{"id":21216,"date":"2008-08-26T08:21:18","date_gmt":"2008-08-26T08:21:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/uebersetzerelend\/"},"modified":"2022-06-05T02:27:30","modified_gmt":"2022-06-05T00:27:30","slug":"uebersetzerelend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/08\/uebersetzerelend\/","title":{"rendered":"\u00dcbersetzerelend"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Eine neue Diskussion zu einem alten Thema ersch\u00fcttert die \u2192<a href=\"http:\/\/forum.krimi-couch.de\/board-2-idThread-4069.html\">&#8222;Krimi-Couch&#8220;<\/a>: Hat der (Neu-)\u00dcbersetzer von Rex Millers &#8222;Fettsack&#8220; geschludert? Schlimmer noch: Hat er eigenm\u00e4chtig in den Text eingegriffen und die Erz\u00e4hlperspektive manipuliert? Und obendrauf noch die Mutma\u00dfung, die angeblich gek\u00fcrzte Erst\u00fcbersetzung von 1992 sei gar nicht gek\u00fcrzt worden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ob diese Anschuldigungen zutreffen, vermag ich nicht zu beurteilen. &#8222;Fettsack&#8220; ist ein prima Buch, keine Frage, wenngleich es mir entschieden zu sehr unter dem Serienm\u00f6rderaspekt gelesen wird. Offensichtlich jedoch ist das bekannte Dilemma: Ich kann ein \u00fcbersetztes Buch zwar nach bestem Wissen und Gewissen rezensieren \u2013 aber auch mit gutem Gewissen? M\u00fcsste nicht die Zurkenntnisnahme des Originals obligatorisch sein? Und m\u00f6glicherweise gar die m\u00f6glicher Alternativ\u00fcbersetzungen? \u2013 Unrealistisch, ganz klar. So polyglott bin ich nun auch wieder nicht, so viel Zeit steht mir nicht zur Verf\u00fcgung. Ich MUSS mich auf \u00dcbersetzungen verlassen. Wobei ein weiteres Dilemma entsteht: Sind sprachliche Schw\u00e4chen des Textes solche des Originals oder der \u00dcbersetzung? Falls ersteres: Warum sind sie dem \u00dcbersetzer nicht aufgefallen? Und bei letzterem: Warum nicht wenigstens dem Lektor?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbersetzer, das ist ein weiteres leidiges Thema, m\u00fcssen nicht nur die Originalsprache eines Textes beherrschen, auch souver\u00e4ner Umgang mit der Muttersprache ist vonn\u00f6ten. Und weiter: Ein \u00dcbersetzer muss die Architektur eines Textes verstanden haben und in der Lage sein, auch sie m\u00f6glichst ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den zu \u00fcbertragen. Das ist eine ganze Menge, und schon h\u00f6re ich die Klage: Ja, in Ordnung. Aber \u00dcbersetzer werden zu schlecht bezahlt, um all das leisten zu k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es. \u00dcbersetzer werden schlecht bezahlt. Autoren in der Regel auch, sieht man von denen an der (d\u00fcnnen) Spitze ab. Nur m\u00f6chte ich den Autor sehen, der die Schw\u00e4chen seines Buches mit der geringen Entlohnung entschuldigt und verspricht, bei besserer Entlohnung selbstverst\u00e4ndlich auch besser zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gros des hierzulande und anderswo f\u00fcr fremde Zungen genie\u00dfbar gemachten Krimigutes bedarf nicht des Meister\u00fcbersetzers. Schablonierter Schnickschnack, und die Leser selbst kaum in der Lage, einen deutschen Satz unfallfrei zu formulieren. Bei genau gearbeiteten, komplexen Texten jedoch ist das anders. Hier fungiert der \u00fcberforderte oder im Akkord produzierende \u00dcbersetzer als Totengr\u00e4ber, mit seinem Umverm\u00f6gen stirbt der Text einen schm\u00e4hlichen Tod. Fast m\u00f6chte man ausrufen: &#8222;Lest nur noch deutsche Krimis!&#8220; &#8211; und damit endg\u00fcltig im Provinziellen des eigenen engen Horizonts Wurzeln schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Diskussion zu einem alten Thema ersch\u00fcttert die \u2192&#8222;Krimi-Couch&#8220;: Hat der (Neu-)\u00dcbersetzer von Rex Millers &#8222;Fettsack&#8220; geschludert? Schlimmer noch: Hat er eigenm\u00e4chtig in den Text eingegriffen und die Erz\u00e4hlperspektive manipuliert? 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