{"id":21317,"date":"2008-10-20T08:19:02","date_gmt":"2008-10-20T08:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/empfehlung-fuer-die-gegenwart\/"},"modified":"2022-06-13T00:07:59","modified_gmt":"2022-06-12T22:07:59","slug":"empfehlung-fuer-die-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/empfehlung-fuer-die-gegenwart\/","title":{"rendered":"Empfehlung f\u00fcr die Gegenwart"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/heinrichs_leibrenten.jpg\" alt=\"heinrichs_leibrenten.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>N\u00e4chsten Monat erscheint, so nichts (B\u00f6rsencrash, Finanzdesaster, Weltkrieg) dazwischenkommt, der erste Band der \u2192<a href=\"http:\/\/www.peterfaecke.de\/\">&#8222;Criminalbibliothek 1850 \u2013 1933&#8220;<\/a>, Emilie Heinrichs mit &#8222;Leibrenten. Roman aus der Gegenwart&#8220;. Aus der Gegenwart? Der von 1867, als das Buch zum ersten- und f\u00fcr 141 Jahre auch zum letztenmal erschien? Nein, nein, nicht nur &#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Geben Sie zu: Sie wissen \u00fcberhaupt nicht, wer Emilie Heinrichs war. Ich wusste es auch nicht, bis ich zuf\u00e4llig \u2013 zuf\u00e4llig? \u2013 auf &#8222;Leibrenten&#8220; stie\u00df und ziemlich schnell erkannte, was f\u00fcr ein Juwel mir da zugelaufen war. Ein Kriminalroman? \u2013 Vorsicht. Wenn der Band als erster in der &#8222;Criminalbibliothek&#8220; erscheint, wenngleich doch von der Chronologie her Herrn Temmes Meistererz\u00e4hlungen auf diesen prominenten Platz geh\u00f6rt h\u00e4tten, dann hat das seinen guten Grund. &#8222;Leibrenten&#8220; erkl\u00e4rt uns n\u00e4mlich, WARUM Kriminalliteratur in der uns noch heute gel\u00e4ufigen Form entstehen MUSSTE, als ein Reflex auf die Zeit mit ihren Wirrnissen und neuen Strategien des legalen Verbrechens. Es geschehen Morde in &#8222;Leibrenten&#8220; \u2013 ganz am Ende, sie werden nicht &#8222;gekl\u00e4rt&#8220; (aber gerade lese ich Michael Collins&#8216; &#8222;T\u00f6dliche Schlagzeilen&#8220;, da wird auch nichts &#8222;gekl\u00e4rt&#8220;), es gibt diverse Happy Ends (man findet sich&#8230;), doch fr\u00f6hlich, gar tr\u00f6stlich sind die nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gibt eine zentrale, die quasi titelgebende Passage. Ein versoffener Rentier wird um seinen Besitz betrogen. Man dreht ihm eine &#8222;Leibrente&#8220; an, die praktisch wertlos ist, weil man sich seine Immobilien m\u00f6glichst billig unter den Nagel rei\u00dfen m\u00f6chte. Die werden n\u00e4mlich im Wert steigen&#8230; Und wie das beschrieben ist, so genau, so sarkastisch, zugleich aber auch mit gro\u00dfer Wut und gro\u00dfer Resignation, das ist nicht nur gro\u00df, das rechtfertigte es zudem, diesen &#8222;Roman aus der Gegenwart&#8220; auch f\u00fcr unsere Gegenwart zu erhalten und dem geneigten Lesepublikum bereitzustellen. Alles, was Sie schon immer \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Finanzkrise, die ein gigantischer Finanzbetrug ist, wissen wollten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnen wir die politisch-gesellschaftliche Dimension des Buches nur am Rande: die pr\u00e4zise Beschreibung eines &#8222;Paradigmenwechsels&#8220;, den schleichenden Machtverlust des Adels, den Aufstieg des Geld-B\u00fcrgertums auf den R\u00fccken der &#8222;armen Leute&#8220;, die ob solcher Drangsalierungen ihr Heil nur noch in der Flucht suchen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch, das behaupte ich einfach: ein gro\u00dfer Roman. Ein Trivialroman. Na und? Sie werden Ihre Freude dran haben. Glauben Sie mir. Ich irre h\u00e4ufig, hier aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N\u00e4chsten Monat erscheint, so nichts (B\u00f6rsencrash, Finanzdesaster, Weltkrieg) dazwischenkommt, der erste Band der \u2192&#8222;Criminalbibliothek 1850 \u2013 1933&#8220;, Emilie Heinrichs mit &#8222;Leibrenten. Roman aus der Gegenwart&#8220;. Aus der Gegenwart? Der von 1867, als das Buch zum ersten- und f\u00fcr 141 Jahre auch zum letztenmal erschien? 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