{"id":20878,"date":"2008-01-03T08:14:02","date_gmt":"2008-01-03T08:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/joseph-wambaugh-hollywood-station\/"},"modified":"2022-06-06T22:19:27","modified_gmt":"2022-06-06T20:19:27","slug":"joseph-wambaugh-hollywood-station","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/joseph-wambaugh-hollywood-station\/","title":{"rendered":"Joseph Wambaugh: Hollywood Station"},"content":{"rendered":"\n<p>Zehn Jahre sind seit Joseph Wambaughs letztem Buch vergangen. Stile und Leser haben sich in der Zeit gewandelt. \u201eHollywood Station\u201c ist also eine Art Comeback &#8230; und was f\u00fcr eins. Hier kommt alles zusammen, was ein gutes Buch ausmacht. In zahlreichen wechselnden Perspektiven erz\u00e4hlt Wambaugh den Alltag des Polizeireviers in Hollywood im Jahre 2006. Da wird nicht nur die Geschichte der Aufkl\u00e4rung eines Verbrechens erz\u00e4hlt, sondern das Leben der Polizisten und Verbrecher in kurzen Episoden und Anekdoten dargestellt. \u201eHollywood Station\u201c ist dabei so schonungslos wie witzig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Viel hat sich getan seit der Zeit, als James Ellroys Polizisten Los Angeles im Griff hatten oder Wambaugh in seinen ersten B\u00fcchern Polisten zur Arbeit schickte. Pl\u00f6tzlich haben wir M\u00fctter, die w\u00e4hrend des Dienstes Milch abpumpen; Polizisten, die Befragungen von wei\u00dfen Verd\u00e4chtigen erfinden, um nicht in den Verdacht zu geraten, Nicht-Wei\u00dfe zu benachteiligen und M\u00e4nner, die suspendiert werden, weil sie tief durchatmen, wenn sie den nackten Nabel einer Kollegin sehen. Hier wird die Welt von der auch <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/09\/paula-l-woods-inner-city-blues.php\">Paula L. Woods<\/a> erz\u00e4hlt, von einer anderen Seite beleuchtet: Diese Polizei ist fest im Griff der politischen Korrektheit und droht am Qualit\u00e4tsmanagement zu ersticken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Juwelenraub ist&#8217;s, der den Impressionen aus dem Polizistenleben ein R\u00fcckgrat gibt. Es ist einerseits eine kleine Hardboiled-Geschichte, die ein wenig von den gr\u00f6\u00dferen Kriminellen an den R\u00e4ndern der russischen Mafia erz\u00e4hlt und andererseits eine dieser witzigen Episodenstories, bei denen die Helden immer tiefer ins Schlamassel geraten, weil ihnen immer wieder \u00fcberraschende Ereignisse widerfahren, die ihren Planungen zuwiderlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Farley Ramsdale und Olive Oyl sind zwei Drogens\u00fcchtige (und wie gut die von Wambaugh charakterisiert sind!), die Methamphetamin rauchen (Ice genannt); ihr ganzes Leben dreht sich nur um die Beschaffung des Zeugs. Geld haben sie keines, Arbeit, Zukunft oder Perspektive auch nicht. Ramsdale ist in Hollywood geboren und aufgewachsen. Er hat Gl\u00fcck und lebt schuldenfrei im Haus seiner verstorbenen Eltern. Voller Abscheu betrachtet er, wie \u201eseine\u201c Stadt sich unter dem steten Zustrom von Geld und Einwanderern ver\u00e4ndert. Irgendwann hatte er Olive Oyl aufgegabelt und bei sich aufgenommen. Eigentlich hat sie noch weniger als er, die st\u00e4ndige Gier nach S\u00fc\u00dfem zerst\u00f6rt ihre Z\u00e4hne und ihre gutm\u00fctige Naivit\u00e4t ist einer \u201eBeschaffungskriminellen\u201c auch nicht dienlich. Mittels klebriger Mausefallen versuchen beide aus Briefk\u00e4sten Briefe zu klauen; Checkkarten oder Personendaten verkaufen sie an Typen, die damit &#8218;was anfangen k\u00f6nnen. Eines Tages f\u00fchren die weitergegeben Informationen zu einem Juwelenraub und Ramsdale glaubt, dass seine Stunde gekommen ist, ein bisschen mehr Geld zu machen. Wenn man so wollte, k\u00f6nnte man sagen, Wambaugh nimmt eine dieser unterhaltsamen Humorkrimigeschichten und kehrt ihr Innerstes nach au\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sprache des Buchs hat&#8217;s in sich; im Stil eher knapp, mixt es Polizeisprech und den stetig wandelnden Jargon der Stra\u00dfe. Im Vorwort selber bedankt sich Wambaugh bei Ellroy, der dieses Buch \u201eangeregt\u201c habe \u2013 man meint zu verstehen, warum das so ist. Die Leser deutschsprachiger B\u00fccher haben Gl\u00fcck: Die \u00dcbersetzung erscheint im M\u00e4rz.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Joseph Wambaugh: Hollywood Station. <br \/>Vision 2007. 432 Seiten. 6,98 \u20ac <br \/>(deutsch: Hollywood Station, L\u00fcbbe 2008, 7,95 \u20ac)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre sind seit Joseph Wambaughs letztem Buch vergangen. 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