{"id":21006,"date":"2008-04-15T06:33:14","date_gmt":"2008-04-15T06:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/ken-bruen-priest\/"},"modified":"2022-06-13T00:52:11","modified_gmt":"2022-06-12T22:52:11","slug":"ken-bruen-priest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/04\/ken-bruen-priest\/","title":{"rendered":"Ken Bruen: Priest"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201ePriest\u201c ist vermutlich das bisher beste Buch der Jack Taylor Serie von Ken Bruen. Nicht nur, dass Taylors Geschichte, die immer auch als Leinwand dient, auf der sich die einzelnen Episoden abspielen, nahtlos ans Vorg\u00e4ngerbuch anschlie\u00dft und dessen Geschichte logisch fortentwickelt, sondern die Geschichte, die Priest erz\u00e4hlt, ist, wenn auch nicht besonders komplex, so doch vom Detektivischen her stimmig.<br \/>Schon der Anfang des Buches enth\u00e4lt im Kern all das, was an Themen wieder vorkommen wird und ist dar\u00fcber hinaus ber\u00fchrend, witzig und flott, wie es nur wenige erste Szenen sind. Taylor hat es nach den Erlebnisssen des letzten Bandes erwischt: F\u00fcnf Monate lang verbringt er in der Irrenanstalt und lebt in einem Stupor, aufrechterhalten im Zweifel auch durch Psychopharmaka, ohne Kontakt und Erinnerung, bis dann einem Mitinsassen die passende Ansprache gelingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die innere Leere und Zerst\u00f6rung Taylors ist immens. M\u00fcde und ausgebrannt kommt er aus der Anstalt nach Hause und ger\u00e4t schneller wieder unter Druck, als ihm gut tun kann. Ridge, die ihn abholt, Tochter eines alten (nat\u00fcrlich verstorbenen) Freundes und selber bei der Polizei, entdeckt einen Stalker, der sie verfolgt und bittet Taylor um Hilfe. Gleichzeitig bittet ihn Malachy, gehasster Priester und ehemaliger Vertrauter von Taylors verstorbener und gehasster Mutter, den Tod eines dekapitierten Priester zu untersuchen. Und dann ist da noch ein alter Freund, der abgest\u00fcrzte und verschwand, nachdem seine kleine Tochter verstorben war.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei all dem wechselt Taylors Gem\u00fcts- wie Geisteszustand h\u00e4ufig. Momente von Klarheit und fast Heiterkeit wechseln mit rabenschwarzen Empfindungen, bei denen Taylor der n\u00e4chsten Kneipe schnurstracks zusteuert und man als Leser die Guinness oder sonst welche Reklame f\u00fcr Alkoholika verdammt, weil sie Taylor auf die Idee bringen, die Alkoholabstinenz zu beenden. Lichtblick seines Lebens ist Cody, ein junger Mann, der sich an ihn &#8218;ran schmei\u00dft, mit ihm eine gemeinsame Detektei aufziehen m\u00f6chte und f\u00fcr den Taylor fast v\u00e4terliche Gef\u00fchle hegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leben, eine Achterbahn also; die Aufgaben l\u00f6sbar, sind sie doch Folgen emotionaler Zust\u00e4nde, die Taylor nur zu vertraut sind. Das Ganze bruchlos miteinander verkn\u00fcpft und erz\u00e4hlt, so poetisch und witzig, dass man weinen m\u00f6chte. Wie immer bei Bruen verankert in der Popkultur und klug beobachtet. Dar\u00fcberhinaus besch\u00e4ftigt Bruen, Taylor und den Leser der Einbruch der US-amerikanischen Kultur in den irischen Sprach- und Gesellschaftraum. Kaum eine Seite vergeht, auf der Taylor nicht von einem Beispiel des Bed\u00fcrfnisses der Iren berichten kann, sich in der amerikanischen Kultur zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man denn m\u00f6chte, k\u00f6nnte man aber auch feststellen, dass \u201ePriest\u201c ein Buch \u00fcber den Fluch der b\u00f6sen Taten ist. Nichts, so zeigt es, w\u00e4hrt l\u00e4nger als das Ged\u00e4chtnis einer Verletzung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ken Bruen: Priest. <br \/>St. Martin Minotaur 2008. 304 Seiten. 9,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201ePriest\u201c ist vermutlich das bisher beste Buch der Jack Taylor Serie von Ken Bruen. 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