{"id":20992,"date":"2008-04-03T08:20:51","date_gmt":"2008-04-03T08:20:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/ernst-soler-staub-im-schnee\/"},"modified":"2022-06-17T18:28:25","modified_gmt":"2022-06-17T16:28:25","slug":"ernst-soler-staub-im-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/ernst-soler-staub-im-schnee\/","title":{"rendered":"Ernst Sol\u00e8r: Staub im Schnee"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt sitz ich in der Patsche. Eigentlich sollen Rezensionen ja keine verkappten Nacherz\u00e4hlungen des Inhalts eines Buches sein; Leser und Leserin erwarten Analyse, Einordnung, Wertung, bei m\u00f6glichst knapper Wiedergabe wichtiger Handlungsfundamente. So soll das sein. Bei Ernst Sol\u00e8rs \u201eStaub im Schnee\u201c geht das aber nicht. Sprich: Es gibt wenig zu analysieren, wenig einzuordnen, wenig zu bewerten. Das ist einfach nur ein netter Krimi, der sich gut liest, einem weder die Welt erkl\u00e4ren noch von einer bis dato unbekannten Seite zeigen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ist das jetzt positiv oder negativ? Hm. Jedenfalls, damit wir das Inhaltliche hinter uns bringen: Hauptmann Fred Staub von der Z\u00fcrcher Kantonspolizei und seine KollegInnen m\u00fcssen den M\u00f6rder eines Fernsehmoderators finden. Sie geraten dabei in das flirrende Ambiente des Schweizer Fernsehens, wo zwischen grantigen Regisseuren und adretten Redakteuren die h\u00f6chste Schwulendichte Zentraleuropas festzustellen ist. Es gibt die \u00fcblichen Wirrungen, den \u00fcblichen zweiten Mord, die \u00fcblichen kleinen privaten Turbulenzen im Hauptmannsleben, das \u00fcbliche Krimiende. Und ein Glossar mit typisch schweizer Ausdr\u00fccken, zum Beispiel \u201eNatel\u201c, was der Deutsche als \u201eHandy\u201c ans Ohr h\u00e4lt, oder \u201eChavelwasser\u201c f\u00fcr Eau de Javel, ein Bleichmittel, das der Saarl\u00e4nder in \u00fcberraschender Verschwisterung mit dem Alpenl\u00e4ndischen als \u201eSchawellewasser\u201c kennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal: Positiv oder negativ? Eigentlich: positiv. Denn \u2013 und jetzt hab ich doch noch den Dreh weg vom Inhalt zum Grunds\u00e4tzlichen gefunden \u2013 so zahlreich wie man vielleicht glaubt ist diese Sorte Lesefutter, das Soler hier anr\u00fchrt, gar nicht. Handwerklich reifes Erz\u00e4hlen, um pure Unterhaltung zustande zu bringen, die Leserschaft mit Figuren zu konfrontieren, wie man ihnen auf durchschnittlichen Parties begegnet: nicht sonderlich anregend, aber sie nerven auch nicht, schon gar nicht, wenn gen\u00fcgend Alkohol vorhanden ist. Der Krimi als \u201eGesellschaftsroman\u201c, als \u201eDenkansto\u00df\u201c, als \u201ePsychogramm\u201c? N\u00f6. Nicht unbedingt. Die Fernsehfritzen haben halt kriminelles Potential \u2013 aber wer einmal seine Nase in eine Redaktionsstube gesteckt hat, wei\u00df das eh. Man liest diesen Roman einfach so weg, vorzugsweise vor dem Schlafengehen, das ist schon sehr angenehm, weil man dann normalerweise zu m\u00fcde ist, noch gro\u00df den Krimikritiker zu mimen. Alles dreht sich ums Wer-war\u2019s? \u2013 und das wird einigerma\u00dfen zufriedenstellend aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch was? Mir f\u00e4llt nichts mehr ein. Wenn Sie also einen netten Krimi suchen, den sie nach der Lekt\u00fcre garantiert sofort wieder vergessen werden \u2013 hier ist er. Und ich meine das wirklich positiv. Und kostet auch nur Achtfuffzig.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ernst Sol\u00e8r: Staub im Schnee. <br \/>Grafit 2008. 217 Seiten. 8,50 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt sitz ich in der Patsche. Eigentlich sollen Rezensionen ja keine verkappten Nacherz\u00e4hlungen des Inhalts eines Buches sein; Leser und Leserin erwarten Analyse, Einordnung, Wertung, bei m\u00f6glichst knapper Wiedergabe wichtiger Handlungsfundamente. So soll das sein. Bei Ernst Sol\u00e8rs \u201eStaub im Schnee\u201c geht das aber nicht. 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