{"id":21282,"date":"2008-09-29T08:06:20","date_gmt":"2008-09-29T08:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/krimikritikcrash\/"},"modified":"2022-06-17T19:09:21","modified_gmt":"2022-06-17T17:09:21","slug":"krimikritikcrash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/09\/krimikritikcrash\/","title":{"rendered":"Krimikritikcrash"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach dem Zusammenbruch des Investmentbankengesch\u00e4fts und seinen katastrophalen Auswirkungen auf das Bankenwesen insgesamt, ersch\u00fcttert ein weiterer Crash das globale Deutschland. Die &#8222;crime fiction critics invest&#8220; (cfci) steht vor der Zahlungsunf\u00e4higkeit! Die Folge: Ab 1. Oktober findet Krimikritik nicht mehr statt!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie konnte das alles passieren? Nun, erschreckend einfach. Die cfci war zu dem Zweck gegr\u00fcndet worden, auch dem kleinen Mann, der kleinen Frau den Bau und Besitz eines Eigenkriminalromans zu erm\u00f6glichen. Wer ist schon gern auf ewig Mieter in fremden Krimis, wo man doch selbst Hand anlegen kann! &#8222;Wir haben&#8220;, so der Vorsitzende des cfci, Lucas Zeitvogel am 8. August 2002, &#8222;hierzulande quasi eine Krimibrache, ein nicht genutztes Potential sch\u00f6pferischer krimineller Energie. Zum Beispiel 4.000 Zahn\u00e4rzte, die noch niemals einen Kriminalroman geschrieben haben! 1237 Metzger ohne Metzgerkrimi! Dazu 239.458 Hausfrauen, die nicht wissen, was sie tun sollen, seit die Kinder aus dem Haus und der Mann bei seinem Kebsweib ist!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesen in der Tat unhaltbaren Zustand zu beheben, wurde die cfci gegr\u00fcndet, welche durch gro\u00dfz\u00fcgige Kreditvergabe (&#8222;Vorschusslorbeeren&#8220;) jeden Willigen in den Stand versetzen sollte, die deutsche Sprache bezwecks Anfertigung von Kriminalliteratur zu missbrauchen. Und so geschah es. Denn alle kamen, alle wollten. Die stilistischen Pleitiers, die Bankrotteure der Sprache, die Bef\u00f6rderer der Plotinsolvenzen, die Zocker des Spannungsbogens, die Hasardeure der Figurenzeichnung. Trotz fehlender Bonit\u00e4t zahlte ihnen die cfci getreu- und reichlich Vorschusslorbeeren aus, lobte 4.000 Zahnarztkrimis, 1237 Metzgerkrimis, 239.458 Hausfrauenkrimis und, besonders verwerflich, 166 Krimikritikerkrimis. Das konnte nicht gutgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es ging nicht gut. &#8222;Wir haben mit diesen faulen Krediten an der deutschen Literaturb\u00f6rse gehandelt&#8220;, gesteht Zeitvogel heute zerknirscht ein, &#8222;sie wurden uns von den Verlagen aus den H\u00e4nden gerissen, wir verkauften sie zehn- und zwanzigfach \u2013 bis nach China. Und jetzt: sind wir pleite. Was wir investierten an euphorischer Begr\u00fc\u00dfung, kehrt nicht mehr zu uns zur\u00fcck. Die Krimis liegen wie Blei in den Buchhandlungen, die Autorinnen haben sich l\u00e4ngst in ihre Zahnarztpraxen, Metzgereien und kleinb\u00fcrgerlichen Einfamilienh\u00e4user zur\u00fcckgezogen. Vollst\u00e4ndig zahlungsunf\u00e4hig. Wer h\u00e4tte das ahnen k\u00f6nnen! Wir fordern die Bundesregierung auf, uns unter die Arme zu greifen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung indes bl\u00e4st der deutschen Krimikritik und ihren haneb\u00fcchenen Praktiken was. Ab 1. Oktober ist es verboten, Vorschusslorbeeren zu verleihen, ja, \u00fcberhaupt zu loben. Allenfalls Verrisse sind noch statthaft und auch nur dann, wenn sie nicht dazu dienen, die allerd\u00fcmmsten Konsumenten anzulocken, welche erst nach der Zusage von &#8222;Blut bis zum Abwinken, Dummdeutsch bis zum Erbrechen&#8220; \u00fcber den Erwerb des besprochenen Werkes ernsthaft nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist das Ende der Krimikultur&#8220;, schwant es Zeitvogel. &#8222;Wenn Krimikritik nicht mehr stattfindet \u2013 wovon sollen wir fortan leben?&#8220; Nun, rufen wir ihm zu: Da Krimikritik ja noch nie stattgefunden hat, einige Kritiker aber trotzdem ordentlich davon lebten, kann es doch nicht so schlimm werden, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Zusammenbruch des Investmentbankengesch\u00e4fts und seinen katastrophalen Auswirkungen auf das Bankenwesen insgesamt, ersch\u00fcttert ein weiterer Crash das globale Deutschland. Die &#8222;crime fiction critics invest&#8220; (cfci) steht vor der Zahlungsunf\u00e4higkeit! Die Folge: Ab 1. Oktober findet Krimikritik nicht mehr statt!<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21282"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21282\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}