{"id":20960,"date":"2008-03-10T08:01:43","date_gmt":"2008-03-10T08:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/wochenende-eines-depressiven-oder-letzte-zuckungen-eines-krimibloggers\/"},"modified":"2022-06-09T22:55:36","modified_gmt":"2022-06-09T20:55:36","slug":"wochenende-eines-depressiven-oder-letzte-zuckungen-eines-krimibloggers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/wochenende-eines-depressiven-oder-letzte-zuckungen-eines-krimibloggers\/","title":{"rendered":"Wochenende eines Depressiven oder: Letzte Zuckungen eines Krimibloggers"},"content":{"rendered":"\n<p>Freitag, sp\u00e4ter Abend, Anruf TW: Entweder ich r\u00fccke eine \u201eastreine Rezi\u201c raus \u2013 oder er wird den wunderbaren Band \u201eHell\u2019s Bells\u201c, von der noch viel wunderbareren Frau G. herausgegeben, gnadenlos zerrei\u00dfen. Ich durchsuche seufzend meine Festplatten und finde eine Rezension von Tran-Nhuts \u201eDas schwarze Pulver von Meister Hou\u201c, die ich dem erpresserischen Papst zumaile.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Samstag, fr\u00fcher Morgen. Beim \u201eTitel-Magazin\u201c nachgeschaut. Ja, \u2192<a href=\"http:\/\/www.titel-forum.de\/modules.php?op=modload&amp;name=News&amp;file=article&amp;sid=6833&amp;mode=thread&amp;order=0&amp;thold=0\">die Besprechung<\/a> ist online, TW besitzt gro\u00dfe kriminelle Energie und fackelt nicht lange.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstag, gegen Mittag: Beim Studium der via Email eingegangenen Bestellungen f\u00fcr das Krimijahrbuch 2008 st\u00fcrze ich peu \u00e0 peu in tiefste Depression. Dies hier, schw\u00f6re ich beim Leben meiner sechs Kinder, wird mein letzter Eintrag bei watching the detectives sein. Schluss! Ende! Sense! In Zukunft nur noch Serienkillerkrimis f\u00fcr Grenzdebile, Analphabeten und Selbstkasteier schreiben. Von irgendwas muss man ja schlie\u00dflich leben. Beschlie\u00dfe, ab sofort zynisch zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstag, Nachmittag: Der Verleger mailt und verlangt \u201edie Listen mit den Vorbestellern\u201c, nicht gr\u00f6\u00dfer als 50 MB, sonst streike sein Mailaccount. Ich maile zur\u00fcck: \u201eKein Mensch kauft das KJB f\u00fcr 10 \u20ac! Das ist eine psychologische Hemmschwelle, der \u00dcbergang vom Ein- zum Zweistelligen gewisserma\u00dfen\u201c, er solle doch bitte den Preis auf 9,95 senken, die Kundschaft habe es gerne, wenn man ihr einen F\u00fcnfer retourniert, so seien die nun mal. Der Verleger winkt ab. Ich verstehe ihn nicht mehr. Aber wie soll man jemanden verstehen, der in einer Stadt wohnt, die sich dem best\u00e4ndigen Wahn ergibt, eine \u201eSchwebe\u201c-Bahn zu haben, aus der von Zeit zu Zeit Elefanten fallen? Wuppertal ist und bleibt die deutsche LSD-Metropole. Depression h\u00e4lt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstag, sp\u00e4ter Abend: Wieder TW. Ab sofort soll ich monatlich wenigstens EINE \u201esaugeile Rezi\u201c abliefern, sonst&#8230; Ich h\u00f6re nicht mehr genau hin, mir ist alles wurscht. Aber dem Burschen m\u00fcsste man gelegentlich das Handwerk legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, ganz fr\u00fcher Morgen: Alptraum gehabt. Frau G., die beste aller Herausgeberinnen, sitzt im alten Badeanzug in der Leipziger Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, den Bettelbecher vor sich und ein Pappschild mit der Aufschrift: \u201eSpende f\u00fcr das KJB. Steuerlich absetzbar.\u201c Sie wirkt verh\u00e4rmt. Ich erwache schwei\u00dfgebadet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, Mittag: Immer noch allertiefste Depression. Die Deutschen haben den Krimi erfunden. Und was darauf gemacht? Sie haben auch den Computer erfunden. Und? Befindet sich das Silicon Valley am Neckar, am Rhein? Ist Bill Gates Deutscher? So sind wir nun einmal. Genial am Start, st\u00fcmperhaft auf der Strecke, Letzte im Ziel. Deutschland, du bist meiner nicht wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, fr\u00fcher Abend: Soll ich noch einmal meine Mails abrufen? Ich tue es. Die Depression \u2013 sie kommt mir schon vor wie eine immer dagewesene Freundin \u2013 nimmt zu, obwohl das eigentlich unm\u00f6glich ist. Nichts, nichts, nichts. Krimideutschland schl\u00e4ft weiter, Krimideutschland hat noch nie etwas anderes getan als zu schlafen. Ich beschlie\u00dfe, ins Bett zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, sp\u00e4ter Abend: Schnell noch den historischen letzten Eintrag \u2013 DEN HIER! \u2013 auf den Blog laden, speichern. Morgen fr\u00fch ver\u00f6ffentlichen und dann \u2013 adieu, du unsch\u00f6ne Krimiwelt! Gute Idee f\u00fcr einen Furzkrimi. Ja, so nenne ich die ab sofort: Furzkrimi. In Deutschland lebst du am besten von F\u00fcrzen, weil man in Deutschland den Gestank von F\u00fcrzen liebt. Steht schon im &#8222;Faust&#8220;, wie \u00fcberhaupt alles im &#8222;Faust&#8220; steht, z.B. &#8222;Wenn ich zum Krimijahrbuch sage: Verweile doch, du bist so preiswert&#8230;&#8220;. Es ist schlimm. Ich kanns nicht \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntag, noch sp\u00e4terer Abend: Nach der halben Flasche Wodka \u00fcberkommt mich eine gewisse Kindischkeit, ich lache, ich giggele, ich gackere. \u201eIdiotenblog\u201c, ja, das w\u00e4re ein sch\u00f6ner Name. Idiotenblog. Okay, mal dr\u00fcber nachdenken. Oder lieber gleich Gastrezensent bei krimiblog.de werden? Licht aus, schlafen, alptr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Montag, fr\u00fcher Morgen: Beitrag ver\u00f6ffentlichen, aus dem Netz gehen. Das wars also. Ich f\u00fchle mich gut.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, sp\u00e4ter Abend, Anruf TW: Entweder ich r\u00fccke eine \u201eastreine Rezi\u201c raus \u2013 oder er wird den wunderbaren Band \u201eHell\u2019s Bells\u201c, von der noch viel wunderbareren Frau G. herausgegeben, gnadenlos zerrei\u00dfen. 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