{"id":21312,"date":"2008-10-17T09:19:50","date_gmt":"2008-10-17T09:19:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/bookmess-2008\/"},"modified":"2022-06-13T02:33:56","modified_gmt":"2022-06-13T00:33:56","slug":"bookmess-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/bookmess-2008\/","title":{"rendered":"Bookmess 2008"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Ich bin so aufgeregt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit gestern erst ist Fr\u00e4ulein Anobella die neue wtd-Azubine \u2013 und schon darf sie den Abteilungsleiter Krimi in die flirrende Welt der Spannungsliteratur begleiten, wie sie auch heuer wieder auf der Frankfurter Buchmesse pr\u00e4sentiert wird. Es beginnt mit einem Highlight: Erfolgskritiker W\u00f6rtche l\u00e4sst sich zur Audienz herab. &#8222;Ist er wirklich so wie er schreibt?&#8220; fragt die nun doch etwas beklommene Azubine und streicht nerv\u00f6s ihr schickes Minikleidchen glatt. Der Abteilungsleiter lacht. &#8222;Nein, nein! Er ist viel schlimmer!&#8220; \u2013 &#8222;Bei\u00dft er?&#8220; \u2013 &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich! Bevorzugt in die Nacken stiefeltragender Azubinen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der so D\u00e4monisierte entpuppt sich indes als charmanter Elder Statesman des Genres. &#8222;Fall ihm nicht gleich um den Hals!&#8220; raune ich der Azubine zu, die wie ein hypnotisiertes Kaninchen an W\u00f6rtches Lippen h\u00e4ngt. \u2013 &#8222;Darf ich Ihnen das DU anbieten, Fr\u00e4ulein Anobella?&#8220; &#8211; *Fr\u00e4ulein Anobella f\u00e4llt Herrn W. um den Hals. \u2013 &#8222;Was ist denn so der neue Trend?&#8220;, versuche ich die Situation zu entspannen. W\u00f6rtche l\u00e4chelt in das verzauberte Gesicht der Azubine. &#8222;Es wird eindeutig eine Verschiebung Richtung Regionalkrimi geben. Aber Regionalkrimi mit Niveau! M\u00e4cpommsche Historienkrimis, pf\u00e4lzische Saumagenthriller \u2013 und hessische Winzerkrimis&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor es zu peinlichen Entgleisungen kommt, verabschiede ich mich und begebe mich, das greinende Fr\u00e4ulein Anobella \u2013 &#8222;Er duzt mich! Ich duze ihn!&#8220; \u2013 hinter mir her ziehend zum n\u00e4chsten Ort unseres kleinen Buchmesserundgangs. Hier wartet Autor Norbert Horst, gl\u00fccklicherweise in Begleitung seiner Ehefrau, so dass von Seiten der Azubine mit keinen au\u00dferberuflichen Kontaktaufnahmen zu rechnen ist. Der sympathische Autor erz\u00e4hlt launig, dass sein neues Werk \u2013 ein westf\u00e4lischer Authentizit\u00e4tskrimi \u2013 im Entstehen sei. &#8222;Aber diesmal ganz ohne Polizei! Konstantin Kirchenberg, mein Serienheld, hat seinen Job an den Nagel geh\u00e4ngt \u2013 und schreibt nun Kriminalromane! Verstehst du?&#8220; \u2013 Die Frage ist nicht etwa an mich, den Abteilungsleiter, gerichtet, sondern an die Azubine, die \u2013 &#8222;Darf ich Norbert zu dir sagen?&#8220; \u2013 nur noch Augen f\u00fcr den \u00e4u\u00dferlich eher unscheinbaren, ein wenig verlebt wirkenden Autor hat \u2013 wo sie doch laut Ausbildungsvertrag allein den Abteilungsleiter anhimmeln sollte! &#8222;Es ist also so&#8220;, f\u00e4hrt Horst fort, &#8222;dass praktisch ein Autor in einem Roman, den er selbst geschrieben hat, erscheint und eine Geschichte erz\u00e4hlt, in der er selbst die Hauptrolle spielt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann nicht mehr. Wir verabschieden uns und eilen zum Stand des Pendragon Verlages, wo die beiden Mitherausgeber des Krimijahrbuchs schon warten. Dieses Jahr schaffen wir endlich den Durchbruch an der Bestsellerfront, die Verleihung des &#8222;Krimijahrbuchpreises&#8220; ist in trockenen T\u00fcchern, die Frankfurter Paulskirche als w\u00fcrdiger Ort der Verleihung bereits fest gebucht. &#8222;Ich pl\u00e4diere&#8220;, pl\u00e4diert Ulrich Noller, &#8222;f\u00fcr folgende Preistr\u00e4ger: Karin Slaughter, Sebastian Fitzek, Friedrich Ani und, f\u00fcr sein spannungstheoretisches Lebenswerk, Marcel Reich-Ranicki.&#8220; \u2013 &#8222;Und ich&#8220;, f\u00fcgt Christina Bacher hinzu, &#8222;werde dann in der BILD-Zeitung erkl\u00e4ren, warum Reich-Ranicki \u00fcberhaupt nicht amused war, als ihm der Preis \u00fcberreicht werden sollte. Damit verkaufen wir auch die letzten der 20.000 gedruckten Exemplare.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6rt sich gut an. Fr\u00e4ulein Anobella verabschiedet sich, denn laut Jugendschutzgesetz darf sie nur f\u00fcnf Stunden t\u00e4glich arbeiten. Mit einem tr\u00e4umerischen &#8222;Sie duzen mich! Alle!&#8220; stiefelt sie dem Ausgang zu. Mich hingegen f\u00fchrt es zu einem Hintergrundgespr\u00e4ch mit Pieke Biermann, Deutschlands letzter rauchender Kriminalschriftstellerin. &#8222;Hallo Pieke, sch\u00f6n, dich auch mal pers\u00f6nlich kennenzulernen!&#8220; Die so Angesprochene wirft mir einen vernichtenden Blick zu. &#8222;Seit wann duzen wa uns denn? Jro\u00dfe Vabr\u00fcderung jeplant, wa?&#8220; \u2013 Ich bestelle Kaffee und K\u00e4sekuchen. W\u00e4hrend wir warten, betrachte ich die flanierenden Damen, fast alle in Minir\u00f6cken, schwarzen Strumpfhosen und Lackstiefeln. Nur Pieke Biermann tr\u00e4gt, wie es ihr Imageberater empfohlen hat, Jeans, Lederjacke und Pumps.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Krieje ich eijentlich auch den Krimijahrbuchpreis, h\u00e4?&#8220; Sie funkelt mich bedrohlich an, ich nicke schnell. &#8222;Selbstverst\u00e4ndlich, gn\u00e4dige Frau. Haben Sie einen neuen Kriminalroman unter der kreativen Feder?&#8220; \u2013 &#8222;Ick w\u00fcsste nich, was das Sie Schreibaling anjeht. K\u00f6nnt ja jeder komm&#8216;, wa? Fraren Se ma lieber, wie ick Ihrn Blog finde!&#8220; Ich verkneife mir die Frage, komme aber um die Antwort nicht herum. Nach qu\u00e4lenden zehn Minuten einer st\u00fcrmischen Suada verabschiedet sich Frau Biermann. &#8222;Hat mir ausnehmend jefreut, junger Mann. N\u00e4chstet Jahr jerne wieda, wa!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, n\u00e4chstes Jahr. Alles wird besser werden. Wir haben einen neuen Azubi, die Damen tragen wieder anst\u00e4ndige Kleidung, die AutorInnen sind devot, wie es ihr Berufsstand verlangt. Nur der Kaffee auf der Buchmesse wird sein wie immer: teuer und ungenie\u00dfbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich bin so aufgeregt!&#8220; Seit gestern erst ist Fr\u00e4ulein Anobella die neue wtd-Azubine \u2013 und schon darf sie den Abteilungsleiter Krimi in die flirrende Welt der Spannungsliteratur begleiten, wie sie auch heuer wieder auf der Frankfurter Buchmesse pr\u00e4sentiert wird. 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