{"id":20976,"date":"2008-03-25T07:12:42","date_gmt":"2008-03-25T07:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/michael-chabon-the-yiddish-policemens-union\/"},"modified":"2022-06-06T23:48:14","modified_gmt":"2022-06-06T21:48:14","slug":"michael-chabon-the-yiddish-policemens-union","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/michael-chabon-the-yiddish-policemens-union\/","title":{"rendered":"Michael Chabon: The Yiddish Policemen&#8217;s Union"},"content":{"rendered":"\n<p>Was w\u00e4re passiert, wenn die Juden nach dem Holocaust nicht nach Israel ausgewandert w\u00e4ren, wenn sie den Pal\u00e4stinakrieg 1948\/9 nicht gewonnen h\u00e4tten, sondern wenn die \u00dcberlebenden in, nu, Alaska gelandet w\u00e4ren? F\u00fcr eine kurze Zeit hatte man wohl in Washington \u00fcber so eine Option nachgedacht.<br \/>Michael Chabons Buch greift diese Idee auf und spinnt sie fort. Sitka ist eine bl\u00fchende Stadt, \u00fcber 2 Millionen Einwohner, freies j\u00fcdisches Gebiet, n\u00f6rdlich von Alaska, nicht zu Alaska geh\u00f6rend, nicht 51. Staat, irgendwie mit den stolzen Tlingit-Indianern im ewigen Dauerstreit und nun vor der finalen Abwicklung stehend, denn in Washington hat man beschlossen, die Stadt Alaska zuzuschlagen. In so einem Gebiet spricht man nat\u00fcrlich Yiddisch, nicht Hebr\u00e4isch, die Sprache des sonnenflirrenden Mittelmeers.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Meyer Landsman ist Polizist in Sitka, was nach der Abwicklung geschehen mag, ist unklar. Erst einmal hat er die Leiche von Emanuel Lasker, eines Mitbewohners des Hotels, in dem er wohnt, auf dem Gewissen. Der Hausmeister hatte diese gefunden und ihn als erstes geholt und ganz so einfach wie die Hierarchie, die ihm durch seine Ex, seine neue Vorgesetzte, mitteilte, dass dieser Fall keine Priorit\u00e4t hat, kann er sich&#8217;s nicht machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammen mit seinem Partner, ein Cousin und auch indianischer Abstammung, arbeitet er sich durch die j\u00fcdische Stadt, lernt einflussreiche Kreise kennen und kehrt zu seinen und den Wurzeln der Stadt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Yiddish Policemen&#8217;s Union\u201c ist eine dieser Vom-Hundertsten-ins-Tausendste-Geschichten. Es ist eine \u00fcppige Erz\u00e4hlung, Dutzende von Geschichten f\u00fcgt der Autor ein und kristallisiert seine Figuren in Wolken von Anekdoten. Das f\u00fcgt sich zu einem unterhaltsamen, bisweilen witzigen Buch, welches von einer j\u00fcdischen Welt berichtet, die sich wenig von der realen nicht-j\u00fcdischen unterscheidet (aber das ist vermutlich auch so gewollt).<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das auch Krimi? Ein literarischer Autor, ein Pulitzerpreistr\u00e4ger gar, wie Chabon steht ja unter dem \u00fcblichen Generalverdacht, der sich gegen alle \u201eLiteraten\u201c richtet und dahin geht, dass sie das Genre zweckentfremdeten. Anders als der Stil ist die Sprache, gerade am Anfang, genregerecht knapp und kurz, Dialoge und szenische Darstellungen kommen ohne Extravaganz daher und doch baut sich eine eigene Welt auf. Allerdings droht immer ein wenig, dass die Kriminalhandlung unter den Anekdoten versch\u00fcttet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein sehr gutes Buch und, so dachte ich anfangs, ein sicherer Gewinner des Edgars, am Ende war ich mir aber nicht mehr so sicher. Anders als Benjamin Blacks <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/02\/benjamin-black-christine-falls.php\">Christine Falls<\/a> wirkt \u201eThe Yiddish Policemen&#8217;s Union\u201c nicht als Panache, sondern authentisch und so als w\u00e4re es in Chabons \u00fcblichem Stil geschrieben: Wer so schreibt, mag auch B\u00fccher schreiben, die den Pulitzer gewinnen. Aber (es ist ein kleines Aber!) es endet in einem Borderlinekrimi. Detektivische Arbeit findet auch statt, aber die \u00fcppige Ausstattung, voll mit Bildern und Anspielungen auf&#8217;s j\u00fcdische Leben, l\u00e4sst nur ein gewisses Spannungsniveau zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Bernd Kochanowski<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Michael Chabon: The Yiddish Policemen's Union. <br \/>Harpercollins 2008. 8,45 \u20ac <br \/>(deutsche Ausgabe: Die Vereinigung jiddischer Polizisten. <br \/>Kiepenheuer &amp; Witch 2008. 384 Seiten. 19,95 \u20ac )<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re passiert, wenn die Juden nach dem Holocaust nicht nach Israel ausgewandert w\u00e4ren, wenn sie den Pal\u00e4stinakrieg 1948\/9 nicht gewonnen h\u00e4tten, sondern wenn die \u00dcberlebenden in, nu, Alaska gelandet w\u00e4ren? F\u00fcr eine kurze Zeit hatte man wohl in Washington \u00fcber so eine Option nachgedacht.Michael Chabons Buch greift diese Idee auf und spinnt sie fort. 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