{"id":20916,"date":"2008-02-05T05:17:01","date_gmt":"2008-02-05T05:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/theresa-schwegel-probable-cause\/"},"modified":"2025-01-27T04:28:09","modified_gmt":"2025-01-27T03:28:09","slug":"theresa-schwegel-probable-cause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/theresa-schwegel-probable-cause\/","title":{"rendered":"Theresa Schwegel: Probable Cause"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt B\u00fccher, die lege ich aus der Hand und frage mich, ob ich den Zugriff auf das Genre verliere. Diese B\u00fccher, sie sind nicht schlecht, erfahren anderswo h\u00e4ufig auch Lob und Zuwendung, aber sie lassen mich seltsam gef\u00fchllos zur\u00fcck und scheinen mir den Aufwand nicht wert, sich zwei oder mehr Abende mit ihnen um die Ohren zu schlagen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/cover-probable-cause.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"91\" height=\"150\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/cover-probable-cause-91x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-41030\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/cover-probable-cause-91x150.jpg 91w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/cover-probable-cause.jpg 303w\" sizes=\"auto, (max-width: 91px) 100vw, 91px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eProbable Cause\u201c von Theresa Schwegel ist so ein Buch. Die Autorin hat in den USA einen guten Namen, 2006 den Edgar f\u00fcr&#8217;s beste erste Buch gewonnen und soll intime, eindringliche \u201cpolice procedurals\u201d, schreiben. B\u00fccher also, bei denen die Aufkl\u00e4rung eines Verbrechens von der Sicht der Polizei aus betrachtet wird und ein Einblick ins Innenleben des Polizeiapparates gew\u00e4hrt wird. Schwegel war schon eine Weile auf meinem Radar und eine lobende Erw\u00e4hnung des Buches durch <a href=\"http:\/\/internationalnoir.blogspot.com\/2007\/12\/december-reading.html\">Glenn Harper<\/a> hatte mich veranlasst, das Buch zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eProbable Cause\u201c scheint mir auch von Joseph Wambaugh und seinem Realismus inspiriert, es geht also (anfangs) &#8218;ran an die Polizisten und ihren Befindlichkeiten. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte aus der Sicht Ray Weiss&#8216; und gibt uns einen Einblick in dessen Gedanken und Gef\u00fchle. Weiss ist Rookie, Neuling im Revier und wie alle Rookies muss er durch den Initiationsritus. Vieles k\u00e4me da in Frage, um den jungen Polizisten zu zeigen, wo sie stehen. Im Revier hat man sich jedoch etwas besonderes ausgedacht: Sie begehen Einbr\u00fcche. Begleitet durch einen \u00e4lteren Kollegen sollen sie an einem vorbestimmten Ort einbrechen und ein oder zwei Gegenst\u00e4nde mitgehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiss&#8216; Einsatz, wenig \u00fcberraschend, geht schief und statt Juwelen sieht er sich einer Leiche gegen\u00fcber. Zum Gl\u00fcck hat er eine erfahrenen Kollegen dabei, der den Tatort ordnet und den Fundbericht verfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiss selber hat ein schlechtes Gewissen, dem Opfer gegen\u00fcber und weil er sich zu der Dummheit des Einbruchs hat hinrei\u00dfen lassen. Er hat bei seinen Kollegen einen schlechten Stand, denn sein Gro\u00dfvater und sein Vater hatten es beide bei der Chicagoer Polizei zu etwas gebracht und er selber gilt als Warmduscher. Als seine Kollegen anfangen, die Sache einem Unschuldigen in die Schuhe zu schieben und Weiss weiterhin versucht, den wahren T\u00e4ter zu finden, muss er auch noch f\u00fcrchten, als Kameradenschwein dazustehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast so etwas wie ein \u201eEntwicklungsroman\u201c, eingebettet in ein komplexes Gef\u00fcge, weitere Verwicklungen wie ein Stalker und ein kompliziertes Privatenleben treten hinzu &#8230; alleine, da entwickelt sich nichts. Ein Satz seines Vater und &#8211; Puff! &#8211; aus dem gr\u00fcblerischen Mann wird ein zielstrebiger Macher. Die Geschichte wird nicht von Charakteren bev\u00f6lkert, sondern von Klischees, die nicht miteinander reden, sondern Floskeln austauschen und so ist es auch kein Wunder, dass es im Plotgeb\u00e4lk deshalb \u00e4chzt und knirscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat auch mehr die Aura eines \u201cpolice procedurals\u201d, als tats\u00e4chlich eines zu sein. Den gr\u00f6\u00dferen Teil begleiten wir Weiss au\u00dferhalb der Polizei. Dass Polizisten oder die ganze Polizei korrupt ist wissen wir (oder meinen wir zu wissen) \u2013 geschenkt. Aber in den meisten B\u00fcchern, kommen die Personen dennoch etwas vielschichtigerer &#8218;r\u00fcber &#8211; zu Wambaugh fehlt hier viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei schreibt Schwegel stilistisch gar nicht schlecht und das Buch l\u00e4sst sich flott lesen. Sie hat den Plot von der Struktur her im Griff und wenn man mit den (Stereo)Typen leben kann, mag man sich vielleicht f\u00fcr die gr\u00fcblerische Gestalt des Ray Weiss erw\u00e4rmen. Ein Buch nicht zum an die Wand werfen, sondern, wie gesagt, zum Bet\u00e4uben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Theresa Schwegel: Probable Cause. <br \/>St. Martin Minotaur 2007. 320 Seiten. 5,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt B\u00fccher, die lege ich aus der Hand und frage mich, ob ich den Zugriff auf das Genre verliere. 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