{"id":20945,"date":"2008-02-28T07:54:06","date_gmt":"2008-02-28T07:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/wolfgang-brenner-bollinger-und-die-barbaren\/"},"modified":"2022-06-07T19:55:40","modified_gmt":"2022-06-07T17:55:40","slug":"wolfgang-brenner-bollinger-und-die-barbaren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/02\/wolfgang-brenner-bollinger-und-die-barbaren\/","title":{"rendered":"Wolfgang Brenner: Bollinger und die Barbaren"},"content":{"rendered":"\n<p>Wolfgang Brenners Felix Bollinger ist endlich Serienheld. Das tut manchmal gar nicht gut, wenn aus einem durchaus \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/06\/wolfgang-brenner-bollinger-und-die-friseuse.php\">gelungenen Krimi<\/a> eine &#8222;Reihe&#8220; wird. Man kennt das: Viel Redundanz, ein sich mehr und mehr aufbl\u00e4hendes Privatleben des Protagonisten oder, au contraire, zwanghaft einmontierte &#8222;Abwechslung&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Man beginnt Bollingers Kampf mit den Barbaren also nicht ohne Bef\u00fcrchtungen zu lesen\u2026<br \/>Bollinger, der Kommissar aus Saarbr\u00fccken, hat sich als Leiter der Polizeistation im franz\u00f6sischen Ort Schauren eingelebt. Na ja, halbwegs. Noch immer wohnt er beim tricksenden B\u00fcrgermeister zur Untermiete und schl\u00e4ft schon mal bei Gelegenheit im Bett der B\u00fcrgermeistersfrau. Aus diesem rei\u00dfen ihn unsanft n\u00e4chtliche Sirenent\u00f6ne: In den maroden Gem\u00e4uern auf dem Wackesberg brennt es! Schlimmer noch: Ein Toter h\u00e4ngt in den Ruinen, eine Kugel im Kopf. Und noch viel schlimmer: Ausgerechnet jetzt kann der B\u00fcrgermeister kenen Trubel um den Wackesberg gebrauchen, soll doch dort ein gro\u00dfes Musicaltheater entstehen und der Gemeinde ewigen Reichtum bringen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ins Visier des Polizisten geraten gleich die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen: die Hagenaus \u2013 Vater und zwei S\u00f6hne -, renitente und gewohnheitsm\u00e4\u00dfig alkoholisierte Au\u00dfenseiter im Dorf, zudem erbitterte Gegner des Theaterbaus. Eine junge h\u00fcbsche Polin haben diese &#8222;Barbaren&#8220; offensichtlich auch in ihrer Gewalt \u2013 noch ein Grund f\u00fcr Bollinger, den Burschen das Handwerk zu legen, denn er verliebt sich in die Polin, obwohl er eigentlich schon in die B\u00fcrgermeistersgattin verliebt ist. Aber so ist nun mal der saarl\u00e4ndische Mann: wenigstens zwei Frauen sollten es schon sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ordnung; anfangs hat mich Bollingers turbulentes Liebesleben schon gest\u00f6rt. Zumal auch dieses zweite seiner Abenteuer nichts weniger als rasant daherkommt und sich kein genrebekanntes Ermitteln entfaltet. Das Redundante h\u00e4lt sich im Rahmen (was nicht hei\u00dft, dass hier nicht mehr zu feilen w\u00e4re). Halt ein recht gem\u00fctlich-bizarres Hin-und-her mit knorrigen Kerlen, dubiosen Impresarios und stinkefaulen franz\u00f6sischen Polizisten, denen man die Sitze aus dem Auto klaut, das alles in den Bollingerschen Hormoncocktail gemixt, nett zu lesen, aber\u2026 aber dann. Tut sich der Abgrund auf. Ganz langsam, man merkt es kaum, ein gestohlenes und dann doch nicht gestohlenes Telefon von Marschall P\u00e9tain ist der erste Hinweis, und pl\u00f6tzlich ist man mitten drin in deutsch-franz\u00f6sischer Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Also doch wieder alles gut und sch\u00f6n? Ja. Bollingers Geschichten stehen recht eigen in der deutschen Krimilandschaft. Gemessen an den Blut-Schwei\u00df-und-Tr\u00e4nen-Fluten g\u00e4ngiger Kost rinnsalen sie so dahin, um schlie\u00dflich wie ein Wasserfall in die Tiefe zu st\u00fcrzen. Nicht niagaram\u00e4\u00dfig, das nicht, aber daf\u00fcr umso \u00fcberraschender. Nur den finalen Gag h\u00e4tte sich Wolfgang Brenner sparen k\u00f6nnen, solche Surprisen hat er gar nicht n\u00f6tig. Also h\u00f6ren Sie vor dem letzten Satz auf zu lesen. Auch wenns schwerf\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Wolfgang Brenner: Bollinger und die Barbaren. <br \/>Dtv 2008. 240 Seiten. 12,50 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Brenners Felix Bollinger ist endlich Serienheld. Das tut manchmal gar nicht gut, wenn aus einem durchaus \u2192gelungenen Krimi eine &#8222;Reihe&#8220; wird. 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