties, die ziehen dir das Gebiss aus, also lass ma die Finger von.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem ist also: Der Kritiker hat etwas gelesen, das hei\u00dft, seine Zellen haben festgestellt: Uh, ich pack das nicht. Soll Krimi sein, ist aber nicht Krimi. Soll nicht h\u00f6here Literatur sein, ist es aber, denn h\u00f6here Literatur ist qua definitionem alles, was nicht unterh\u00e4lt und ein Krimi sollte schon unterhalten, sonst w\u00e4rs ja kein Krimi, sonst w\u00e4rs gleich Literatur, aber f\u00fcr die ist der Kritiker \u2013 und jetzt kommts! \u2013 ja gar nicht zust\u00e4ndig, davon m\u00fcsste er n\u00e4mlich etwas verstehen, deshalb ist er ja Krimikritiker geworden, weil er von Literatur nichts versteht und von Krimis auch nicht, aber er muss dr\u00fcber schreiben, als w\u00e4rs ein Krimi, und weils partout keiner werden will, er kann sich die Finger wundschreiben, ist es halt mehr als ein Krimi, n\u00e4mlich gar kein Krimi oder doch einer, aber der Krimikritiker ahnt nichts davon.<\/p>\n\n\n\n<p>So geht\u2019s ab in den Zellen da oben, man glaubt es nicht. Krimikritiker ist schon ein Schei\u00dfberuf. Und jetzt leckt&#8217;s mich doch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Krimiweisheiten aus dem B\u00dcRGERECK&#8220;. So hei\u00dft eine neue Serie, in der wir zuf\u00e4llige G\u00e4ste der bekannten einheimischen Gastst\u00e4tte B\u00dcRGERECK zu fortgeschrittener Stunde mit krimiaffinen Themen konfrontieren und um m\u00f6glichst empirisch abgesicherte Weisheiten zum Genre bitten. 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