{"id":21185,"date":"2008-08-07T07:43:59","date_gmt":"2008-08-07T07:43:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/wer-ists\/"},"modified":"2022-06-09T23:09:55","modified_gmt":"2022-06-09T21:09:55","slug":"wer-ists","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/wer-ists\/","title":{"rendered":"Wer ist&#8217;s?"},"content":{"rendered":"\n<p>In Deutschland fliegen einem die gebratenen Krimis ins Maul. Hmmmm! Knusprig! Lecker! W\u00e4hrenddessen man unter den schattigen, duftigen Wunderb\u00e4umen selig ruht, an denen die prallen Plots wachsen. Krimischaffender in Deutschland? Ein Traum! Als Angeh\u00f6riger eines angesehenen Berufsstandes hat man eine seri\u00f6se Ausbildung genossen, ist Elite, verdient gutes Geld und die Verlage rei\u00dfen einem die Waren nur so aus den H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja, die Verlage! Aus allen Rohren flie\u00dfen Milch und Honig! Einzig der Kunst verpflichtete Menschen arbeiten hart und bringen die wertvollen Manuskripte ehrf\u00fcrchtig zur Druckreife. &#8222;Originalit\u00e4t und handwerkliches K\u00f6nnen!&#8220;, so lautet das Motto, welches die Verleger allmorgendlich beim gro\u00dfen Appell verk\u00fcnden. &#8222;Nieder mit dem Kommerz! Weg mit dem Plastikschund!&#8220; Es gibt nur gro\u00dfe, prosperierende Verlage. Weil jeder, der einmal klein angefangen und gute Arbeit abgeliefert hat, sogleich w\u00e4chst und gedeiht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die deutschen Krimischaffenden nicht schaffen, das importiert man aus dem Fremdsprachigen. Wache und kundige Augen scannen den internationalen Markt. Wieder ein Serienkillerpathologenthriller? Nein! Noch ein verbiestert botschaftender Schwede? Um Himmelswillen! Ein vergessener Altmeister? Sofort neu auflegen! Ein neues, unkonventionelles Talent? In Gold aufwiegen! Was man so ergattert, wird von begnadeten \u00dcbersetzern gegen gro\u00dfz\u00fcgiges Honorar ins Deutsche \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft des Kriminalromans gedeiht. Penibel untersuchen Professoren und Seminare, Institute und Privatgelehrte das Genre. Und was sie alles finden! Wunderbar! \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Und erst die Leserinnen und Leser! Sie sind sich ihrer Herkunft wohl bewusst, ihrer Herkunft aus dem Lande der Dichter und Denker. Krimis, so sagen sie sich, sind spannende Unterhaltung, bei der das Denkmaschinchen da oben drinne auf Touren kommt, Lekt\u00fcre, die irritiert, unterminiert, neue Vorstellungen und \u00dcberzeugungen schafft und uns auf neuen Wegen durchs Dasein f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich zur Seite steht der Leserschaft die Kritikerschaft. Alles hochgebildete, in Qualit\u00e4tsmedien bei reichlicher Entlohnung hart im Rezensionsbergwerk schuftende Menschen, denen die Kompetenz als der Schwei\u00df des Geistesarbeiters aus s\u00e4mtlichen Poren quillt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzum: Kriminalliteratur in Deutschland, das ist \u2013 das genaue Gegenteil von allem, was wir eben geschrieben haben. Aber warum? Was l\u00e4uft schief? Wer ist der \u00dcbelt\u00e4ter? AutorInnen, Verlage, KritikerInnen, Wissenschaft, Buchhandel \u2013 oder am Ende doch die Leserinnen und Leser, weil man den meisten von ihnen alles, wirklich alles verkaufen kann?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland fliegen einem die gebratenen Krimis ins Maul. Hmmmm! Knusprig! Lecker! W\u00e4hrenddessen man unter den schattigen, duftigen Wunderb\u00e4umen selig ruht, an denen die prallen Plots wachsen. Krimischaffender in Deutschland? Ein Traum! 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