{"id":20980,"date":"2008-03-27T07:47:09","date_gmt":"2008-03-27T07:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/lawrence-block-abzocker-verluste\/"},"modified":"2022-06-07T00:50:37","modified_gmt":"2022-06-06T22:50:37","slug":"lawrence-block-abzocker-verluste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/03\/lawrence-block-abzocker-verluste\/","title":{"rendered":"Lawrence Block: Abzocker \/ Verluste"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/doubleblock.jpg\" alt=\"doubleblock.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Endlich wieder Lawrence Block auf Deutsch \u2013 und das gleich doppelt. Ausreden werden ab sofort nicht mehr akzeptiert, ran an die Lesearbeit und die Fr\u00fcchte derselben geerntet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eAbzocker\u201c, ein Jugendwerk Blocks aus dem Jahr 1961 (\u201eMona\u201c, 2004 als \u201eGrifter\u2019s Game\u201c in der Hard Case Crime \u2013 Reihe wiederver\u00f6ffentlicht) und unter dem erwartbar d\u00e4mlichen Titel \u201eDie M\u00f6rderlady\u201c schon einmal in Deutschland erschienen, l\u00e4sst bereits die Handschrift des sp\u00e4teren Meisters erkennen. Wohl steht er hier noch in Plot, Dramaturgie und Lakonik erkennbar auf den Schultern von Riesen, eigenst\u00e4ndig ist \u201eAbzocker\u201c aber allemal. Die Geschichte des Heiratsschwindlers und Zechprellers Joe Marlin entwickelt sich ganz im Banne des Noir, wobei die Grenzen zu Pulp und Hardboiled wie bei allen besseren Exempeln des Genres verschwimmen. Eine sch\u00f6ne Frau, reich und verheiratet, ein teuflischer Plan samt Ausf\u00fchrung \u2013 und dann das erwartete Desaster, gekr\u00f6nt durch einen feinen gemeinen Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles ist bereits an seinem Platz. Die nur auf den ersten Blick fl\u00fcchtige Skizzierung des \u201eZeitgeistes\u201c, der eigenwillige Umgang mit Recht und Ordnung, der abseits gesellschaftlicher Normen im Subjekt selbst geregelt wird und sich deshalb mit moralischen Maximen gar nicht erst abgibt, ein \u201eHappyend\u201c, das so schwarz ist, dass es auf die Abgr\u00fcnde des Allt\u00e4glichen verweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das bei der Lekt\u00fcre von \u201eVerluste\u201c (\u201eEverybody dies\u201c) sehr sch\u00f6n nachpr\u00fcfen, dem 14. Werk aus der Reihe um den Expolizisten und Privatdetektiv Matthew Scudder. Das ist nun der gereifte Lawrence Block eindeutig auf der H\u00f6he seiner Kunst. Scudder muss seinem alten Kumpel Mick Ballou, einem Gangster, aus einer ziemlichen Klemme helfen. Dem sterben die Angestellten wie die Fliegen weg \u2013 alle gewaltsam und niemand wei\u00df, wer dahintersteckt. Auch Scudder ger\u00e4t auf die schwarze Liste des mysteri\u00f6sen Killers und hat mithin einen Grund mehr, die Hintergr\u00fcnde des blutigen Projekts aufzudecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns dabei erwartet, macht gleich die erste Szene klar. Drei M\u00e4nner sind mit dem Wagen unterwegs aufs Land. Sie reden \u00fcber Fitness, Essen und ein wenig Religion, an ihrem Ziel angekommen, beginnen sie ein Loch zu graben. Es ist f\u00fcr die beiden Leichen vorgesehen, die im Kofferraum des Autos liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Neben- und Ineinander von allt\u00e4glichem Smalltalk und \u201eunerh\u00f6rtem Ereignis\u201c wird f\u00fcr den Rest des Textes das stil- und handlungspr\u00e4gende Element bleiben. Vor allem die Gespr\u00e4che von Scudder und seiner Frau Elaine \u201eentschleunigen\u201c die Handlung, man redet und redet, \u00fcber Belangloses und Wichtiges, Grunds\u00e4tzliches und v\u00f6llig Banales, eine Welt-Atmosph\u00e4re baut sich auf, in der die Frage nach Gut und B\u00f6se gar nicht erst gestellt zu werden braucht. Man muss schon hoffnungslos auf st\u00e4ndige Action fixiert sein, um Blocks Strategie \u201elangweilig\u201c zu finden. Sie ist im Gegenteil aufregend, eine Folie, auf der sehr gekonnt und eindringlich Wirklichkeit inszeniert wird. Am Ende wird es sehr blutig und sehr happyendig, und auch das ist von jener Schw\u00e4rze, die keine weiteren gro\u00dfen Gesten braucht. \u201eVerluste\u201c ist ein Gewinn f\u00fcr die Bibliotheken der deutschen Krimigemeinde und hoffentlich der Auftakt zu mehr von Matt Scudder und all den anderen Serienfiguren Lawrence Blocks.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><em>*der Rezensent ist Autor des Verlags Shayol \/ Funny Crimes<\/em><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lawrence Block: Abzocker. <br \/>Rotbuch 2008 (Band 002 der Reihe Hard Case Crime). <br \/>(Original: Mona, 1961 resp. Grifter\u2019s Game, 2004, <br \/>deutsch von Ludwig Nagel, \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt von Lisa Kuppler). <br \/>221 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Lawrence Block: Verluste. <br \/>Shayol \/ Funny Crimes 2008 <br \/>(Original: Everybody Dies, 1998, deutsch von Katrin Mrugalla). <br \/>296 Seiten. 14,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich wieder Lawrence Block auf Deutsch \u2013 und das gleich doppelt. 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