{"id":21245,"date":"2008-09-08T08:22:34","date_gmt":"2008-09-08T08:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/reginald-hill-als-krimikuenstler\/"},"modified":"2022-06-13T16:20:13","modified_gmt":"2022-06-13T14:20:13","slug":"reginald-hill-als-krimikuenstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/reginald-hill-als-krimikuenstler\/","title":{"rendered":"Reginald Hill als Krimik\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"\n<p><em>K\u00fcrzlich hat der hiesige Rezensent Reginald Hills \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/09\/reginald-hill-ins-leben-zurueckgerufen.php\">&#8222;Ins Leben zur\u00fcckgerufen&#8220;<\/a> (&#8222;Recalled to Life&#8220;, 1992) ein wenig bedauernd den schw\u00e4cheren Werken des gesch\u00e4tzten Meisters zugeschlagen. Vor allem die letzten 50 Seiten&#8230; Aber man kann das auch anders sehen, wie es Joachim Feldmann, der \u2192<a href=\"http:\/\/am-erker.de\/\">&#8222;Am Erker&#8220;<\/a> die vorbeiflanierende Kriminalliteratur betrachtende st\u00e4ndige Mitarbeiter des Krimijahrbuchs, getan hat. Und zwar schon 2006 anl\u00e4sslich der Tagung \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/11\/das-treffen-von-schwerte.php\">&#8222;Zur \u00c4sthetik der Kriminalliteratur&#8220;<\/a> in Schwerte, zu der er just \u00fcber &#8222;Recalled to Life&#8220; einige analytische Bemerkungen beisteuerte. Erfreulicherweise k\u00f6nnen wir diesen Aufsatz im Folgenden abdrucken. Danke, Joachim.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Reginald Hill als Krimik\u00fcnstler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eNow me, I\u2019m a blunt Scottish lad by birth, a blunter Northcountryman be domicile.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Andrew Dalziel (\u201cA Clubbable Woman&#8220;. 1970)<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einiger Zeit machte sich Dieter Paul Rudolph in seinem (\u00e4u\u00dferst empfehlenswerten) Weblog \u201cWatching the Detectives\u201c \u00fcber den zweiten Kriminalroman von Jan Seghers a.k.a. Matthias Altenburg, \u201eDie Braut im Schneebett\u201c, her. Durch eine gezielte Analyse der ersten Zeilen des Buches versuchte er dessen sprachliche Unzul\u00e4nglichkeit nachzuweisen. Altenburg retournierte prompt auf seiner eigenen Website: dpr habe ja nicht einmal bemerkt, dass er, Altenburg-Seghers, hier den ber\u00fchmten Auftakt zu Kafkas ber\u00fchmter Erz\u00e4hlung \u201eDie Verwandlung\u201c paraphrasiere. So what, mag da mancher diesen Fall intendierter Intertextualit\u00e4t kommentieren. Wenn\u2019s dem Autor Spa\u00df macht, soll er doch auf jeder Seite seines Romans Anspielungen f\u00fcr das gelehrte Publikum unterbringen. Bleibt doch immer die Frage: Was gewinnt ein literarischer Text, vor allem wenn er einem popul\u00e4ren Genre entstammt, durch den offensichtlichen Bezug auf kanonisierte Werke der Literaturgeschichte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergn\u00fcgliche Erkenntnis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIt was the best of time, it was the worst of times\u201c<\/em>. Der Anfang von Charles Dickens Roman \u201cA Tale of Two Cities\u201d (1859) geh\u00f6rt zu den ber\u00fchmtesten Eingangszeilen der Weltliteratur. Anapher und Antithese zugleich l\u00e4dt der Satz f\u00f6rmlich zur Anverwandlung ein. So beginnt Simon Schama sein Vorwort zur Everyman-Ausgabe des Romans mit den Worten: <em>&#8222;It has the best of Dickens and the worst of Dickens&#8220;<\/em>. Denn \u201eA Tale of Two Cities\u201d genie\u00dft bei weitem nicht den Ruf anderer Werke des gro\u00dfen Romanciers. Beim Lesepublikum ausgesprochen beliebt, wurde es von der Literaturwissenschaft eher skeptisch be\u00e4ugt. Der Plot zu krude, die Figuren zu edel oder zu b\u00f6se: es gab einiges auszusetzen. Dabei liest sich die Geschichte des versoffenen englischen Anwalts Sidney Carton, der seinem Leben einen Sinn gibt, indem er es f\u00fcr einen franz\u00f6sischen Edelmann auf der Guilloutine opfert, auch heute noch ausgesprochen gut, was nat\u00fcrlich nicht zuletzt der sprachlichen Gestaltungskraft von Meister Dickens geschuldet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>(Die komplizierte Handlung des Romans zu referieren, w\u00fcrde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Soviel sei gesagt: Es geht um drei Familien, deren Geschicke auf tragische Weise ineinander verstrickt sind. Einst erlittenes Unrecht produziert Rachegel\u00fcste, die auch auf vollkommen Unschuldige zielen. Die Wirren der franz\u00f6sischen Revolution geben den geeigneten Rahmen f\u00fcr das Geschehen ab. \u00dcbrigens spielt die Erinnerung eine zentrale Rolle, was, und hier greife ich vor, eines der Motive Reginald Hills gewesen sein mag, dem Dickens-Klassiker eine zentrale Rolle in dem hier vorzustellenden Kriminalroman zuzuweisen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also Reginald Hill im Jahr 1992 seinen dreizehnten Roman \u00fcber das ungleiche Ermittlerpaar Andrew Dalziel und Peter Pascoe nicht nur nach dem ersten Buch von \u201eA Tale of Two Cities\u201c benennt, n\u00e4mlich \u201eRecalled to Life\u201c (dt. \u201eIns Leben zur\u00fcckgerufen\u201c, 2004), sondern auch s\u00e4mtlichen Kapiteln Zitate aus dem Roman voranstellt, stellt sich nicht nur die Frage nach weiteren Parallelen, sondern auch, ob es einen nachvollziehbaren Grund f\u00fcr diese Art literarischer Spielerei gibt. Und zwar einen Grund, der mehr ist als das Motiv, literaturgeschichtlich bewanderten Lesern Vergn\u00fcgen zu bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbrechen und Tradition \u2013 der letzte Mord des \u201eGoldenen Zeitalters\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt der polizeilichen Aufkl\u00e4rungsarbeit steht in \u201eRecalled to Life\u201c ein Verbrechen, das zum Zeitpunkt der Handlung beinahe drei Jahrzehnte zur\u00fcckliegt. Damals, es war 1963, im Jahr des Profumo-Skandals, wurden der britische Aristokrat Sir Ralph Mickledore und das amerikanische Kinderm\u00e4dchen Sissy Kohler, seine angebliche Geliebte, des gemeinschaftlichen Mordes an der Ehefrau von Mickledores Freund James Westropp \u00fcberf\u00fchrt, zu der der Beschuldigte ebenfalls ein amour\u00f6ses Verh\u00e4ltnis unterhielt. Der Mord fand auf dem Landsitz Mickledores statt, ein Verbrechen wie aus einem Agatha-Christie-Roman. Die Ermittlung leitete Detective Superintendent Walter Tallantire, unterst\u00fctzt von einem jungen Kriminalbeamten namens Andrew Dalziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Mickledore wurde die Ehre zuteil, sein Leben bei der letzten Hinrichtung in Gro\u00dfbritannien zu lassen, w\u00e4hrend Sissy Kohlers zu einer lebensl\u00e4nglichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Als sie nach fast 30 Jahren entlassen wird, nimmt sich ein amerikanischer Journalist ihrer an, fest entschlossen, ihre Unschuld zu beweisen. Dies ruft auch Dalziel auf den Plan, der nichts unversucht lassen wird, die Ehre seines lange verstorbenen Lehrmeisters Tallantire zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere handlungsbeeinflussende Kr\u00e4fte sind die zum Zeitpunkt des Verbrechens anwesenden Herrschaften und deren Nachkommen, diverse Geheimdienstmitarbeiter und nat\u00fcrlich Dalziels Sidekick Peter Pascoe, den eine ganz pers\u00f6nliche Beziehungs- und Familienkrise umtreibt. Wie die Sache ausgeht, wird hier nat\u00fcrlich nicht verraten, so viel sei nur gesagt: Es ist nichts so, wie es aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sprachlicher Witz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eIt was the best of crimes, it was the worst of crimes\u201c, <\/strong>schon bei der Lekt\u00fcre der ersten Zeilen von \u201eRecalled to Life\u201c schmunzelt der Literaturkenner, und dieses Schmunzeln steigert sich zu einem wissenden L\u00e4cheln, wenn der Autor bis in einzelne Formulierungen hinein die Einleitung des klassischen Werkes umarbeitet und dabei der angels\u00e4chsischen Lust am Wortspiel freien Lauf l\u00e4sst. Wie das geht, m\u00f6chte ich Ihnen gerne an einigen Beispielen vorf\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<p>Hei\u00dft es bei Dickens: <em>\u201eIt was the season of Light, it was the season of Darkness\u201c<\/em>, scheint es, als ob hier schon die Dialektik der Aufkl\u00e4rung, wie sie sich in den Greueln der franz\u00f6sischen Revolution manifestierte, antizipiert sei. Und da, wie wir wissen, die klassische Detektivgeschichte der Vorstellung, mit logischer Deduktion dem Verbrechen zu Leibe r\u00fccken zu k\u00f6nnen, viel zu verdanken hat, zeigt sich bereits hier ein Zusammenhang, der \u00fcber Parallelen im Plot hinausweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Reginald Hill klammert sich hier allerdings nicht an sein Vorbild, sondern benutzt das sprachliche Muster, um mit einem kleinen Ausflug in die popul\u00e4re Kultur den Wandel Britanniens in den sechziger Jahren zu illustrieren. <em>\u201eDixon of Dock Green was giving way to Z-Cars, Bond to Smiley, Matt Dillon to Bob Dylan, l.s.d. to LSD, as the sunset glow of the Golden Age imploded into the psychedelic dawn of the new Age of Glitz.\u201d<\/em>\u201c Dixon of Dock Green\u201c war der archetypische freundliche Bobby, Held einer langlaufenden Krmiserie (1955 \u2013 1976) vielleicht am ehesten mit unserem \u201eGro\u00dfstadtrevier\u201c vergleichbar. Mit \u201eZ-Cars\u201c hielt 1962 der soziale Realismus Einzug in die vormals heile Welt. Zu Bond und Smiley muss man hier wohl nichts weiter sagen, und auch Matt Dillon, der Sheriff aus \u201eGunsmoke\u201c (Rauchende Colts), der am l\u00e4ngsten laufenden Westernserie alle Zeiten, d\u00fcrfte allen hier bekannt sein. Schwieriger ist wohl das \u201el.s.d.\u201c zu interpretieren (die \u00dcbersetzerin hat es schlicht ignoriert), die drei Kleinbuchstaben d\u00fcrften einfach f\u00fcr die drei Einheiten des alten britischen W\u00e4hrungssystems Pfund, Schilling, Pence stehen, die 1971 dem Dezimalsystem weichen mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings m\u00fcsste man hier bereits stutzig werden. Wieso sollte das \u201eJahr des Herrn 1963\u201c durch eine W\u00e4hrungsreform, die beinahe ein Jahrzehnt sp\u00e4ter stattfand, charakterisiert werden? Und schaut man genauer hin, entdeckt man noch mehr Fragw\u00fcrdigkeiten, die allerdings dazu geeignet sind, Hills wahre Meisterschaft zu illustrieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doppeltes Vergn\u00fcgen <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit \u201eDixon of Dock Green\u201c und \u201eZ-Cars\u201c. Beide Serien werden in der englischen Fernsehgeschichtsschreibung gerne als repr\u00e4sentativ f\u00fcr bestimmte Zeitabschnitte gesehen. Dixon, der v\u00e4terliche Schutzmann, hielt sein wachsames Auge \u00fcber eine Welt, die noch in Ordnung war, w\u00e4hrend sich die Polizisten aus \u201eZ-Cars\u201c mit der \u201eharten Realit\u00e4t\u201c auseinanderzusetzen hatten. Interessanterweise beharrte Ted Willis, der Autor von \u201eDixon\u201c, darauf, dass seine Drehb\u00fccher ebenso realistisch seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man nun die Laufzeiten beider Serien vergleicht, sieht man, dass sie beinahe parallel ausgestrahlt wurden: \u201eDixon of Dock Green\u201c von 1955 bis1976 und \u201eZ-Cars\u201c von 1962 bis 1978. Dennoch h\u00e4lt sich eine Vorstellung, wie sie auch die Einleitung unseres Romans suggeriert: \u201eDixon\u201c geh\u00f6rt in noch in die Zeit der Unschuld vor 1963, \u201eZ-Cars\u201c hingegen zeigt ein England, das nach dem Profumo-Skandal bis in seine Grundfesten ersch\u00fcttert ist (und bereit f\u00fcr die Kulturrevolution der sp\u00e4ten Sechziger). Die damaligen Fernsehzuschauer waren offenbar anderer Meinung: 1965, beide Shows liefen bereits drei Jahre parallel, betrug die Einschaltzahl f\u00fcr \u201eDixon\u201c noch satte 11.5 Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was die anderen Beispiele betrifft: 1963 hat James Bond als Filmheld noch seine besten Zeiten vor sich. George Smiley war erst zwei Jahre zuvor in \u201eCall of the Dead\u201c (\u201eSchatten von gestern\u201c) erstmals in Erscheinung getreten und wurde erst in den achtziger Jahren durch die Verfilmungen mit Alex Guinness zu einem \u201ehousehold name\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was also ist in Reginald Hill gefahren, einen der bekanntesten Romanauftakte der Weltliteratur in ein Wortspiel mit fragw\u00fcrdigen Poptrivia zu verwandeln? Nun, indem er den Autor der besagten Zeilen selbst im Roman auftreten l\u00e4sst, wird ihr Gehalt bereits relativiert. Es handelt sich um einen Journalisten namens William Stamper, der \u00fcbrigens als kleiner Junge bei dem Verbrechen im Jahre 1963 anwesend war. Stamper ist Verfasser einer Serie von Radiofeatures unter dem Titel \u201eDas Goldene Zeitalter des Mordes\u201c, einer Art \u201eTrue Crime\u201c-Show im Agatha-Christie-Stil. Als aus den Rundfunksendungen ein Buch wird, fehlt \u00fcbrigens eben jenes Schlusskapitel, das dem Mord auf Mickledore-Hall gewidmet war. Wie gesagt, spielen auch Geheimdienste in \u201eRecalled to Life\u201c keine geringe Rolle. Nun gilt das letzte Kapitel einem Mordfall beim Pferderennen in Chester aus dem Jahre 1961. Es beginnt aber nach wie vor mit den Worten: \u201eEs war das beste Verbrechen, es war das schlimmste Verbrechen\u201c, ein Umstand, den Hills Erz\u00e4hler auf einer der letzten Seiten des Romans wie folgt kommentiert: <em>\u201e&#8230; was ein Beweis daf\u00fcr war, dass ein Schriftsteller bei seiner verzweifelten Suche nach Ver\u00f6ffentlichung alles opfert au\u00dfer einer sch\u00f6nen Formulierung.\u201c <\/em> Dies ist \u00fcbrigens auch die letzte von vielen Sottisen \u00fcber die Schriftstellerei und den Literaturbetrieb, die immer wieder eingestreut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Reginald Hill gelingt also in \u201eRecalled to Life\u201c das Kunstst\u00fcck, eine bissige Hommage an den Detektivroman des \u201eGoldenen Zeitalters\u201c zu verfassen und gleichzeitig indirekt lieb gewonnene Vorurteile \u00fcber dieses Genre zu zerst\u00f6ren. Dabei ist seine Art der Genrepflege postmodernen Anverwandlungen und Dekonstruktionen allein deshalb \u00fcberlegen, weil er eine veritable Kriminalhandlung von eigenem Format um den \u201eklassischen\u201c Fall herumbaut. \u201eIns Leben zur\u00fcckgerufen\u201c wird in dieser Hinsicht eben nicht nur die tragische Figur Sissy Kohler, sondern auch ein ganzes Genre.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der Bezug auf \u201eA Tale of Two Cities\u201c? Sowohl am Handlungsaufbau wie auch an einzelnen Passagen lie\u00dfe sich zeigen, dass Dickens\u2019 Klassiker Reginald Hill sowohl zur Parallelisierung als auch zur Abgrenzung dient. Allein \u00fcber die Figur des Spions, wie sie in beiden B\u00fcchern dargestellt wird, k\u00f6nnte man noch so manches Wort verlieren, aber das m\u00f6chte ich mir an dieser Stelle sparen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nur noch ein Hinweis: Wer Romane von Reginald Hill ins Deutsche \u00fcbersetzt, muss sein Handwerk exzellent beherrschen. Und dies nicht nur, weil die Wortwahl des Autors es manchmal selbst f\u00fcr Kenner der Sprache ratsam erscheinen l\u00e4sst, zumindest das \u201eShorter OED\u201c griffbereit zu haben. Xenia Osthelder, die \u201eRecalled to Life\u201c \u00fcbersetzt hat, scheint dieser Aufgabe nicht immer gewachsen gewesen zu sein. Dass sie Bob Dylan mit i und Doppel-l schreibt, ist wohl als Gag gedacht. Beunruhigender finde ich ihre Neigung, gelegentlich Fu\u00dfnoten einzustreuen, um Anspielungen zu erkl\u00e4ren. Denn leider tut sie das oft nicht, wo es notwendig w\u00e4re. Und manchmal tr\u00e4gt sie zur Leserverwirrung bei. Wenn es im Original hei\u00dft: <em>\u201eThis mysterious visitor were probably the man from the Pru\u201d<\/em>, was wohl nicht mehr hei\u00dft, als dass es sich vermutlich um einen Versicherungsvertreter (der Prudential) gehandelt hat, wartet Frau Osthelder mit der Fu\u00dfnote auf, \u201eThe Man from the Pru\u201c sei ein Film. Das stimmt sogar, es gibt einen True-Crime Film aus dem Jahre 1989, der einen Mord aus dem Jahre 1931 dramatisiert. Aber der hat, soweit ich es sehe, mit dem vorliegenden Roman und seiner Handlung \u00fcberhaupt nichts zu tun. Also: Nicht alles, was ein kluger Autor wie Reginald Hill schreibt, ist eine Anspielung. Und seine Romane sind, bei aller Kunstfertigkeit, eben durch und durch Kriminalromane. Was auch gut so ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Joachim Feldmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich hat der hiesige Rezensent Reginald Hills \u2192&#8222;Ins Leben zur\u00fcckgerufen&#8220; (&#8222;Recalled to Life&#8220;, 1992) ein wenig bedauernd den schw\u00e4cheren Werken des gesch\u00e4tzten Meisters zugeschlagen. Vor allem die letzten 50 Seiten&#8230; Aber man kann das auch anders sehen, wie es Joachim Feldmann, der \u2192&#8222;Am Erker&#8220; die vorbeiflanierende Kriminalliteratur betrachtende st\u00e4ndige Mitarbeiter des Krimijahrbuchs, getan hat. 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