{"id":20892,"date":"2008-01-18T05:13:45","date_gmt":"2008-01-18T05:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/als-bettvorleger-gelandet\/"},"modified":"2022-06-07T00:42:16","modified_gmt":"2022-06-06T22:42:16","slug":"als-bettvorleger-gelandet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/als-bettvorleger-gelandet\/","title":{"rendered":"Als Bettvorleger gelandet?"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Kriminalh\u00f6rspiel zu f\u00f6rdern und \u201eins Gespr\u00e4ch\u201c zu bringen, ist per se eine gute Sache. Dass, wer eine Bude auf dem Markt hat, auch schreien muss, wusste man schon in den 50er Jahren, und die modernen Zeiten verlangen <em>events<\/em>, theatralisches, inszeniertes Schreien. So war man gespannt, als \u2192<a href=\"http:\/\/www.togohlis.de\/03Radiotatort.htm\">&#8222;an diesem historischen 16. Januar\u201c <\/a>der Radio-Tatort als \u00c4quivalent zur TV-Reihe mit einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks startete. Die Latte lag hoch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Peter Meisenbergers \u201eDer Emir\u201c ist inhaltlich wie formal guter Durchschnitt, wenn man als Ma\u00df jenes \u00fcber die Zeit gewachsene Standardmodell \u201eKriminalh\u00f6rspiel\u201c zu Grunde legt. Sprich: Eine Geschichte wird, mehr oder weniger stringent, erz\u00e4hlt, von O-T\u00f6nen und Musik unterst\u00fctzt. Mit Radioavantgarde hat das nichts zu tun, muss es auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein M\u00e4dchenh\u00e4ndler, der titelgebende \u201eEmir\u201c, m\u00f6chte auch ins Drogengesch\u00e4ft einsteigen. Das LKA D\u00fcsseldorf sucht einen verdeckten Ermittler, der in des Emirs Umfeld gelangen kann, und findet endlich Hauptkommissar Nadir Taraki, der schon einmal mit dem Emir zu tun hatte, entlarvt wurde und seither auf der schwarzen Liste des Gangsters steht. Tats\u00e4chlich schafft es Taraki, den Emir zu kontaktieren. Er schl\u00e4gt ihm ein riskantes Gesch\u00e4ft vor, ger\u00e4t in Lebensgefahr, doch der Emir wird zur Strecke gebracht und Taraki, zur Zeit im Archiv t\u00e4tig, kommt wieder ins aufregende kriminalpolizeiliche Tagesgesch\u00e4ft, aus dem uns weitere F\u00e4lle via Radio-Tatort zugetragen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Story an einigen, durchaus entscheidenden Stellen hinsichtlich ihrer inneren Logik ein wenig hakt, kann nicht \u00fcberraschen. Warum der Emir Taraki, den er f\u00fcr den Tod seines kleinen Bruders verantwortlich macht, nicht schon l\u00e4ngst get\u00f6tet hat, wird ebenso wenig klar wie seine Absicht, es ausgerechnet jetzt zu tun, wo sich Taraki in der H\u00f6hle des L\u00f6wen befindet und dieser davon ausgehen muss, dass die Polizei dar\u00fcber informiert ist. Auch der Showdown ist reichlich aufgesetzt, aber hier r\u00e4cht sich die quantitative Begrenztheit eines H\u00f6rspiels von knapp 50 Minuten Dauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Punkt. \u201eDer Emir\u201c ist eine auf H\u00f6rspielanforderungen heruntergebrochene Erz\u00e4hlung oder, andersrum, ein vertonter Krimi, wie er sich z.B. f\u00fcr die Reihe \u201ekaliber .64\u201c der Edition Nautilus eignen w\u00fcrde. Inhaltlich das, was man \u201erealit\u00e4tsnah\u201c nennt: der Protagonist halb Afghane, halb Deutscher, ein paar Anmerkungen zur bundesdeutschen Wirklichkeit, ein leicht islamophober Kollege.<\/p>\n\n\n\n<p>Also in jeder Hinsicht nichts Besonderes. Und so ersch\u00f6pft sich bislang die prognostizierte Erfrischung der vor sich hin d\u00e4mmernden Gattung \u201eKriminalh\u00f6rspiel\u201c im reinen Medienereignis, in der Tatsache, dass sich alle Anstalten des \u00f6ffentlichen Rechts zusammenraufen und auf ein gemeinsames Konzept einigen konnten. Das verschafft dem Kriminalh\u00f6rspiel Aufmerksamkeit. Sie \u00fcber die Kurzlebigkeit des Eventhaften hinaus am Leben zu erhalten, wird allerdings schwer. Von Aufbruchstimmung kann k\u00fcnstlerisch bisher keine Rede sein, dazu m\u00fcsste das Schielen nach der Risikolosigkeit des Bew\u00e4hrten einem klaren Blick auf m\u00f6gliche formale Erweiterungen weichen. Film und Fernsehen machen es \u2013 wenngleich selten hierzulande \u2013 vor.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Peter Meisenberg (Autor) \/ Thomas Leutzbach (Regisseur): Der Emir. <br \/>WDR 2008. ca. 50 Minuten (eine mp3-Datei steht bis zum 23.01.08 zum \u2192<a href=\"http:\/\/web.ard.de\/radiotatort\/seiten\/index.php\">Download<\/a> bereit)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kriminalh\u00f6rspiel zu f\u00f6rdern und \u201eins Gespr\u00e4ch\u201c zu bringen, ist per se eine gute Sache. 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