{"id":20919,"date":"2008-02-08T05:09:56","date_gmt":"2008-02-08T05:09:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/krimispam\/"},"modified":"2022-06-06T21:07:08","modified_gmt":"2022-06-06T19:07:08","slug":"krimispam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/krimispam\/","title":{"rendered":"Krimispam"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Wortschatz der oder des gemeinen Krimischaffenden ist naturgem\u00e4\u00df begrenzt. Da feixen die &#8222;inneren D\u00e4monen&#8220;, laufen &#8222;Schauder&#8220; wie Gletscher \u00fcber den R\u00fccken oder korrigiert sich in jedem zweiten Krimi die Frau des Ermordeten: &#8222;Mein Mann ist \u2013 ich meine: war\u2026&#8220;. Immer die gleichen Schablonen, die ewigen abgestandenen Begriffe. Da lob ich mir die Penisverl\u00e4ngerer.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Weil, wer mir im Betreff bezwecks \u201ePenisverl\u00e4ngerung\u201c an den selbigen will, sofort in den Spamordner wandert, und weil dieser Umstand den Penisverl\u00e4ngerern l\u00e4ngst bekannt ist, versuchen sich letztere als Neologisten. Sie erfinden immer neue Bezeichnungen f\u00fcr \u201edas beste St\u00fcck\u201c (eine der phantasieloseren Ersatzphrasen), in der Hoffnung, es sei noch nicht in die Spamliste eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Garantiert dort steht \u201ePen!s\u201c. Ganz netter Versuch mit dem Ausrufezeichen, aber mehr nicht. V\u00f6llig daneben auch \u201ePhallus\u201c, \u201eDick\u201c, &#8222;Cock&#8220;, &#8222;Tool&#8220;, \u201eWilli\u201c, &#8222;Babymaker&#8220; und \u201eLovemachine\u201c. Cleverer hingegen \u201eFuckstick\u201c, noch cleverer \u201eerectileOrgan\u201c, total genial: SHLONG. Shlong? Nie geh\u00f6rt, aber instinktiv wei\u00df ich, was gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Geradezu \u00fcbersch\u00e4umend die Phantasie bei Wortzusammensetzungen wie &#8222;DiegoMassiveErectileorgan&#8220; oder MarthaImpressiveShlong ode ganze S\u00e4tze wie &#8220; Your hot rod will heat up your bedroom&#8220;\u2013 da w\u00fcnscht man sich denn schon, die Damen und Herren Krimiautoren w\u00e4ren \u00e4hnlich einfallsreich, wenn es gilt, im Grunde schlichte Sachverhalte mit etwas anderem als Standardfloskeln abzubilden.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re es nicht an der Zeit, eine Art &#8222;Spamfilter&#8220; f\u00fcr Krimis anzulegen? Ein Software-Werkzeug, das in der Lage ist, Texte nach allzu biederen Formulierungen zu scannen und ab einer gewissen Trefferzahl mitleidlos in den Orkus des Vergessens zu bef\u00f6rdern? Es w\u00e4re an der Zeit, keine Frage. Jedoch: B\u00fccher sind Papier, sie m\u00fcssten aber digital zug\u00e4nglich sein. Die verbl\u00fcffende L\u00f6sung: Ein menschlicher Spamfilter. Eine unbestechliche Person, der s\u00e4mtliche &#8222;Keywords&#8220; einprogrammiert wurden und die, bevor man selber arglos zum Buch greift, dieses abcheckt und entscheidet, ob seine Lekt\u00fcre durchschnittlich intelligenten Vertreter der menschlichen Spezies zugemutet werden kann. Das zwingt die Krimischaffenden zu waghalsigen Wortbauten, da &#8222;g\u00e4nseh\u00e4utelt&#8220; es, statt zu schaudern, da schaut keiner mehr &#8222;betroffen auf den Toten&#8220;, sondern &#8222;irgendwie depressiv-nachdenklich&#8220;. Immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der Unmengen gedruckter Ware tun sich hier ungeahnte M\u00f6glichkeiten zur Belebung des Arbeitsmarktes auf. Bei gesch\u00e4tzten 800 Krimineuerscheinungen im Jahr, einer zu Grunde gelegten Lesegeschwindigkeit von 1 Titel pro Tag (bei Vollzeitbesch\u00e4ftigung), w\u00e4ren das drei Arbeitspl\u00e4tze allein f\u00fcr den Krimibereich! Nat\u00fcrlich gehen wir von einer 5-Tage-Woche und 30 Tagen Jahresurlaub aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Bewerbern schon einmal einen kleinen Begriff von der ihnen bevorstehenden T\u00e4tigkeit zu geben, hier ein Zitat aus Mordechai Richlers wunderbarem Buch &#8222;Cocksure&#8220;(nein, das hat nichts mit \u00e4h\u2026 erectile Organ zu tun!). Englische Grundsch\u00fcler des Jahres 1968 finden Ersatzw\u00f6rter f\u00fcr den Shlong:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Und jetzt&#8220;, sagte Miss Tanner und trat vor die Tafel, &#8222;kann mir jemand noch ein anderes Wort f\u00fcr Glied sagen?&#8220;<br \/>&#8222;Schwanz&#8220;, ert\u00f6nte der Ruf eines kleinen M\u00e4dchens, und Miss Tanner schrieb es auf.<br \/>&#8222;Pimmel.&#8220;<br \/>&#8222;Schwengel.&#8220;<br \/>&#8222;M\u00e4nnliches Geschlecht.&#8220;<br \/>&#8222;Penis.&#8220;<br \/>&#8222;St\u00e4nder.&#8220;<br \/>MIss Tanner schaute skeptisch. Zog die Stirn in Falten. &#8222;Nicht immer&#8220;, sagte sie, schrieb das Wort dann aber auf.<br \/>&#8222;Fickmaschine.&#8220;<br \/>&#8222;Piller.&#8220;<br \/>&#8222;Du weichst wieder ab, Monty&#8220;, sagte Miss Tanner leicht gereizt.&#8220;<br \/>&#8222;Joystick.&#8220;<br \/>Pause.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wortschatz der oder des gemeinen Krimischaffenden ist naturgem\u00e4\u00df begrenzt. Da feixen die &#8222;inneren D\u00e4monen&#8220;, laufen &#8222;Schauder&#8220; wie Gletscher \u00fcber den R\u00fccken oder korrigiert sich in jedem zweiten Krimi die Frau des Ermordeten: &#8222;Mein Mann ist \u2013 ich meine: war\u2026&#8220;. Immer die gleichen Schablonen, die ewigen abgestandenen Begriffe. 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