{"id":21102,"date":"2008-06-11T08:20:45","date_gmt":"2008-06-11T08:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/06\/ken-bruen-jason-starr-flop\/"},"modified":"2025-04-03T05:08:38","modified_gmt":"2025-04-03T03:08:38","slug":"ken-bruen-jason-starr-flop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/06\/ken-bruen-jason-starr-flop\/","title":{"rendered":"Ken Bruen \/ Jason Starr: Flop"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Keine Rezensionen mehr! Und gleich eine Ausnahme. Laut Paragraph 5f) der Ausbildungsverordnung f\u00fcr KrimirezensentInnen sind wir verpflichtet, das Gesellenst\u00fcck unseres Azubi Jochen blogm\u00e4\u00dfig unters digitale Volk zu streuen. Wir brauchen uns auch nicht daf\u00fcr zu sch\u00e4men, denn dank kompetenter Ausbildung ist es Jochen gelungen, ein Gesellenst\u00fcck von gediegener Eleganz, handwerklicher Leichtigkeit und intellektueller Pr\u00e4gnanz anzufertigen. Lesen Sie selbst!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Ich mach in Zukunft meine Schuhe<br \/>Immer nur mit einem Knoten zu<br \/>Die H\u00e4nde immer in den Hosentaschen<br \/>Und nach dem Z\u00e4hneputzen heimlich naschen<br \/>Und danach den Rest wegschmei\u00dfen<br \/>Danach nicht sp\u00fclen, Deckel nicht schlie\u00dfen <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>B\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6se ich bin so b\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6se<br \/>b\u00f6\u00f6\u00f6se unsagbar b\u00f6\u00f6\u00f6se<br \/>b\u00f6\u00f6\u00f6se entsetzlich b\u00f6\u00f6se<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Knorkator, \u201eB\u00f6se\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Max Fisher, erfolgreicher Chef einer Netzwerk-Firma, liebt gro\u00dfe Br\u00fcste und hasst seine Frau. Eine Scheidung kommt wegen der zu erwartenden finanziellen Einbu\u00dfen nicht in Frage, also wird flugs ein Killer engagiert, die holde Gattin aus dem Weg zu r\u00e4umen. Sekret\u00e4rin und Geliebte Angela hat angeblich einen Cousin, der jemanden aus dem IRA Umfeld kennt, der schmutzige Auftr\u00e4ge \u00fcbernimmt. Erfahren, getan; Dillon, Deckname Popeye, comes along \u2013 killt gegen ein besseres Taschengeld das leidige Eheweib und leider auch die zuf\u00e4llig anwesende Nichte des Auftragebers. Ist ein zu verschmerzender Verlust, war zwar ganz nett die Kleine, aber auch ein bisschen zu fett&#8230;<br \/>Dummerweise ist der Killer keineswegs der Freund eines Freundes, sondern ziemlich eng liiert mit dem Objekt der Begierde des Herrn Fisher. Zudem ein Psychopath ersten Ranges, der auch schon mal einem japanischen Touristen die Kehle aufschlitzt, weil ihm gerade danach ist. Das mit ihm nicht gut Pizza essen ist, erf\u00e4hrt auch Angela, die sich auf einmal bem\u00fc\u00dfigt sieht in einem Drei-Fronten-Krieg ihre Interessen vehement vertreten zu m\u00fcssen. Denn neben Fisher und Popeye Dillon, dem durchgeknallten Killer, tritt noch Bobby Rosa, der querschnittsgel\u00e4hmte Kleinkriminelle auf den Plan, der aus dem Mordkomplott seinen Profit schlagen m\u00f6chte. Am Ende wimmelt es von betrogenen Betr\u00fcgern, zudem gibt es einige Abg\u00e4nge zu beklagen.<br \/>Was das Autorenduo Bruen\/ Starr da auftischt, ist mal witzig, mal dezent spannend, aber immer eine Spur zu viel des Guten. Da wird auf jeden Kniff ein weiterer draufgesetzt, um ja m\u00f6glichst abgefahren zu wirken; doch letztlich l\u00e4sst sich der Ausgang der Geschichte bis auf Kleinigkeiten nach wenigen Seiten erahnen. Zudem ergibt das Buch keine Einheit, zu unterschiedlich geschrieben stehen Bruens und Starrs Passagen nebeneinander. W\u00e4hrend Bruen sich noch um einen Hauch Eigenst\u00e4ndigkeit bem\u00fcht \u2013 die leicht aufgesetzt wirkende Betonung der irischen Lebens- und Denkungsart \u2013 ist Starr ein gelehriger und unreflektierter Sch\u00fcler Quentin Tarantinos. Da d\u00fcrfen abgewrackte Figuren auftauchen, die redundantes Zeug quatschen, sich zu gro\u00dfen Gangstern aufspielen m\u00f6chten und erb\u00e4rmlich scheitern. Ob Tarantino wohl ahnte, was er mit Pulp Fiction anrichten w\u00fcrde? Jim Thompson zu vertreiben und Eric Rohmer auf Speed Einlass verschafft zu haben, ist eigentlich nichts, worauf man stolz sein kann. \u201eFlop\u201c ist da gelehriger Sch\u00fcler. Eine Geschichte heilloser Egozentrik und Dekadenz, eingebettet in innerfamili\u00e4ren Mord, Totschlag und Erpressung. Liest sich recht flott und mit Aha-Effekt, ist aber auch genauso schnell wieder vergessen. Keine positiven Heroen in Sicht, aber auch kein konzeptioneller Gegenentwurf; stattdessen eine kleine, rasante Geschw\u00e4tzigkeit mit einigen ebenso ekligen wie d\u00e4mlichen Einf\u00e4llen. M\u00f6chte so gerne Noir sein, ist aber bestenfalls das Grau eines Jugendknasts, in dem Jim Carrey den Gef\u00e4ngnisdirektor spielt.<br \/>Und alles, wirklich alles, ist f\u00fcrchterlich b\u00f6se, perfide und gemein. Und am Ende f\u00fchlt man sich gefoppt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bin in einer finsteren Sekte<br \/>Die in mir die Erkenntnis weckte<br \/>Dass unsere kurze Daseinsfrist<br \/>Mehr Spa\u00df macht, wenn man b\u00f6se ist <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das vermittelt \u201eFlop\u201c sehr wohl. Mehr aber auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ken Bruen \/ Jason Starr: Flop. <br \/>Rotbuch 2008 (Bust, 2007). 288 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Keine Rezensionen mehr! Und gleich eine Ausnahme. 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