{"id":21065,"date":"2008-05-20T07:09:33","date_gmt":"2008-05-20T07:09:33","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/john-connolly-the-unquiet\/"},"modified":"2022-06-17T21:44:57","modified_gmt":"2022-06-17T19:44:57","slug":"john-connolly-the-unquiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/john-connolly-the-unquiet\/","title":{"rendered":"John Connolly: The Unquiet"},"content":{"rendered":"\n<p>John Connolly liefert Bestsellerqualit\u00e4t und wenn man sich \u201eThe Unquiet\u201c anschaut, versteht man auch, was die Leser in Scharen zu seinen B\u00fcchern treibt. Die B\u00fccher haben immer auch eine \u00fcbersinnliche, aus dem Horrorgenre stammende Ader. In diesem Buch sind es die <a href=\"http:\/\/poetry.poetryx.com\/poems\/784\/\">Hollow Men<\/a>, die Ruhelosen aus T.S. Eliots gleichnamigen Gedicht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch schon mit seinem eigentlichen Thema hat das Buch eine unruhestiftende (sic!) Qualit\u00e4t. Um Kinder geht es, um deren Missbrauch genauer gesagt, Charlie Parker, der von Geistern getriebene Privatdetektiv von Connollys Gnaden, wird von Rebecca Clay gebeten, ihr den Stalker vom Hals zu schaffen, der sie seit einer Woche \u201ebegleitet\u201c. Der Stalker ist bald identifiziert. Merrick hei\u00dft er, als Revenger bezeichnet er sich und eigentlich ist er ein eiskalter Killer, der jahrzehntelang erfolgreich gearbeitet hat und lediglich einmal (und das noch nicht &#8218;mal wegen Mordes) einsa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Welch Ironie des Schicksals, w\u00e4hrend er im Gef\u00e4ngnis war, verschwindet seine uneheliche Tochter und die einzige Spur die er hat, ist die zu einem Therapeuten, der sich auf missbrauchte Kinder spezialisiert hatte und nicht nur die Tochter betreute, sondern seinerseits etwa zur gleichen Zeit verschwand; es handelt sich um Rebecca Clays Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Merricks Suche schl\u00e4gt Parker in den Bann, und so wird sie auch zu seiner Aufgabe, und was mehr oder weniger unscheinbar anf\u00e4ngt, w\u00e4chst sich zu einer Monstr\u00f6sit\u00e4t gewaltigen Ma\u00dfstabs aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Connolly spielt sehr sch\u00f6n mit den Bedingungen des Genres, Parker selber ist nicht nur von den Geistern seiner ersten Familie getrieben, sondern diese vertrieben (im \u00fcbertragenen Sinne) auch noch seine zweite aus dem Haus &#8211; Parker vermisst sie. Bei der Polizei ist er schlecht angesehen und ger\u00e4t dort wieder einmal in Schwierigkeiten, dabei arbeitet er mit den \u00fcblichen wortkargen, muskelbepackten und waffenstarrenden Helfershelfern zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat das ganze Buch aber auch einen Touch von \u201eotherworldliness\u201c und das nicht nur durch Parker selber und Merrick mit seiner starken Pr\u00e4senz, sondern auch durch den Collector, der aus einem fr\u00fcheren Buch wieder auftaucht und durch die Hollow Men, die immer wieder durchs Bild huschen. Das vermittelt insgesamt so eine Stimmung von Gedr\u00e4ngtheit und Getriebenheit und zerst\u00f6rt doch nicht die Realit\u00e4tst\u00fcchtigkeit des Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei hat das Buch einen ausgepr\u00e4gten Humor, denn bei all dem psychischen Druck, den das Buch aufbaut, hat es immer wieder witzige Dialoge und Szenen. All das erz\u00e4hlt Connolly in der lyrischen Sprache, die ihn als gro\u00dfen Stilisten kennzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Rund 550 kurzweilige Seiten, gut gemacht und eigenst\u00e4ndig im Stil, das ist in der Erfolgsliga, in der Connolly spielt, nicht unbedingt selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Connolly: The Unquiet. <br \/>Hodder &amp; Stoughton 2008. 576 Seiten. 7.95 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Connolly liefert Bestsellerqualit\u00e4t und wenn man sich \u201eThe Unquiet\u201c anschaut, versteht man auch, was die Leser in Scharen zu seinen B\u00fcchern treibt. Die B\u00fccher haben immer auch eine \u00fcbersinnliche, aus dem Horrorgenre stammende Ader. In diesem Buch sind es die Hollow Men, die Ruhelosen aus T.S. 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