{"id":20936,"date":"2008-02-22T05:35:47","date_gmt":"2008-02-22T05:35:47","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/krimijahrbuch-2008-leseprobe\/"},"modified":"2022-06-06T21:53:25","modified_gmt":"2022-06-06T19:53:25","slug":"krimijahrbuch-2008-leseprobe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/krimijahrbuch-2008-leseprobe\/","title":{"rendered":"Krimijahrbuch 2008: Leseprobe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/Krimijahrbuch_2008_klein.jpg\" alt=\"Krimijahrbuch_2008 _klein.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Noch ein paar Wochen, dann ist es endlich da: das Krimijahrbuch 2008. F\u00fcr die ganz Ungeduldigen hier eine kleine Leseprobe&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Ulrich Noller \/ Dieter Paul Rudolph<br \/>Krimi international 2007<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dpr: Ist das nicht merkw\u00fcrdig, lieber Ulrich? Allenthalben und allerorten herrscht Jugendwahn. Bist du erst mal \u00fcber 40, interessieren sich nur noch die Anbieter von Sterbeversicherungen und die ZDF-Programmredaktion f\u00fcr dich. Und dann das: John Harvey, James Crumley, Petros Markaris, Rick DeMarinis, Elmore Leonard, James Sallis, just to name a few. &#8211; Was haben die gemeinsam? Sind alle im Rentenalter und geh\u00f6rten zu den H\u00f6hepunkten des Krimijahres 2007. Wenn schon die \u00abalten Krimis\u00bb ignoriert werden, ehrt man wenigstens die Krimis der Alten. Erfreulich. Oder etwa nicht? Ist diese R\u00fcckkehr des Seniorenheims vielleicht nichts weiter als ein Indiz f\u00fcr den auch in der Krimiindustrie zu konstatierenden Mangel an Nachwuchskr\u00e4ften?<\/p>\n\n\n\n<p>UN: Klar, werter dpr, gut m\u00f6glich; zumal man ziemlich allumfassende \u00d6dnis und Leere erblickt, wenn man sich nach spannenden Talenten jenseits des Zweiten, also nach neuen Autoren unter 40, umschaut; dieser Blick hat \u00e4sthetisch gesehen was von \u00abDie sch\u00f6nsten Bahnfahrten in Europa\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht steckt hinter diesem Trend zur Seniorenresidenz aber auch was ganz anderes als die Blutleere der verdammten Jugend, und das sage ich als einer, der die 30er-Gruppe gerade verlassen hat: Zum einen sind einige dieser Alten einfach gut, richtig gut. Und zum anderen haben wir vermutlich deshalb so viele Alte auf dem Markt, weil mit Hilfe (vorwiegend) kleiner Verlage eine Marktbereinigung von unten vorgenommen wird: Nix brummt auf dem deutschen Buchmarkt, aber Krimmi grummelt wenigstens ein bisschen, und weil sonst alles abgegrast und abgeklopft ist, d\u00fcrfen die unteren Chargen (pulp master, shayol und Co.) jetzt wieder bringen, was die Gro\u00dfkopferten in ihrer Ahnungslosigkeit vor Zehnjahresfrist ins Off getreten haben: die Klassiker des Genres.<br \/>Wobei ich ja gerne noch eins draufsetzen w\u00fcrde, bei der Sache mit den Alten: RICHTIG gut fand ich Anno 2007 zwei Alte, die noch nicht mal mehr im Pflegeheim ein Pl\u00e4tzchen haben, sondern nur mehr auf dem Friedhof: Juan Damonte, mit Ciao Papa. Und Manchettes erstmals ins Deutsche \u00fcbersetzter Erstling La\u00dft die Kadaver br\u00e4unen!: Beide Romane im Prinzip jeweils ein einziger, elogischer, delirierender Showdown \u2013 und beide so was von KRAFTvoll, da schlackerst Du mit den Ohren. Kein Wunder, dass die Jungs gar nicht erst alt geworden sind\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>DPR: Da muss es literarisch aber schon ziemlich st\u00fcrmen, bis ich mit den Ohren schlackere&#8230; aber du hast Recht. Dabei war Manchette, als er die Kadaver br\u00e4unen lie\u00df, gerade mal 29 &#8230; aber eben ein Mann mit Visionen, der den Krimi nicht zum blo\u00dfen Transportmittel f\u00fcr das Anfang der Siebziger beliebte theoretische Gesellschaftskritisieren degradierte, sondern gleich mehrere Weltmodelle in einen perfekten Rei\u00dfer packte. Es geht um das Verbrechen als die letzte Bastion der Kunst und die Kunst als eine Inszenierung von Wirklichkeit. Will hei\u00dfen: Die Wirklichkeit entsteht aus den Verbrechen, die sie hervorbringt. Das ist Hammett konsequent zu Ende gedacht. Hier l\u00e4sst sich das Kritisieren noch in seiner eigentlichen Wortbedeutung verfolgen: als das genaue Betrachten eines Gegenstandes von ALLEN Seiten. Und wer seine Zw\u00f6lfachtzig nur f\u00fcr ein paar St\u00fcndchen krachende Action auf den Tresen z\u00e4hlt, kommt auch auf seine Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber kurz zur\u00fcck zur Politik der Gro\u00dfen. In den USA reist Ken Bruen von einer Preisverleihung zur n\u00e4chsten \u2013 hierzulande ist er seit einer kurzen und schmerzhaften Episode bei Rowohlt 1998 nicht mehr vorhanden. Stattdessen f\u00fcttert man die Raubtiere mit dem gammligen Formfleisch einer Karin Slaughter &#8230; Und dass so etwas massenweise gekauft wird, ist eben KEIN Argument. Gekauft werden kann nur, was angeboten wird. Und diese generelle Geschmacksverflachung ist m\u00f6glicherweise nicht der Grund f\u00fcr das mickrige Angebot, sondern die Folge. Gut, dass wir die Kleinen haben, die sich noch selbst ausbeuten. Nie war es ehrenhafter, Konkurs anzumelden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch zur\u00fcck zum Erfreulichen. Damonte hab ich ja verpasst (sogar ich habe ein Leben neben dem Krimi&#8230;) \u2013 sollte ich die Lekt\u00fcre also schleunigst nachholen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8230;was wird der freundliche Herr Noller empfehlen? Diesen nervenzers\u00e4genden Cliffhanger l\u00f6sen wir im Krimijahrbuch garantiert auf. Wollen Sie dabei sein? Dann wenden Sie sich an den in voller Erwartung des Reibachs ungeduldig harrenden \u2192 <a href=\"mailto:webmaster@nordpark-verlag.de\">Verleger<\/a>&#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein paar Wochen, dann ist es endlich da: das Krimijahrbuch 2008. 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