{"id":20922,"date":"2008-02-12T05:36:07","date_gmt":"2008-02-12T05:36:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/tana-french-in-the-woods\/"},"modified":"2022-06-15T02:56:15","modified_gmt":"2022-06-15T00:56:15","slug":"tana-french-in-the-woods","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/tana-french-in-the-woods\/","title":{"rendered":"Tana French: In the Woods"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon wieder ein atemberaubender Erstling, der die Kritiker beeindruckt, und so kam denn die Nominierung f\u00fcr die Kategorie \u201eBestes erstes Buch eines amerikanischen Autors\u201c des <em>Edgar <\/em>nur deshalb \u00fcberraschend, weil Frenchs einziger Beitrag zur Erf\u00fcllung US-amerikanischer B\u00fcrgerpflichten die Geburt in Vermont war.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eIn the Woods\u201c wird gerne als Psychothriller verkauft, nicht ganz verkehrt das und doch viel zu beengend. Auf den ersten 400 der knapp 600 niemals langen Seiten liest sich das Buch wie eine Kreuzung von Whodunit und Ellroys \u201eBlack Dahlia\u201c. Die Leiche eines M\u00e4dchens wird auf einen Altarstein in einer arch\u00e4ologischen Grabungsst\u00e4tte gefunden. Das Opfer ist erschlagen und erstickt worden und in ihre Scheide ein Gegenstand eingef\u00fchrt, wie um eine Vergewaltigung vorzut\u00e4uschen &#8230; .<\/p>\n\n\n\n<p>Motive f\u00fcr die Tat gibt es so richtig nicht und doch reiht French um dieses Verbrechen mehrere m\u00f6gliche Ursachen und entsprechende Nachforschungen. Der Vater des M\u00e4dchens ist Vorsitzender einer B\u00fcrgerinitiative, die den Bau einer Autobahn auf der Grabungsst\u00e4tte verhindern will; viel Geld steht auf dem Spiel, gelegentlich erh\u00e4lt er Drohanrufe. Die Familie wirkt seltsam aus dem Lot, als w\u00e4re da etwas &#8230; ohne dass die Detektive die Finger drauf legen k\u00f6nnen. Und die Grabungsst\u00e4tte selbst, arch\u00e4ologisches Kleinod, Sitz uralter heidnischer St\u00e4tten, von der Politik drangegeben, um die Autobahn genau an dieser Stelle zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Saubere Polizeiarbeit wird da geleistet, so mancher Spur nachgelaufen, so mancher Arbeitstag investiert, jedoch ohne dass die Ermittlungen vorangehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Ort, an dem das Verbrechen geschah, war schon &#8218;mal Tatort. Damals spielten im Wald, wie sie es h\u00e4ufiger taten, drei Kinder, 12 Jahre alt, zwei Jungen, ein M\u00e4dchen, seit kleinauf befreundet. Am Ende des Tages sind zwei spurlos verschwunden und der dritte steht an einem Baum, kratzt mit den Fingern\u00e4geln an der Rinde und steht mit den F\u00fc\u00dfen in seinen Schuhen, die voll sind mit Blut. Was geschehen war, wei\u00df er nicht, wird es nie wieder wissen: Totaler Blackout. Adam Ryan hie\u00df der Junge, jetzt ist er Rob Ryan und einer der Detektive, die mit der Aufkl\u00e4rung des Falles befasst sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Cassie ist seine Kollegin. Beide pflegen eine sehr enge und tiefe, eigent\u00fcmlich asexuelle Freundschaft. Sie wei\u00df um sein Geheimnis, das die Ermittlung begleitet, behindert, voranbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Nebeneinander von pers\u00f6nlicher Beziehung der beiden und dieses tiefen unergr\u00fcndlichen Geheimnis, welches Rob umtreibt und ihn aus der Bahn zu werfen droht, verleiht dem Buch eine sehr intensive Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann am auf den letzten 200 Seiten, wenn der Fall auf die Aufkl\u00e4rung zul\u00e4uft, wirbelt French die Handlungsf\u00e4den noch einmal kr\u00e4ftig durcheinander und kreiert da einen emotionalen Hexenkessel mit einer ungew\u00f6hnlichen Aufl\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein wenig ein gewagtes Buch. Einfachere Geister h\u00e4tten es zusammen gek\u00fcrzt, h\u00e4tte die Erz\u00e4hllust gez\u00fcgelt und das Ende konventioneller gestaltet. So aber es ist vielschichtig, bewegt sich stilistisch von einem Subgenre zum anderen und hat immer wieder \u00fcppige und gelungene Formulierungen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eI never knew and never will whether either Cassie or I was a great detective, though I suspect not, but I know this: we made a team worthy of bard-songs and history books. This was our last and greatest dance together, danced in a tiny interview room with darkness outside and rain falling soft and relentless on the roof, for no audience but the doomed and the dead.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und auch dieses Buch wird im Sommer auf Deutsch erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Tana French: In the Woods. <br \/>Hodder &amp; Stoughton 2007. 608 Seiten. 8,45 \u20ac <br \/>(Deutsch: Grabesgr\u00fcn, Scherz Verlag 496 Seiten, 17,90 \u20ac (voraussichtlich 7\/2008))<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon wieder ein atemberaubender Erstling, der die Kritiker beeindruckt, und so kam denn die Nominierung f\u00fcr die Kategorie \u201eBestes erstes Buch eines amerikanischen Autors\u201c des Edgar nur deshalb \u00fcberraschend, weil Frenchs einziger Beitrag zur Erf\u00fcllung US-amerikanischer B\u00fcrgerpflichten die Geburt in Vermont war.<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[397,474],"class_list":["post-20922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-buchkritik","tag-krimi"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20922"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20922\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}