{"id":20926,"date":"2008-02-14T05:21:11","date_gmt":"2008-02-14T05:21:11","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/die-woche-der-erzaehltheorie-des-kriminalromans-3\/"},"modified":"2022-06-09T11:18:13","modified_gmt":"2022-06-09T09:18:13","slug":"die-woche-der-erzaehltheorie-des-kriminalromans-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/die-woche-der-erzaehltheorie-des-kriminalromans-3\/","title":{"rendered":"Die Woche der Erz\u00e4hltheorie des Kriminalromans -3-"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>&#8230; mit einer Kritik von Mordecai Richlers &#8222;Cocksure&#8220; und einem R\u00fcckgriff auf James Sallis&#8216; &#8222;Driver&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Statt der gewohnten Donnerstagskritik heute ein umfangreicher letzter Teil unseres Wochenthemas &#8211; mit eingebetteter Rezension. Eigentlich sollte die Rezension f\u00fcr sich stehen und der eher allgemein-theoretische Teil morgen folgen. Es ist nat\u00fcrlich anders gekommen&#8230; &#8222;Cocksure&#8220; jedenfalls ist Klasse &#8211; nachfolgender Text zumindestens &#8222;komplex&#8220; &#8211; und letztlich nicht mehr als eine nach Ausarbeitung schreiende Anfangsthese.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Gehalt eines Textes und einer Geschichte? Wenn jemand ein Verbrechen begeht, von Ermittlern gejagt und schlie\u00dflich zur Strecke gebracht wird, dann ist das unbezweifelbar eine Geschichte. Ihr eigent\u00fcmlichstes Charakteristikum zeigt sich in der Inhaltsparaphrase, d.h. &#8222;die Handlung&#8220; kann nacherz\u00e4hlt werden, ohne auf dazu zwingend notwendige Teile von ihr verzichten zu m\u00fcssen. Dabei ist es unwesentlich, ob die Geschichte einen oder mehrere Erz\u00e4hlstr\u00e4nge aufweist. Wer gut nacherz\u00e4hlen kann, bekommt auch das in den Griff.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch von Bedeutung ist die fast v\u00f6llige Abwesenheit von Analyse. Nacherz\u00e4hlungen sich de facto so objektiv, wie sie es nur sein k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich bedeutet jedes Nacherz\u00e4hlen zugleich auch Interpretation; sie bleibt aber in der Regell unreflektiert und orientiert sich am f\u00fcr das Repetieren Notwendigen oder Zuvernachl\u00e4ssigenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterschied zwischen Geschichte und Gehalt ist der zwischen einem Gesicht, das ich aus einer Entfernung betrachte, die mir seine vollst\u00e4ndige Betrachtung erlaubt, und einem Gesicht, dem ich entweder zu nahe oder zu fern stehe, um es nacherz\u00e4hlend beschreiben zu k\u00f6nnen. Stehe ich etwa zu nah, sehe ich nur Details, die es hochzurechnen gilt. Stehe ich zu fern, habe ich lediglich einen \u00dcberblick, von dem ich ableiten muss. Immer aber verlasse ich mich auf Muster, auf eigenes Wissen und Erfahrungen. Eine Geschichte ist mir, selbst wenn sie mit meinem Alltag nichts zu tun hat (was in der Kriminalliteratur ziemlich h\u00e4ufig vorkommen d\u00fcrfte) vertraut, weil mir ihre Abl\u00e4ufe, ihre innere Logik vertraut sind. Die Transferleistung, so es denn eine ist, besteht in der Rekonstruktion, dem Nacherz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erfassen des Gehalts jedoch verlangt von mir, eine Geschichte erst zu konstruieren, eine Geschichte, deren Details oder deren Umrisse ich wohl erkenne, aber nicht ohne weiteres paraphrasieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in der Kriminalliteratur werden Geschichte und Gehalt oft gleichgesetzt, was, \u00fcberblickt man die Menge der gedruckten Verbrechen, auch legitim ist. Eine Story nachzuerz\u00e4hlen, st\u00f6\u00dft mich automatisch in die M\u00fchlen des Genres, ich werde die Geschichte nach seinen Regeln rekonstruieren, also chronologisch und \u00fcberhaupt logisch, wobei ich bem\u00fcht bin, ihre Spannungsb\u00f6gen korrekt zu \u00fcbernehmen. Ich werde die Nacherz\u00e4hlung kaum mit den Worten &#8222;Herr M\u00fcller hat Frau Maier ermordet, aber das erf\u00e4hrt man erst am Schluss&#8220; beginnen, sondern vielleicht &#8222;Frau Maier wird ermordet und Kommissar Schmidt beginnt mit seinen Ermittlungen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kriminalliteratur sind also Geschichte als kontinuierliche Abfolge von Handlungen und Gehalt als nur analytisch zu konstruierendes Sinnsystem oft deckungsgleich. Oder mit anderen Worten: Ich kann Krimis nacherz\u00e4hlen. Nehmen wir ein Beispiel, James Sallis&#8216; &#8222;Driver&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die knappe Geschichte ist mit wenigen Worten in ihrer Essenz zusammenzufassen. Ein Mann, Stuntman f\u00fcr Eins\u00e4tze mit Autos beim Film, hat einen Nebenjob als Fahrer von Fluchtwagen bei Raub\u00fcberf\u00e4llen. Er ist v\u00f6llig auf seinen Job konzentriert, emotionslos. Einer seiner illegalen Jobs l\u00e4uft aus dem Ruder, der Driver ger\u00e4t in lebensbedrohliche Gefahr. Am Ende hat er aber auch diesen Job erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte das nat\u00fcrlich noch mit Details ausschm\u00fccken, so wie man bei der Beschreibung eines Gesichts speziell die Form der Nase oder die Farbe der Haut hervorheben kann, aber nicht unbedingt muss. Die einzige Referenz an das im weitesten Sinne Analytische best\u00fcnde bei &#8222;Driver&#8220; wohl darin, den Roman &#8222;kompakt&#8220; oder &#8222;schlank&#8220; zu nennen, ohne F\u00fcllmaterial verfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Driver&#8220;, kein Zweifel, l\u00e4sst sich nacherz\u00e4hlen. Und Analyse \/ Kategorisierung \/ Bewertung fu\u00dfen auf dieser Rekonstruktion der Geschichte, die ihrerseits alles an Inhalt erfasst, was im Text zu finden ist. Oder etwa doch nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte n\u00e4mlich &#8222;Driver&#8220; auch als das erste Werk der Sekund\u00e4rliteratur zum Krimi bezeichnen, das den Deutschen Krimipreis erhalten hat. Denn Sallis hat nicht etwa &#8222;eine Story&#8220; geschrieben, sondern so gut wie alle Muster, Klischees, Gesten, Zeremonien und sonstigen Versatzst\u00fccke der Abteilung Hardboiled (und einige der Abteilung Noir) verwendet und zu einer Geschichte zusammengesetzt. All diese Einzelteile sind f\u00fcr sich und losgel\u00f6st von der Geschichte Gehalt und damit selbst potentielle Geschichten. Als Komposition erz\u00e4hlen sie die Story, sind kontinuierliche Ordnung, ein Gesicht, das ich aus einer f\u00fcr die Beschreibung (&#8222;Nacherz\u00e4hlung&#8220;) idealen Entfernung betrachte. Aber je n\u00e4her ich mir diese einzelnen Bausteine anschaue, desto diskontinuierlicher wird das Ganze. Es l\u00e4sst sich nicht mehr nacherz\u00e4hlen oder: Wenn ich nacherz\u00e4hlen m\u00f6chte, muss ich selbst Geschichten konstruieren. Vor der Repetition steht also die Analyse \u2013 nicht umgekehrt wie bei Romanen, die sich in der Geschichte ersch\u00f6pfen. Dabei gibt es ein besonderes Ph\u00e4nomen zu beobachten. Die Geschichte von &#8222;Driver&#8220; ist eine reinrassige Kriminalgeschichte, ja, sie kann als geradezu paradigmatisch f\u00fcr das Genre gelten. Betrachte ich mir dagegen die Einzelheiten, die Versatzst\u00fccke, schwindet das Kriminalliterarische immer mehr. Am Ende finde ich mich im Allt\u00e4glichen wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Mordecai Richlers &#8222;Cocksure&#8220;, ebenfalls bei Liebeskind erschienen, ist von \u00e4hnlichem Kaliber \u2013 und weist das genau umgekehrte Ph\u00e4nomen auf. Denn ein Krimi im herk\u00f6mmlichen Sinn ist &#8222;Cocksure&#8220; nicht, ungeachtet der Morde und sonstigen Verbrechen, \u00fcber die uns &#8222;die Story&#8220; berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie versetzt uns in das London der legend\u00e4ren &#8222;Swinging Sixties&#8220;, als irgend etwas mit der tradierten Welt geschieht, aber keiner so recht wei\u00df, was eigentlich. Die R\u00f6cke werden k\u00fcrzer, die Haare l\u00e4nger, die Ansichten liberaler, die Drogen leichter zug\u00e4nglich. Mortimer Griffin, Held der Geschichte, scheint von alledem noch weitgehend unber\u00fchrt. Er lebt mit Frau und Sohn recht bek\u00f6mmlich von einem Lektorenjob, schon recht oben auf der Karriereleiter, aber die n\u00e4chste Sprosse warten bereits darauf, erklommen zu werden. Ja, gewiss, ganz frei von Irritationen ist Griffins Leben nicht. Er h\u00e4lt Vortr\u00e4ge \u00fcber Literatur und wird von einem seiner Zuh\u00f6rer, dem Herausgeber einer j\u00fcdischen Zeitschrift, mit der Verd\u00e4chtigung gepiesackt, er, Griffin, sei selbst Jude. Aber unser Held ist wei\u00df, angels\u00e4chsisch, protestantisch, doch indem er darauf besteht, kein Jude zu sein, verd\u00e4chtigt man ihn als Antisemiten, denn etwas anderes kann es dann nicht geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig in die Bredouille ger\u00e4t Griffin aber erst, als der legend\u00e4re &#8222;Star Maker&#8220; den Verlag \u00fcbernimmt. Eine beinahe mythische Figur, alterslos, immer erfolgreich. Griffin wird von leichter Panik ergriffen. Was wird aus dem Verlag? Was aus seiner Karriere? Auch sein Privatleben ger\u00e4t in immer heftigere Turbulenzen. Sein achtj\u00e4hriger Sohn findet es schade, in einem intakten Elternhaus zu leben und setzt alles daran, wenigstens seiner Mutter einen Liebhaber zu besorgen. Mit Erfolg. Griffins Sexleben wird von etlichen verf\u00fchrerischen und scheinbar willigen Damen in Wallung gebracht, aber der Umworbene h\u00e4lt sein Zeugungsorgan f\u00fcr zu klein und die Damen sind, nun ja, ein wenig merkw\u00fcrdig&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenigstens scheint es beruflich gut zu laufen. Griffin wird vom Star Maker protegiert (w\u00e4hrend er bei seinen Kollegen als &#8222;Antisemit&#8220; mehr und mehr ins Abseits ger\u00e4t), er k\u00f6nnte zufrieden sein. W\u00e4ren da nicht die merkw\u00fcrdigen Todesf\u00e4lle, die dem Verlag sehr gelegen kommen\u2026 Und w\u00e4re da nicht der Star Maker selbst, der im wahrsten Sinne des Wortes das tut, was sein Name verspricht\u2026 Dass Griffin von diesem Geheimnissen erf\u00e4hrt, ist nicht gut f\u00fcr ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>The Story so far. Eine \u00fcberdrehte, aberwitzige Satire auf eine ebenso \u00fcberdrehte und aberwitzige Epoche. Und wie jede Satire erz\u00e4hlt &#8222;Cocksure&#8220; zwei Geschichten: Die des durch eine aus den Fugen geratene Zeit taumelnden Mortimer Griffin und ihre auf Normaltemperatur heruntergekochte historische Version. Nat\u00fcrlich gab es im London des Jahres 1968 keine Lehrerinnen, die den Leistungswillen ihrer Sch\u00fcler dadurch bef\u00f6rderten, dass sie den vier Klassenbesten &#8222;einen geblasen &#8220; h\u00e4tte (wohl aber gen\u00fcgte Anh\u00e4nger einer freien Sexualit\u00e4t, die damit ihr Verklemmtsein kaschierten). Und ebenso nat\u00fcrlich ist der Star Maker nichts weiter als ein neuer Typus Gesch\u00e4ftsmann, der Freak in Nadelstreifen. Die Geschichte hat also zwei Gesichter in einem: das n\u00fcchterne Zeitbild aus Pixeln satirischer \u00dcberspitzung. So k\u00f6nnte man das nacherz\u00e4hlen und zugleich analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Krimi? Nein. Allein dass Verbrechen geschehen, macht noch keinen Krimi, zumal von einer entsprechenden &#8222;Handlung&#8220; mit all ihren genrespezifischen Mechanismen wird kaum zu reden sein k\u00f6nnen. Aber in &#8222;Cocksure&#8220; ersch\u00f6pft sich die Handlung eben nicht nur in der erz\u00e4hlten Geschichte. Bereits der Titel f\u00fchrt uns auf eine andere, \u00fcberraschende Spur.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Cocksure&#8220; l\u00e4sst sich mit &#8222;todsicher&#8220;, &#8222;endg\u00fcltig&#8220; \u00fcbersetzen, doch mit wessen Englischkenntnissen es nicht weit her ist, der wird zun\u00e4chst &#8222;schwanzsicher&#8220; lesen \u2013 und genau das ist beabsichtigt (und sch\u00f6n und richtig, dass der Verlag den Titel nicht eingedeutscht hat). Tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt sich Richlers Roman nur mit zwei Themen: mit Sex und Sterben (beziehungsweise der Angst vor beidem). Alles, jede Weltanschauung, jede Moral, jede gesellschaftliche Regel wird auf diese beiden Punkte reduziert. Ausgerechnet h\u00f6chste Lust und h\u00f6chste Gewissheit sind die ma\u00dfgeblichen Irritationen des Lebens, die in der Figur des Star Makers ihre Pervertierung erfahren. Der Star Maker n\u00e4mlich hat eine neue Form von Sex erfunden, die aber das genaue Gegenteil von Lust ist, um der Gewissheit des Todes ein Schnippchen zu schlagen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir so nach und nach ergr\u00fcnden, ist kein &#8222;Krimi&#8220;, weil keine Geschichte. Aber Richler benennt auf dieser Ebene seines Textes pr\u00e4zise jenen N\u00e4hrboden, aus dem Verbrechen w\u00e4chst \u2013 und die Faszination, die es als Verbrechen und Literatur \u00dcBER Verbrechen aus\u00fcbt. Angst vor der Gewissheit, die sich im Schaudern vor dem Ungewissen eine Ausweichemotion verschafft, die Unm\u00f6glichkeit, klare Fronten zu benennen (denn Sex und Tod werden nicht nur durch die jeweilige Angst davor zusammengehalten, sie sind auch sonst untrennbar miteinander verbunden, das Sch\u00f6pferische mit dem Destruktiven ebenso wie das Gute und das B\u00f6se), kurz: Die Destruktion von Lebenskonstanten als Voraussetzung von Lebenskontinuit\u00e4t, das Verbrechen als zugleich zerst\u00f6rerische wie sinn- und ordnungstiftende Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach all diesen Ausf\u00fchrungen wird sich die Frage nach der Definition von Kriminalliteratur stellen. Definiere ich sie nach ihren &#8222;Geschichten&#8220; oder nach ihrem Gehalt, also nach dem Erz\u00e4hlten oder der Theorie, die hinter diesem Erz\u00e4hlten steckt? Ich habe zu diesem Thema eine Aussage von Thomas W\u00f6rtche gefunden. Sie wurde einem l\u00e4ngeren Artikel im &#8222;Krimijahrbuch 2008&#8220; entnommen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220; Es ist unglaublich schwierig, den Krimi bzw. den Kriminalroman gattungstheoretisch zu erfassen. Er l\u00e4sst sich nur \u00fcber Inhaltsparaphrase beschreiben und das reicht nicht aus f\u00fcr eine Gattungstheorie oder f\u00fcr eine Genretheorie.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wir haben im Vorhergegangenen zwei Methoden nicht nur des Erz\u00e4hlens kennengelernt, sondern auch zwei des Definierens \/ Kategorisierens. Die erste ist zielgerichtet, sie baut auf Nacherz\u00e4hlbarkeit resp. auf die M\u00f6glichkeit, \u00fcberhaupt etwas eindeutig definieren zu k\u00f6nnen. Die zweite verwirft das Konzept der Nacherz\u00e4hlbarkeit resp. wandelt das, was man Begriffserkl\u00e4rung nennt, in das genaue Gegenteil um: die Begriffszertr\u00fcmmerung. Indem wir mit den Werkzeugen dieser durchaus gattungs- \/ erz\u00e4hltheorisch operierenden Methode vorgegangen sind, haben wir an den Beispielen Sallis und Richler zwei m\u00f6gliche Anhaltspunkte zuk\u00fcnftiger &#8222;Definitionen&#8220; von Kriminalliteratur erhalten: Kriminalliteratur, die gerade WEIL sie sich scheinbar an s\u00e4mtliche Regeln des Genres h\u00e4lt, \u00fcber dieses hinausweist (Sallis) und solche, die erst weil sie ihre Geschichte au\u00dferhalb des Genres erz\u00e4hlt, dessen Fundierung offenlegt (Richler). Genau das aber weist darauf hin, dass &#8222;das Genre&#8220; nicht sui generis definiert \/ kategorisiert werden kann. Die Kriterien sind allgemeinliterarische, &#8222;Genre&#8220; lediglich ein mit Hilfe inhaltlicher Paraphrasen gezimmertes Orientierungskonstrukt. Das hei\u00dft in letzter Konsequenz: Kriminalliteratur kann auf die gleichen Ressourcen und Mittel wie Nichtkriminalliteratur zugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sei betont, dass nichts dazu berechtigt, Kriminalliteratur, die auf dem Konzept der Nacherz\u00e4hlbarkeit, der stringenten und kontinuierlichen Geschichte basiert, in irgendeiner Form zu diskreditieren. WIE eine Geschichte erz\u00e4hlt wird, sagt nichts \u00fcber ihre Qualit\u00e4t aus. OB eine Geschichte erz\u00e4hlt wird oder vom Leser erz\u00e4hlt werden will, aber auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mordecai Richler: Cocksure. <br \/>Liebeskind 2008. 255 Seiten. 19,80 \u20ac<br \/>(Original: Cooksure. 1968. Deutsch von Silvia Morawetz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; mit einer Kritik von Mordecai Richlers &#8222;Cocksure&#8220; und einem R\u00fcckgriff auf James Sallis&#8216; &#8222;Driver&#8220; Statt der gewohnten Donnerstagskritik heute ein umfangreicher letzter Teil unseres Wochenthemas &#8211; mit eingebetteter Rezension. Eigentlich sollte die Rezension f\u00fcr sich stehen und der eher allgemein-theoretische Teil morgen folgen. 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