{"id":20902,"date":"2008-01-25T05:12:36","date_gmt":"2008-01-25T05:12:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/lose-gedanken-zum-humor-in-krimis\/"},"modified":"2022-06-15T21:39:43","modified_gmt":"2022-06-15T19:39:43","slug":"lose-gedanken-zum-humor-in-krimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/01\/lose-gedanken-zum-humor-in-krimis\/","title":{"rendered":"Lose Gedanken zum Humor in Krimis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/blog_karneval_2008_150.jpg\" alt=\"blog_karneval_2008_150.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ganz disparate, sehr spontane, nicht weiter verfolgte Gedanken zu \u201eKrimi und Humor\u201c, dem Thema von Ludgers \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/930\/aufruf-zum-zweiten-krimi-blog-karneval.html\">\u201e2. Krimiblog-Karneval\u201c<\/a>. Wer\u2019s seri\u00f6ser haben m\u00f6chte, sei gleich an den \u2192<a href=\"http:\/\/www.kaliber38.de\/woertche\/komik.htm\">Heiligen Vater<\/a> verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Humor ist, wenn ich lachen muss. \u00dcber so etwas z.B. nicht:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eBitte, bitt, bring mich nicht um!\u201c, flehe ich ihn an und werfe mich zu seinen F\u00fc\u00dfen.Igitt, ein Transvestit! Der Killer ist ein Transvestit! Er l\u00e4uft mit sch\u00e4bigen Frauenschuhen herum. \u201eIch habe mit der ganzen Geschichte nichts zu tun! Lassen Sie mich gehen! Ich wollte hier nur ein paar Pornohefte angucken. Ich bin n\u00e4mlich schon seit f\u00fcnfundzwanzig Jahren verheiratet, wissen Sie?\u201c \u201eDu ekelhaftes, perverses Schwein!\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aus Osman Engins \u201eTote essen keinen D\u00f6ner\u201c, einer \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/osman-engin-tote-essen-keinen-doener.html\">Rezension<\/a> von Lars Schafft entnommen, der im Gegensatz zu mir \u00fcber so etwas lachen kann. Womit wir beim Hauptproblem w\u00e4ren: Wir lachen alle anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weiter: Lachen kann ich auch nicht \u00fcber \u201efeinf\u00fchligen, kultivierten, akademischen Humor\u201c. Oder \u201eSituationskomik\u201c. Das Allerschlimmste aber ist jenes Lachen, das einem \u201eim Halse stecken bleiben\u201c soll. Igitt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wor\u00fcber lache ich? Na, z.B. \u00fcber alles, was unter die G\u00fcrtellinie geht. Jetzt nicht einmal wortw\u00f6rtlich und irgendwie sexuell konnotiert. Ich lache etwa dar\u00fcber, dass in den B\u00fcchern von David Peace pausenlos gekotzt wird. Oder wenn in Hammetts \u201eDas gro\u00dfe Umlegen\u201c wieder einmal zehn Figuren die Lebenslichter ausgepustet werden. Je gr\u00f6ber, desto besser, denn Krimi ist auch etwas, das unter die G\u00fcrtellinie geht, das hat nichts mit schrulligen alten Tanten zu tun, die ihren M\u00e4nnern Gift in den Tee tr\u00e4ufeln. \u00dcberhaupt: Weg mit dem \u201ewohldosierten Humor\u201c. Ich mag Humor in \u00dcberdosis, kalauernd, v\u00f6llig \u00fcberzogen, denn Humor entgrenzt sich immer selbst, wird anarchistisch, sonst ist er kein Humor, sonst ist er schlicht Witzigkeit, und die finde ich \u2013 siehe oben \u2013 \u00fcberhaupt nicht komisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich nat\u00fcrlich auf den Standpunkt festlegen, Mord sei niemals harmlos und folglich Humor im Krimi v\u00f6llig deplaziert. Das setzt aber voraus, Humor sei generell harmlos, was er zwar meistens ist, aber nicht von Natur aus. Der Humor des politischen Kabaretts z.B. ist harmlos. Vor allem dann, wenn die, \u00fcber die man lachen soll, im Publikum sitzen und mitlachen. Aber dann ist die Situation selbst wieder humoristisch und mitnichten harmlos, sondern enth\u00fcllend. Enth\u00fcllend ist meistens das, was dies unfreiwillig tut. Deshalb achte man mir den unfreiwilligen Humor, dessen Vorhandensein in der Kriminalliteratur nach Legionen gez\u00e4hlt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Humor sollte also etwas enth\u00fcllen, so wie der Krimi etwas enth\u00fcllen, also blo\u00dfstellen sollte: die Normalit\u00e4t, die Oberfl\u00e4che von Recht und Ordnung, das Kontinuierliche, auch das Kontinuierliche des Erz\u00e4hlens, wie es etwa bei Steinfest oder Haas geschieht, \u00fcber die ich durchaus einmal lachen konnte, aber da ich in jedem Buch \u00fcber das gleiche lachen soll, lass ich es jetzt lieber.<\/p>\n\n\n\n<p>Humor in Krimis ist meist so tot, dass er schon \u201eschwarz\u201c wird, wenn er gerade seinen letzten Schnaufer tut. Schwarzer Humor, ach ja, hab ich ganz vergessen, schwarzen Humor mag ich \u00fcberhaupt nicht, er langweilt mich. Humor soll mich vor allem \u00fcberraschen. Ich m\u00f6chte nicht schon von Zeile eins an darauf vorbereitet sein, lachen zu m\u00fcssen, weil ein Serienkiller die Skelette seiner Opfer zu Hause als Kleiderst\u00e4nder benutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Werden wir zum Schluss ein wenig grunds\u00e4tzlicher. Behaupten wir einfach, jedes literarische Meisterwerk sei zweierlei: a) ein Krimi und b) komisch. Ein Text, der weder Krimi ist noch komisch, kann kein Meisterwerk sein. \u201eKrimi\u201c hier in seiner \u2013 genrebefreiten \u2013 Kernbedeutung: die Konstruktion durch Destruktion. Genauso sehe ich auch das Komische: Es gew\u00e4hrt einen neuen Blick auf die Dinge, indem es die alten Blicke zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz disparate, sehr spontane, nicht weiter verfolgte Gedanken zu \u201eKrimi und Humor\u201c, dem Thema von Ludgers \u2192\u201e2. Krimiblog-Karneval\u201c. 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