{"id":21088,"date":"2008-05-27T08:03:54","date_gmt":"2008-05-27T08:03:54","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/gil-adamson-the-outlander\/"},"modified":"2022-06-15T00:42:22","modified_gmt":"2022-06-14T22:42:22","slug":"gil-adamson-the-outlander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/05\/gil-adamson-the-outlander\/","title":{"rendered":"Gil Adamson: The Outlander"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Prinzip ist die Frage, ob oder ob nicht ein Buch als Krimi zu beurteilen ist, f\u00fcr mich nicht so wichtig. Aber ich will nicht verhehlen, dass es mich manchmal irritiert, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit Leser\/Rezensenten die Bezeichnung \u00fcbernehmen, ohne sie zu hinterfragen. In den letzten drei Jahren habe ich hier beim Hinternet einige B\u00fccher besprochen, die eher nicht dem Krimi zuzurechnen sind \u2013 ohne dass ich das thematisiert h\u00e4tte. Aber \u201eThe Outlander\u201c f\u00fchrt doch zur Frage, wer denn das festlegt, wer die Meinungsf\u00fchrerschaft hat ? Dem Umschlag des Buches oder der Vita der Autorin entnehme ich die Angabe Krimi nicht, die Besprechungen im englischsprachigen Raum liefern auch kaum einen Hinweis hierzu, diese beziehen sich allenfalls auf \u201esuspense\u201c, aber der wird ja nun in zahlreichen B\u00fcchern erzeugt, ohne dass diese als Krimi bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Irgendwie hat es \u201eThe Outlander\u201c auf die Nominierungsliste des Hammett-Prize geschafft und ich bin in einer Zwickm\u00fchle. <em> &#8222;Crime-writing&#8220; is defined as any published work of adult fiction or narrative nonfiction that encompasses such areas as &#8222;crime,&#8220; &#8222;suspense,&#8220; &#8222;thriller,&#8220; &#8222;mystery,&#8220; or &#8222;espionage&#8220; as those terms are normally understood in the writing and publishing fields. <\/em> hei\u00dft es in den Vergabebedingungen f\u00fcr den Preis. Nun denn, ein weites Feld.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Outlander\u201c f\u00fchrt den Leser zur\u00fcck ins Jahr 1903. Irgendwo in den kanadischen Weiten, am Rande der Berge begegnen wir Mary Boulton, der, wie sie im Buch \u00fcblicherweise genannt wird, Witwe. \u201eWitwe von eigener Hand\u201c um genau zu sein. Die Br\u00fcder ihres verstorbenen Mannes sind ihr auf den Fersen. In der Anfangsszene wird sie von Hunden durch den Wald gehetzt. Vor\u00fcbergehend findet sie Unterschlupf, nicht einmal, sondern immer wieder, doch die Jagd geht immer weiter, und die Witwe zieht sich tiefer und tiefer in die Berge und in den Wald zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Durchaus eine krimikompatible Handlung also. Und st\u00e4ndig steckt im Hinterkopf des Lesers die Frage, wie geht\u2019s weiter, wie l\u00f6st&#8217;s sich auf. Im Hinterkopf, wohl gemerkt. Tats\u00e4chlich ist der Leser in der Welt der Witwe gefangen. Einer Frau an einem Ort in einer Zeit, an dem sie fremd ist (daher wohl auch der Buchtitel). Die Witwe selber wird zudem von Vorstellungen heimgesucht, nicht notwendiger welche des Wahns, wessen Geist, wenn ausgehungert und ausgemergelt im Wald seit Tagen umherirrend, wollte nicht woanders hin entfleuchen, dennoch, sie ist nicht immer ganz bei sich. Adamson gelingt es vortrefflich, dieses Milieu, diese einfachen Lebensbedingungen zu beschreiben und lebendig werden zu lassen. Sie umgibt die Witwe mit einer Vielzahl skurriler und eigenwilliger Personen, so dass eine farbige Geschichte entsteht &#8211; dass einzelne dieser Personen der Realit\u00e4t entnommen sind, scheint mir nicht entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<p>Funkelndes Juwel des Buches ist nat\u00fcrlich die Sprache Adamsons. Diese wird in Rezensionen (kein Scherz) mal als schlank mal als \u00fcppig beschrieben. In der Tat lassen sich im Text Belege f\u00fcr beides finden. Die Autorin hat zwei Gedichtb\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht, W\u00f6rter setzen kann sie also. S\u00e4tze wie <em>&#8222;And then there she was on the ground, demented, half-starved. Change came roaring in. Her warm body in his tent like a salacious dream, her beautiful voice, that unnerving gaze.&#8220;<\/em> finden sich h\u00e4ufiger in ihrem in Buch, sie scheinen eher nicht im Geiste der Hemingway\/Hammett\/Leonhard-Schule zu sein, zeigen aber die sprachliche Kompetenz der Autorin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Outlander\u201c ist ein Buch, durchdrungen von Atmosph\u00e4re, in fabul\u00f6ser Sprache, mit tiefer Empathie \u00fcber eine Frau auf der Fluch und auf den Weg in eine andere Welt. Wenn man gewollt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte man aus der Geschichte auch einen Krimi machen k\u00f6nnen, aber die Ausgangssituation, der Mord an dem Ehemann, sie taucht wohl in R\u00fcckblenden auf und wird geschildert, aber niemals erkl\u00e4rt. Besser w\u00e4r&#8216; dann das Buch auch kaum geworden, nur anders.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Gil Adamson: The Outlander. <br \/>Ecco 2008. 400 Seiten. 18,99 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Prinzip ist die Frage, ob oder ob nicht ein Buch als Krimi zu beurteilen ist, f\u00fcr mich nicht so wichtig. Aber ich will nicht verhehlen, dass es mich manchmal irritiert, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit Leser\/Rezensenten die Bezeichnung \u00fcbernehmen, ohne sie zu hinterfragen. 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