{"id":21271,"date":"2008-09-23T08:16:58","date_gmt":"2008-09-23T08:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/james-crumley-1939-2008\/"},"modified":"2022-06-17T19:08:42","modified_gmt":"2022-06-17T17:08:42","slug":"james-crumley-1939-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/james-crumley-1939-2008\/","title":{"rendered":"James Crumley (1939 &#8211; 2008)"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/crumley.jpg\" alt=\"crumley.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201cPeople often suggest that life should be a learning experience. Perhaps something like a nice, small Southern liberal arts, with a final exam, which if you pass, lets you drift softly into a pleasant eternity. If life is like college, I&#8217;ve screwed up again; I missed the assignment.\u201d <\/em>James Crumley, im Vorwort von <em>Damn Near Dead: An Anthology of Geezer Noir<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am 17.09.2008 starb nach langer Krankheit mit James Crumley einer der wichtigsten Autoren (nicht nur) von Privatdetektivromanen des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. <em>\u201eLeider ver\u00f6ffentlicht er zu wenig, um wirklich der Superstar zu sein, der er sein k\u00f6nnte: nur sieben Romane in 33 Jahren. Aber die sind von solcher Qualit\u00e4t, da\u00df man ihm das verzeiht.\u201c <\/em>(www.mordlust.de\/biographie_james_crumley.php) <\/p>\n\n\n\n<p>Seine B\u00fccher um die beiden Protagonisten C.W. Sughrue und Milo Milodragovitch \u2013 die wie in <em>Bordersnakes<\/em> auch schon mal zusammen auftraten \u2013 bieten mindestens kleine Meisterwerke und mit den Romanen <em>The Last Good Kiss<\/em> und <em>Dancing Bear<\/em> zwei gro\u00dfe. Wobei das im Auge des Betrachters liegt, denn seine Meriten hat jedes Buch (wobei das hochkomplexe <em>The Final Country <\/em>(<em>Land der L\u00fcgen<\/em>) vermutlich sein schw\u00e4chstes Werk ist).<\/p>\n\n\n\n<p>Crumley steht sowohl in der Tradition Raymond Chandlers (<em>The Final Country <\/em>kann auch wie eine Hommage an Jim Thompson gelesen werden), seine Vergleichspunkte finden sich u.a. auch zu Jack Kerouac, William S. Burroughs, Hunter S. Thompson oder Malcolm Lowry. Nach eigenem Bekunden ver\u00e4nderte der Perfektionist Crumley das erste Kapitel seines <em>The Last Good Kiss <\/em>satte 18-mal, bevor es seinen Gefallen fand. Egal, ob jede \u00c4nderung n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, einen stimmungsvolleren Roman findet man selten.<\/p>\n\n\n\n<p>Crumleys Metier sind nicht die Stra\u00dfenschluchten anonymer Gro\u00dfst\u00e4dte. Seine Figuren begegnen sich dort auf unausweichliche Weise, wo sich Skorpion und Klapperschlange \u201eGute Nacht\u201c sagen. Seine B\u00fccher sind fiebrige Chroniken einer drogengeschw\u00e4ngerten Zwischenwelt, in der die Grenzen zwischen Gut und B\u00f6se (eigentlich alle Grenzen) zerflie\u00dfen und nur seine Protagonisten einsame, dahintreibende Bezugspunkte sind; funkelnde Irrlichter in einer Welt der D\u00fcsternis, immer mit einem Fu\u00df im Mythologischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sechs seiner sieben Romane sind in Deutschland von verschiedenen Verlagen (Goldmann, Piper und Shayol) verlegt worden, wobei sich vor allem Goldmann bem\u00fchte, Crumley als vorgeblichen Krawallautor ins Rennen zu schicken. So wurde sein fabul\u00f6ser <em>Dancing Bear <\/em>gleich zweimal vermarktet, einmal wortgetreu als \u201eDer tanzende B\u00e4r\u201c und dann plump als \u201eKerle, Kanonen &amp; Kokain\u201c. Geholfen hat es nicht viel. Die \u201eSerie Piper\u201c zeigte sich seri\u00f6ser, schaffte es aber nicht, Crumley den Platz zu schaffen, der ihm geb\u00fchrte. So ist im Moment nur <em>Land der L\u00fcgen <\/em>au\u00dferhalb von Antiquariaten zu bekommen, und es liegt am r\u00fchrigen Shayol-Verlag, Crumleys Verm\u00e4chtnis hierzulande weiter zu tragen. Vielleicht auch, indem sich der Verlag seines letzten Werkes <em>The Right Madness<\/em> annimmt. Wir w\u00fcrden in der verkehrtesten aller literarischen Welten leben, wenn der letzte Schei\u00df im Krimiregal seine Abnehmer findet, aber jemand wie James Crumley versch\u00fctt gehen w\u00fcrde. Denn noch immer gilt Martin Comparts sch\u00f6nes Schlusswort: <em>\u201eLeser, die Crumley noch nicht kennen, sind zu beneiden: sie haben ihn noch vor sich. Uns anderen bleibt nur \u00fcbrig, ihn immer wieder zu lesen.\u201c <\/em>Jetzt erst recht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cPeople often suggest that life should be a learning experience. 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