{"id":21181,"date":"2008-08-05T07:59:43","date_gmt":"2008-08-05T07:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/friedhelm-werremeier-taxi-nach-leipzig\/"},"modified":"2022-06-13T15:46:47","modified_gmt":"2022-06-13T13:46:47","slug":"friedhelm-werremeier-taxi-nach-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/friedhelm-werremeier-taxi-nach-leipzig\/","title":{"rendered":"Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Krimi mit Folgen: das trifft auf kaum einen anderen mehr zu als auf Friedhelm Werremeiers \u201eTaxi nach Leipzig\u201c, mit dessen Verfilmung 1970 der auch heute noch regelm\u00e4\u00dfig besichtigte \u201eTatort\u201c startete. Wiederzulesen jetzt in der von Frank G\u00f6hre herausgegebenen \u201eKriminellen Sittengeschichte Deutschlands\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich ist er auch das: Sittengeschichte. Spielt er doch in beiden Teilen Deutschlands, vorwiegend aber in Leipzig, wohin es Kommissar Paul Trimmel verschlagen hat, den absolut b\u00e4rbei\u00dfigen, humorlosen Bullen mit dem, kaum anders zu erwarten, guten Herzen. Dabei geht ihn der Fall \u00fcberhaupt nichts an. An der Interzonenautobahn bei Leipzig ist die Leiche eines kleinen Jungen gefunden worden, der seiner Schuhe wegen aus Westdeutschland stammen k\u00f6nnte. Mord? Nein, der Junge war schwer krank, ist wohl entf\u00fchrt worden, dann \u201eeines nat\u00fcrlichen Todes\u201c gestorben. Immerhin: Vater des Jungen war einer aus dem Westen, ein Million\u00e4r. Warum interessiert sich Trimmel f\u00fcr den Fall? Warum nimmt er das Risiko auf sich, nach Leipzig zu fahren, dort zu ermitteln? Er wei\u00df es selbst nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht weil er ein Kriminaler von altem Schrot und Korn ist. Schon zu Zeiten des Reichskriminalamtes dabei. Hat im Urlaub am bulgarischen Schwarzen Meer einen Kollegen aus dem Osten kennengelernt, wahrscheinlich auch einer, der noch zu gro\u00dfdeutschen Zeiten als Stift bei der Polizei angefangen hat. Man versteht sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist das Thema: Die deutsche Trennung \u2013 und dass man sich irgendwie doch versteht. Ein Krimi aus der guten alten Zeit, als Polizisten noch Autorit\u00e4tspersonen waren, von Werremeier, \u00fcber den ein informatives Vorwort des Herausgebers im Anhang informiert, sehr routiniert geschrieben, durchaus auch f\u00fcr Heutige noch lesbar. Und ein weiteres Belegst\u00fcck der These, dass der Spannungsbegriff eng mit Entstehungszeit von Kriminalliteratur verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das, was heutzutage fast jeder Autor als \u201espannungstragend\u201c favorisieren w\u00fcrde, wird bei Werremeier sehr fr\u00fch offengelegt und so aus dem Spannungsbereich entfernt. Dem Leser \u2013 und bald auch Trimmel \u2013 ist schnell klar, was da an der Leipziger Autobahn passiert sein muss. Gut, am Ende gibt es noch eine kleine, indes nicht hochdramatisierte \u00dcberraschung. Das eigentliche Spannungsmoment aber ist ein anderes: die politischen Verh\u00e4ltnisse eben, das latente Sichverstehen der Menschen h\u00fcben und dr\u00fcben. Historisch also. Und am Ende landet Trimmel dort, wo er als Fernsehfigur nie landen durfte: im Puff.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja. Noch einmal zum Nachwort. Interessant zu lesen, wie in den 60er, 70er Jahren bei Rowohlt mit Krimimanuskripten umgegangen wurde. Es schaudert einen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Der Rezensent ist f\u00fcr den Verlag Edition K\u00f6ln als Herausgeber t\u00e4tig.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig. \nEdition K\u00f6ln 2008. 185 Seiten. 11,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Krimi mit Folgen: das trifft auf kaum einen anderen mehr zu als auf Friedhelm Werremeiers \u201eTaxi nach Leipzig\u201c, mit dessen Verfilmung 1970 der auch heute noch regelm\u00e4\u00dfig besichtigte \u201eTatort\u201c startete. 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