{"id":20961,"date":"2008-03-11T08:27:59","date_gmt":"2008-03-11T08:27:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/david-corbett-blood-of-paradise\/"},"modified":"2022-06-15T00:51:45","modified_gmt":"2022-06-14T22:51:45","slug":"david-corbett-blood-of-paradise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/david-corbett-blood-of-paradise\/","title":{"rendered":"David Corbett: Blood of Paradise"},"content":{"rendered":"\n<p>Als er \u201eBlood of Paradise\u201c schrieb, hatte David Corbett eine Agenda, eine Botschaft, die er unter&#8217;s Volk bringen wollte: <em>\u201cThe template for Iraq today is not Vietnam, with which it has often been compared, but El Salvador\u201c<\/em> (Peter Maass, The New York Times Magazine, May 1, 2005). Das mag f\u00fcr einen Essay, nicht aber unbedingt f\u00fcr Literatur eine gute Voraussetzung sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eBlood of Paradise\u201c spielt in El Salvador und erz\u00e4hlt von Jude McManus, einem Amerikaner, der als Bodyguard t\u00e4tig ist und einen amerikanischen Geologen bewacht. Dieser untersucht f\u00fcr einen amerikanischen Investor die Auswirkungen eines Brunnens, den ein lokaler Partner f\u00fcr eine Limonadenfabrik hat bauen lassen, und von dem bef\u00fcrchtet wird, dass er die Wasserversorgung der Kleinbauern der Gegend gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n\n\n<p>Jude erh\u00e4lt eines Tages einen Anruf von Bill Malvasio, einem alten Freund seines Vaters. Dieser behauptet, er lebe auch in der Gegend und ob man sich nicht mal treffen k\u00f6nne, aussprechen sozusagen, denn sein Vater und Malvasio, sie h\u00e4tten da noch &#8218;was offen. Genauer gesagt, waren die beiden zusammen mit einem dritten Mann, Phil Strock befreundet, Polizisten allesamt und drehten krumme Dinger. Man trifft sich also, redet, findet Zutrauen zueinander und Malvasio bittet Jude, ihm doch einen Gefallen zu erweisen und Phil aus wirtschaftlich schwerer Lage in Chicago nach El Salvador zu lotsen. Phil hatte geschworen, Malvasio zu t\u00f6ten. Damals. Andererseits f\u00fchle er, Malvasio, sich verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es entwickelt sich eine dieser Dreierkonstellationen, alle gehen ihrer Arbeit nach, versprechen den Partnern das eine und machen etwas anderes. Jude will seinen Geologen bewachen, Malvasio entpuppt sich als Drecksack ellroyscher Dimension, dem kein Mord zu schade ist, und Phil meint, irgendwas wieder gut machen zu wollen. Wie derzeit \u00fcblich, gibt Corbett den Personen durch innere Konflikte und den Geistern der Vergangenheit, die sie umgeben, zus\u00e4tzliche Substanz. Die Erz\u00e4hlperspektive wechselt zwischen den Dreien und zunehmend, wenn es auf den zentralen Konflikt hinausl\u00e4uft, wird es spannend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBlood of Paradise\u201c ist irgendwo zwischen <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/06\/db-blettenberg-null-uhr-managua.php\">Blettenbergs Null Uhr Managua<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/11\/nick-stone-mr-clarinet.php\">Nick Stones Voodoo<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/09\/dan-fesperman-the-prisoner-of-guantanamo.php\">Dan Fespermans Prisoner of Guantanamo<\/a> angesiedelt. Es ist weniger \u00fcppig, weniger farbenpr\u00e4chtig als Stones Buch, teilt mit diesem Buch aber die vielschichtige und kompromisslose Darstellung einer Realit\u00e4t, an der die USA und ihre diversen geheimen Dienste nicht ganz unschuldig sind. Man k\u00f6nnte es als reiferes Werk bezeichnen, welches eher den Kopf anspricht und diejenigen zufriedenstellen wird, die Komplexit\u00e4t m\u00f6gen. Dabei hat es den Esprit, den ich bei \u201ePrisoner of Guantanamo\u201c vermisste.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Buch also. Wenn auch f\u00fcr den Edgar nominiert, dennoch, so scheint mir, ein wenig \u00fcbersehen. Dabei ist es nicht nur ern\u00fcchternd und spannend, sondern Corbett vermeidet es auch, sein Buch zu \u00fcberfrachten oder die Leser mit dem Dampfhammer von seinen Ideen \u00fcberzeugen zu wollen, denn ob und inwieweit El Salvador Vorbild f\u00fcr Irak ist, bleibt unserer Imagination \u00fcberlassen. Ein Buch also, anders als anf\u00e4nglich bef\u00fcrchtet, bei dem das Primat des Literarischen nicht der Agenda des Autors geopfert wird.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">David Corbett: Blood of Paradise. <br \/>Ballantine Books 2007. 448 Seiten. 7,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als er \u201eBlood of Paradise\u201c schrieb, hatte David Corbett eine Agenda, eine Botschaft, die er unter&#8217;s Volk bringen wollte: \u201cThe template for Iraq today is not Vietnam, with which it has often been compared, but El Salvador\u201c (Peter Maass, The New York Times Magazine, May 1, 2005). 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