{"id":21027,"date":"2012-04-12T07:49:40","date_gmt":"2012-04-12T07:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2012\/04\/erklaerung-der-deutschen-krimiautorinnen-und-autoren\/"},"modified":"2022-06-07T17:00:16","modified_gmt":"2022-06-07T15:00:16","slug":"erklaerung-der-deutschen-krimiautorinnen-und-autoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2012\/04\/erklaerung-der-deutschen-krimiautorinnen-und-autoren\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung der deutschen Krimiautorinnen und -autoren"},"content":{"rendered":"\n<p>Zun\u00e4chst einmal bitten wir um Nachsicht. Wir sind Autorinnen und Autoren, das hei\u00dft: wir schreiben, das Lesen ist nicht unsere St\u00e4rke, daf\u00fcr sind die EndverbraucherInnen unserer Werke zust\u00e4ndig. Auch das wirkliche Leben interessiert uns eher weniger, was nicht verwundern sollte, tummeln wir uns doch bevorzugt im Kitsch eines Genres, von dem wir nicht wissen, wie es entstanden ist. Doch hat man uns neulich von b\u00f6sen Menschen erz\u00e4hlt, die uns bestehlen wollen, so wie fr\u00fcher die Piraten auf dem Meer Handelsschiffe \u00fcberfielen und ausraubten und das hat etwas mit Internet zu tun, aber sorry, davon verstehen wir auch ziemlich wenig, aber unser Verlag hat uns gesagt, wir sollen uns eine Homepage machen und bei Facebook vorbeischauen, das w\u00e4re gut f\u00fcr den Abverkauf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was wir damit sagen wollen: Das mit den Urheberrechten kapieren wir nicht so richtig. Nur dass sie abgeschafft werden sollen, haben wir kapiert. Nicht sch\u00f6n. Wir haben uns jetzt diesen Button gekauft, aber man sagt uns: Gut, schon mal ein Anfang, aber nicht genug. Ihr m\u00fcsst euch erkl\u00e4ren. Ihr m\u00fcsst diesen Piraten zeigen, dass ihr ordentliche Menschen seid. Ihr m\u00fcsst ihnen den Wind aus den Segeln nehmen, was ein sehr sch\u00f6nes Bild ist, deshalb verwenden wir es auch in unseren neuen Romanen, denn Bilder darf man ja schon mal mopsen, das ist jetzt nicht richtig Urheberrecht, weil mit einer Kamera umgehen kann jeder, das ist nicht so geistige Arbeit, also das was wir machen und darum geht es. Wer andern an die Nase greift, muss selber eine haben. Und deshalb erkl\u00e4ren wir jetzt, dass wir uns verpflichten und zwar zu dem hier:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die Krimiautorinnen und Krimiautoren verpflichten sich, keine Whodunits mehr zu schreiben, denn Whodunits haben andere erfunden und die sind noch nicht 70 Jahre tot.<br \/>2. Sie verpflichten sich weiterhin dazu, nicht mehr jeden D\u00f6del von Kommissar herumgr\u00fcbeln zu lassen, weil das &#8222;Literatur&#8220; ist. Denn mit Literatur haben sie nichts am Hut und \u00fcberhaupt ist das langweilig, auch wenn die Endverbraucher es so w\u00fcnschen.<br \/>3. Sie verpflichten sich au\u00dferdem, keine Serienkiller mehr auszusenden, die ihren Opfern die Ohren abschneiden, diese dann zusammen mit Champignons weichkochen, mit einer Sahneso\u00dfe verfeinern und in Dreisterne-Restaurants als amuse gueule anbieten.<br \/>4. Sie verpflichten sich nat\u00fcrlich auch dazu, nicht mehr jedes abgegriffene Klischee aufzugreifen, zum Beispiel das, die Ehefrau eines Get\u00f6teten sagen zu lassen: &#8222;Er macht das doch immer, ich meine: MACHTE&#8230;.&#8220;, weil das kann echt kein Mensch mehr ertragen, dieses Mein-Mann-ist-nein-war, das hat irgendwer mal erfunden, weil die Frau erst noch geglaubt hat, ihr Mann w\u00e4re am Leben, obwohl er eigentlich schon tot ist und dann f\u00e4llt ihr ein, hey, der ist ja tot, ich muss ab sofort im Imperfekt von ihm reden. Also da hat schon einer Urheberrecht drauf, aber wir eben nicht.<br \/>5. Sie verpflichten sich \u00fcberhaupt, vor dem Schreiben nachzudenken und nicht wahl- und sinn- und gedankenlos in jede Kiste zu greifen. Sie schildern zum Beispiel keine &#8222;Hartz-IV-Familien&#8220; dadurch, dass die V\u00e4ter im Beisein von Kleinkindern kettenrauchen und in Jogginganz\u00fcgen vor dem Fernseher hocken. Das Recht an diesem geistigen Eigentum haben andere, man kennt sie gottlob nicht mehr, aber wahrscheinlich leben sie noch.<br \/>6. Sie verpflichten sich vordringlich dazu, sich als das auszugeben, was sie nun einmal sind: ziemlich unkreative, geistlose, eitle M\u00f6pse, die auf jeden Zug h\u00fcpfen, Hauptsache, er f\u00e4hrt.<br \/>7. Sie verpflichten sich endlich damit aufzuh\u00f6ren, &#8222;die Gesellschaft&#8220; beschreiben zu wollen. Das Copyright auf dieses Sujet haben &#8222;richtige&#8220; Schriftstellerinnen und Schriftsteller, nicht aber die Abk\u00e4ser eines Genres, das seit Anbeginn mehrheitlich aus grenzdebilen ewigen Deutschaufsatzstrebern besteht, die nur deshalb AutorInnen werden konnten, weil ihre Biologie robust genug ist, das unendlich Toxische ihrer aus Blaupausen, Dummdeutschem und Strunzbiederem zusammengefederten S\u00e4tze zu \u00fcberleben.<br \/>8. Sie verpflichten sich, fortan des Denkens f\u00e4hige Menschen mit ihrer Emp\u00f6rung zu verschonen. Au\u00dferdem verpflichten sie sich, endlich einzusehen, dass dann, wenn ihre Werke gemeinfrei werden (70 Jahre nach ihrem Ableben, zur Erinnerung), kein Hahn, nicht mal der, aus dem Wasser tropft, mehr nach ihnen kr\u00e4hen wird, weil diese Werke schon zu Lebzeiten ihrer Verfasser und geistigen Urheber ziemlich tot sind.<br \/>9. Ganz generell also: Sie, die Autorinnen und Autoren, deren einzige k\u00fcnstlerische Leistung darin besteht, die Tradition des Genres hemmungslos zu pl\u00fcndern und auf ihr Niveau herunterzuziehen, um &#8222;Krimis&#8220; zu schreiben, sie also verpflichten sich, endlich mal die Klappe zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Krimiautorinnen und -autoren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst einmal bitten wir um Nachsicht. Wir sind Autorinnen und Autoren, das hei\u00dft: wir schreiben, das Lesen ist nicht unsere St\u00e4rke, daf\u00fcr sind die EndverbraucherInnen unserer Werke zust\u00e4ndig. 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