{"id":21060,"date":"2008-05-19T07:53:08","date_gmt":"2008-05-19T07:53:08","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/eine-anthologistin\/"},"modified":"2022-06-06T16:58:03","modified_gmt":"2022-06-06T14:58:03","slug":"eine-anthologistin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/eine-anthologistin\/","title":{"rendered":"Eine Anthologistin"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/homestory.gif\" alt=\"homestory.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon die mit Jugendstilvillen prunkvoll bestandene Stra\u00dfe in einem Mainzer Nobelviertel fl\u00f6\u00dft Respekt ein. Hier, das merkt man sofort, wohnt das Geld. Und gegen\u00fcber dem Seniorenstift \u201eMit den Dritten bei\u00dft man besser\u201c, einem idealen Versuchsfeld f\u00fcr die aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenkenden ZDF-Redakteure, da wohnt SIE: Christiane G., Herausgeberin, The Queen of Kurzkrimi, seit Neuestem auch Anthologistin und diplomierte Suspenseexpertin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Unsere Gastgeberin empf\u00e4ngt uns in ihrem park\u00e4hnlichen Garten. Sie tr\u00e4gt ein langes gebl\u00fcmtes Kleid, der Gro\u00dfwetterlage stilsicher angepasst, eine Frau in der Bl\u00fcte ihrer Schaffensjahre, durchaus apart, wenn man diesen Typ mag. Es gibt Kaffee, Wasser und lange Schokoladenstangen als s\u00fc\u00dfliche Inspirationshilfen beim nun folgenden Interview.<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: Frau G., Sie sind eine der preisgekr\u00f6ntesten Kurzkrimiautorinnen der Republik. Wie kamen Sie auf die Idee, sich auf das eher schmuddelige Feld des Herausgebertums zu wagen, dorthin, wo ansonsten eher gescheiterte und schl\u00fcpfrige Existenzen alte oder \u201eexotische\u201c Krimis herausgeben?<\/p>\n\n\n\n<p>G.: In der Tat, der Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Als preisgekr\u00f6nteste Autorin der Republik war es mir jedoch ein Herzensanliegen, das Genre des Kurzkrimis von diesem Ruch des Dubiosen zu befreien. Wer, wenn nicht ich, wei\u00df, was Kurzkrimi ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: Sie sagen es. Welches Konzept liegt \u201eHell\u2019s Bells\u201c, ihrer im Poetenladen Verlag erschienenen Anthologie zugrunde?<\/p>\n\n\n\n<p>G.: Nun, ich habe mich an Alfred Hitchcock erinnert. Das hei\u00dft pr\u00e4zise: An diese eine Szene aus \u201ePsycho\u201c, wo Anthony Perkins das Glas Milch die Treppe hochtr\u00e4gt und die Milch ist von innen beleuchtet, so dass man als Zuschauer sofort denkt: Aha, das ist der Suspense! Mit dieser Milch stimmt etwas nicht! Die sollte man im Auge behalten! Ich habe meinen AutorInnen aufgetragen, eine \u00e4hnliche Hochspannung mit m\u00f6glichst einfachen Mitteln zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: Ja, wir haben uns auch schon gewundert, warum in den Geschichten der Anthologie andauernd Milch getrunken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>G.: Sehen Sie! Das war beabsichtigt! Ein Kurzkrimi muss seine LeserInnen SOFORT PACKEN! Dabei spielt es keine Rolle, ob Alkoholika oder gesunde, naturbelassene Lebensmittel konsumiert werden! Aber DAS LICHT MUSS LEUCHTEN, sage ich immer! Das Licht des vagen Verdachts, die Funzel des Suspense, der Kronleuchter des leisen Rieselns kleiner Eisbr\u00f6ckchen den R\u00fccken runter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: Apropos&#8230; einige Kritiker vermissen in den Geschichten der Anthologie den Sex. Trifft Sie dieser Vorwurf?<\/p>\n\n\n\n<p>G.: \u00dcberhaupt nicht. Ich meine&#8230; ich selbst habe gerne Sex. Das hei\u00dft: Ich h\u00e4tte gerne welchen, \u00e4h, ich meine, im Krimi, wenn es nicht anders geht, dann eben Sex, meinetwegen auch ohne Gl\u00fchbirne in der Milch. Das ist Suspense der anderen Art, sozusagen, so wie Kochrezepte in einem Krimi, ja, Sie verstehen? Ich pers\u00f6nlich mag es nicht, wenn bei der Zubereitung der Mahlzeiten kopuliert wird und beides, Kochen und Lieben, von akkuraten Rezepturen begleitet wird, also man nehme 200 Gramm Mehl respektive eine bequemes franz\u00f6sisches Bett&#8230; Wie lautete noch mal die Frage, bitte?<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: \u00c4h, nicht so wichtig. Wichtiger erscheint uns, dass Sie auch an einem Langkrimi arbeiten sollen, wie die Szene raunt. K\u00f6nnten Sie uns&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>G.: Nein! Das ist alles topsecret, damit m\u00f6chten wir die Fachwelt \u00fcberraschen. Ich kann aber versprechen, dass wieder sehr viel getrunken werden wird. Aber diesmal Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd: Das macht Lust auf mehr, wir sind schon sehr gespannt. Wie sind Sie mit den bisherigen Reaktionen der Krimikritik auf ihre Anthologie zufrieden?<\/p>\n\n\n\n<p>G.: Sie sind fa-bel-haft! Ich bin gewiss nicht eitel und manchmal ist mir das Lob ganz einfach zu viel und ich frage mich: Womit habe ich das alles verdient? Wer bin ich eigentlich? Was kann ich wirklich? Aber ich wei\u00df ja, wer ich bin und was ich kann, das braucht mir kein dahergelaufener Rezensent, ein solches Quadratarschloch, wenn Sie wissen, was ich meine, zu sagen, und Ahnung, ja, AHNUNG!, haben die doch nicht, und wieso fragen Sie mich ausgerechnet das, Sie sind doch auch einer von denen und nur Sex im Kopf, schauen Sie sich doch mal an, da vergeht einem doch der Sex und passen Sie auf den Stuhl auf, der ist f\u00fcr zierlichere K\u00f6rper gedacht und nicht f\u00fcr Ihre Aufgedunsenheit &#8230; aaaargh&#8230; was essen Sie eigentlich den ganzen Tag, das hei\u00dft: Machen Sie auch noch was anderes als essen und dummfragen und wenn Sie nicht so-fort mein Grundst\u00fcck verlassen, lernen Sie mal meinen Sch\u00e4ferhund kennen \u2013 Hasso? HASSO! Bei Fu\u00df! Fass!<\/p>\n\n\n\n<p>Wtd (in Eile): Wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>G: Ich kriege noch 100 Euro f\u00fcr den Stuhl von Ihnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon die mit Jugendstilvillen prunkvoll bestandene Stra\u00dfe in einem Mainzer Nobelviertel fl\u00f6\u00dft Respekt ein. Hier, das merkt man sofort, wohnt das Geld. 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