{"id":20989,"date":"2008-04-01T07:15:47","date_gmt":"2008-04-01T07:15:47","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/die-unvollendeten\/"},"modified":"2022-06-06T22:27:28","modified_gmt":"2022-06-06T20:27:28","slug":"die-unvollendeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/die-unvollendeten\/","title":{"rendered":"Die Unvollendeten"},"content":{"rendered":"\n<p>Manchmal passiert es halt doch. Obwohl ich von Natur aus ein geduldiger Mensch bin, einer, der allen B\u00fcchern gut Freund sein m\u00f6chte, auch den spr\u00f6den, die mir ihre Gegenliebe nicht schon auf den ersten Seiten kundtun. Ich gebe also jedem Buch eine faire Chance, selbst dann, wenn schon die Anfangsabs\u00e4tze Formulierungen wie \u201edas Blech w\u00e4lzte sich wie z\u00e4he Lava durch die Stra\u00dfen\u201c oder \u201ezw\u00e4ngte den Skoda in eine Seitengasse\u201c enthalten (wie Andreas Grubers \u201eSchwarze Dame\u201c, ein sogenannter Thriller, \u00fcber dessen erste Seite ich bis jetzt nicht hinausgekommen bin).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber irgendwann ist Schluss und ich breche die Lekt\u00fcre ab. Am Wochenende ereilte dieses Schicksal das von Ken Bruen und Jason Starr in der eingedeutschten Hard Case Crime \u2013 Reihe vorgelegte Werk \u201eFlop\u201c. Nomen ist omen? Noch nicht einmal. Zwei scheint\u2019s \u00fcber dem Durchschnitt agierende Autoren schlie\u00dfen sich zu einer Schreibgemeinschaft zusammen und produzieren ein Schaust\u00fcck. Das ist n\u00e4mlich alles furchtbar lustig, furchtbar lakonisch \u2013 und furchtbar vorhersehbar, austauschbar, \u00fcberlesbar. Nach 80 Seiten ist es keiner einzigen der doch zahlreichen Personen gelungen, mich davon zu \u00fcberzeugen, ihr Schicksal gehe mich etwas an oder sei wesentlich genug, ihm bis zum bitteren Ende lesend zu folgen. So etwas liest man und legt es dann weg und fragt sich, warum man es gelesen hat. Schade.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder Thea Dorns \u201eM\u00e4dchenm\u00f6rder\u201c, ebenfalls 80 Seiten bis zum finalen Weglegen. Ein nat\u00fcrlich gro\u00dfes Thema nahe am beliebten \u201eTabubruch\u201c. Ein M\u00e4dchen wird entf\u00fchrt, vergewaltigt, gequ\u00e4lt, der T\u00e4ter begeht unterdessen weitere Morde, reist mit dem M\u00e4dchen umher, das seine Erlebnisse sp\u00e4ter aufzeichnet und sich fragt, ob sie vielleicht Mitt\u00e4terin geworden sei, den Killer gar geliebt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dumme daran: Ich glaube kein Wort. Dem M\u00e4dchen nicht, was ja vielleicht zur Strategie der Autorin geh\u00f6ren k\u00f6nnte, aber vor allem auch der Autorin nicht. Das ist kalt berechnet und schon deshalb kreuzlangweilig. Nein, danke. Wird an den Azubi Jochen weitergereicht, der auch mal die Schattenseiten des kritischen Gewerbes kennenlernen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ein drittes, nicht vollendetes Werk: \u201eDie Spur des Teufels\u201c von John Burnside. Gar nur zwanzig Seiten. Ein hochgelobter Literat, auch Lyriker, Sprachfex also irgendwie, doch nach zwanzig Seiten glaub ich das nicht mehr. Obs an der \u00dcbersetzung liegt? Wohl kaum, denn der Inhalt ist genauso h\u00f6lzern wie die Sprache. Vielleicht kommt ja irgendwann der \u201eTwist\u201c, auf dass dem Leser s\u00e4mtliche Augen aus dem Kopf fallen und er \u201eDonnerwetter, ist das clever!\u201c murmelt. Aber ich verzichte auf dieses potentielle Erlebnis und lege auch Burnside auf den gro\u00dfen Stapel jener Werke, an denen ich aus Selbsterhaltungsgr\u00fcnden gescheitert bin. Und greife zum n\u00e4chsten Buch. Und starre bei Gelegenheit auf den Stapel der Unvollendeten. Vielleicht habe ich doch irgend einem dieser B\u00fccher Unrecht getan?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal passiert es halt doch. Obwohl ich von Natur aus ein geduldiger Mensch bin, einer, der allen B\u00fcchern gut Freund sein m\u00f6chte, auch den spr\u00f6den, die mir ihre Gegenliebe nicht schon auf den ersten Seiten kundtun. Ich gebe also jedem Buch eine faire Chance, selbst dann, wenn schon die Anfangsabs\u00e4tze Formulierungen wie \u201edas Blech w\u00e4lzte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-20989","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20989","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20989"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20989\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}