{"id":21331,"date":"2008-10-27T07:56:05","date_gmt":"2008-10-27T07:56:05","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/mord-beim-mordspektakel\/"},"modified":"2022-06-06T16:18:24","modified_gmt":"2022-06-06T14:18:24","slug":"mord-beim-mordspektakel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/10\/mord-beim-mordspektakel\/","title":{"rendered":"Mord beim Mordspektakel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/ratekrimi.jpg\" alt=\"ratekrimi.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Endlich: Kurzratekrimi-Erfolgsautor Dale Patrick Rutherford pr\u00e4sentiert ein neues Ermittlerpaar mit geradezu tragisch-griechischem Potential. Freuen Sie sich auf Kriminalhauptkommissar Bonifatius Majakowski, der unter latentem Schwulsein in einer Machogesellschaft leidet, und seine Kollegin Kriminalhauptkommissarin Svantje Butzbach, bekennende Nymphomanin und nebenberufliche Betreiberin einer Blow-Jobagentur (Arbeitslose bitte nur mit Vermittlungsgutschein bewerben). <\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>&#8222;Event! 93. Gro\u00dfransdorfer Krimitage!&#8220; So spannte es sich, von mittelm\u00e4\u00dfigen Winden bewegt, auf wetterfestem Stoff \u00fcber die Hauptstra\u00dfe Gro\u00dfransdorfs, einer aufstrebenden Gemeinde inmitten eines absackenden Bundeslandes. &#8222;Jetzt links&#8220;, dirigierte Svantje Butzbach den Fahrer des Dienstwagens, ihren wie immer melancholischen Kollegen Bonifatius Majakowski. Der seufzte und tat wie gehei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6rtliche Polizei hatte den Tatort \u2013 die Pr\u00e4sidentensuite im einzigen Hotel Gro\u00dfransdorfs \u2013 bereits professionell abgesichert und wartete auf die Kollegen aus der Stadt. Die schlurften \u00fcber weiche Teppichb\u00f6den und besahen sich die Leiche, aus der eine Menge Blut gesickert war. &#8222;Das ist er&#8220;, kl\u00e4rte sie Hauptwachtmeister D\u00f6ppkin auf, ein wie die Leiche, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden, eher blutleerer Charakter. &#8222;Wei\u00df man schon, um wen es sich handelt?&#8220; fragte Butzbach und taxierte den Kollegen. Mitte Drei\u00dfig, sportlich, ein wenig d\u00e4mlich: okay, f\u00fcr ein Quickie zu gebrauchen. D\u00f6ppkin taxierte die Kollegin: Mitte Drei\u00dfig, sportlich, ziemlich d\u00e4mlich, aber im Nacktscanner ein durchaus reizender Anblick.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;T\u00fcrlich. Der wohnt doch hier. Ein Erfolgsautor namens dpr, sollte bei den diesj\u00e4hrigen Gro\u00dfransdorfer Krimitagen den Ehrenpreis der chemischen Industrie erhalten. Mit&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bonifatius Majakowski h\u00f6rte den Ausf\u00fchrungen D\u00f6ppkins nicht zu. Sein Blick war auf eine seltsame und sehr schockierende Erscheinung gefallen, welche auf einem Stuhl am Fenster hockte und erkennbar mit den bereits herbstlichen Temperaturen zu k\u00e4mpfen hatte. Es handelte sich um eine \u00e4ltere, nur mit einem H\u00fcfthalter bekleidete Frau. Sie starrte z\u00e4hneklappernd auf die Leiche und schluchzte. Auch Majakowski war zum Heulen. Wieder einmal best\u00e4tigte sich, was sein Innerstes seit Jahr und Tag aufw\u00fchlte: Frauen strebten, je \u00e4lter sie wurden, brachial auseinander, M\u00e4nner hingegen formten sich zu gravit\u00e4tisch auf dem Boden der Tatsachen verankerten, \u00e4sthetischen Buddhas. Ich mag keine Frauen, dachte Majakowski zum wiederholten Male.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter dachte er nicht, denn ein Aufschrei von der T\u00fcr beanspruchte seine ganze Konzentration. Ein etwa f\u00fcnfzigj\u00e4hriger Schlipstr\u00e4ger stand dort und dr\u00f6hnte mit aufgerissenen Augen ein &#8222;Das ist ja schrecklich! Das gibt\u2019s doch nicht! Mathilde, was hast du getan?&#8220; in den Raum. &#8222;Das ist Jonas S\u00fcdenbrock, der Leiter der \u00f6rtlichen Volkshochschule und Veranstalter des Krimi-Events&#8220;, kl\u00e4rte D\u00f6ppken die beiden fremden Beamten auf. S\u00fcdenbrock schwankte zu diesen hin und stellte sich ersch\u00fcttert vor: &#8222;S\u00fcdenbrock. Ich bin der Veranstalter&#8230;&#8220; \u2013 &#8222;Wissen wir schon&#8220;, fiel ihm Svantje Butzbach ins Wort, der dieser Mensch von Anfang an unsympathisch war. Sie ging nicht mit Schlipstr\u00e4gern ins Bett. Grunds\u00e4tzlich nicht. Negative Erfahrungen. Wer sich ein Penissymbol um den Hals knotet, kann nur impotent sein, wie ihr einmal eine Psychiaterin erkl\u00e4rt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und wer ist Mathilde?&#8220; fragte Majakowski sachlich. &#8222;Die da&#8220;, antwortete S\u00fcdenbrock unsachlich und wies auf die Dame mit dem H\u00fcfthalter. &#8222;Lassen Sie mich das Ganze erkl\u00e4ren, bitte. Wir sind ein traditionelles Unternehmen der Krimievent-Branche und verleihen jedes Jahr im Rahmen unserer Krimitage DAS PETERLE. Das ist ein Preis, aber fragen Sie mich bitte nicht, warum er DAS PETERLE hei\u00dft, ich r\u00e4tsele selbst seit Jahrzehnten. Jedenfalls \u2013 dieses Mal musste dpr ausgezeichnet werden. Sie kennen dpr?&#8220; Butzbach und Majakowski sch\u00fcttelten die K\u00f6pfe synchron. &#8222;Nun, egal. Er ist ein STAR. Mit entsprechenden All\u00fcren. W\u00e4hrend andere G\u00e4ste wie Norbert Horst nur darauf bestehen, morgens durch ein Martinshorn geweckt zu werden oder Friedrich Ani lediglich eine Bibel auf dem Nachtschr\u00e4nkchen vorzufinden w\u00fcnscht, hat uns dpr gleich eine Liste gefaxt. 20 Flaschen Mineralwasser der Marke GESUNDBRUNNEN, Austern zum Fr\u00fchst\u00fcck und \u2013 um das Ganze abzuk\u00fcrzen: ein Groupie, wie es einem Krimipopstar geb\u00fchrt. Tja. Und da ist uns nur Mathilde eingefallen. Sie war 1965 bei der BRAVO-Beatles-Blitztournee und hat angeblich mit Ringo Starr und John Lennon gleichzeitig&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die so Vorgestellte war inzwischen aufgestanden und hatte sich wie in Trance der Polizistengruppe gen\u00e4hert. Sie fixierte S\u00fcdenbrock. &#8222;Du&#8230;du&#8230;&#8220; begann sie, atmete schwer aus (ihr H\u00fcfthalter fiel in sich zusammen) und fuhr, nun etwas gefasster fort: &#8222;Du hast ihn erstochen! Du oder dieses Schwein von B\u00fcrgermeister! Dpr wollte auspacken, er hatte recherchiert und war auf die Spur eines scheu\u00dflichen Verbrechens hier in Gro\u00dfransdorf gekommen! Und wenn dpr ausgepackt h\u00e4tte, h\u00e4ttet ihr einpacken k\u00f6nnen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcdenbrock sch\u00fcttelte traurig den Kopf. &#8222;Armes M\u00e4dchen. Ich hab geh\u00f6rt, wie dich dpr begr\u00fc\u00dft hat, als du in sein Zimmer geschl\u00fcpft bist. &#8218;Oh Gott&#8216;, hat er gesagt, &#8218;Die w\u00e4re ja schon in Woodstock f\u00fcr Jimi Hendrix zu alt gewesen!'&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wo waren Sie zum Zeitpunkt der Tat?&#8220; wollte Butzbach von Mathilde wissen. &#8222;Im Bad. Die Beine rasieren. Und glauben Sie dem Typen da kein Wort! Verh\u00f6ren Sie auch den B\u00fcrgermeister, der mauschelt berufsm\u00e4\u00dfig! Wenn der nicht knietief in der Sache&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Majakowski hatte begonnen, sich im Zimmer umzuschauen. Er mochte keine Frauen. Und im Moment auch keine M\u00e4nner. Auf dem Nachttisch lag ein d\u00fcnnes Manuskript, Majakowski zog Handschuhe an und begann zu bl\u00e4ttern. Die ersten Kapitel eines Kriminalromans, &#8222;Mord beim Mordsspektakel&#8220; betitelt. Er begann zu lesen. Ein d\u00fcnnes L\u00e4cheln grimassierte sein Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Rache einer zur\u00fcckgewiesenen Frau!&#8220; trompetete S\u00fcdenbrock derweil, und die Butzbach dachte f\u00fcr sich: Okay. Wenn man ihm den Schlips auszieht, k\u00f6nnten das nette drei Minuten werden. &#8222;Ein Ungl\u00fcck!&#8220; trompetete S\u00fcdenbrock weiter, &#8222;wir haben PROMINENZ hier! Gohlis h\u00e4lt die Laudatio! Gohlis! W\u00f6rtche hat sich ebenfalls angek\u00fcndigt, bezwecks Beschimpfung der Anwesenden. Die werden doch alle wieder abreisen! Seit 1904 veranstalten wir das hier! Bis auf die Kriegsjahre! In diesem Bett hat schon Friedrich Glauser, DAS PETERLE im Arm, geschlafen! Und Pieke Biermann! Und die andere da, die Frankfurterin!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Paprotta&#8220;, pr\u00e4zisierte Butzbach.<br \/>&#8222;Nein&#8220;, korrigierte S\u00fcdenbrock, &#8222;die Chaplet, glaub ich. Oder eben eine andere.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Majakowski las noch immer. Das d\u00fcnne L\u00e4cheln war noch d\u00fcnner geworden. Er lie\u00df das Manuskript sinken, legte es auf den Nachttisch zur\u00fcck, begab sich zur weiter wild durcheinander parlierenden Gruppe \u2013 &#8222;Ihr habt doch alle Dreck am Stecken!&#8220; \u2013 &#8222;Du und John Lennon! Vielleicht hast du den mit Johannes Heesters verwechselt!&#8220; \u2013 &#8222;Und wo finden wir diesen B\u00fcrgermeister?&#8220; \u2013 und sagte mit seiner wie stets stark melancholischen Stimme: &#8222;Der Fall ist gekl\u00e4rt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen verstummten abrupt. Svantje Butzbach sah ihren Kollegen misstrauisch an. Sie mochte keine M\u00e4nner, die kurz vor dem H\u00f6hepunkt der geschlechtlichen Vereinigung &#8222;Manfred, ich liebe dich!&#8220; in die Bettw\u00e4sche st\u00f6hnten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der Fall ist gekl\u00e4rt&#8220;, wiederholte Majakowski. &#8222;Das Opfer selbst hat uns den entscheidenden Hinweis gegeben. Und eigentlich h\u00e4tte ich es gleich wissen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen auch Sie, wer es war? Verraten Sie es uns! Bevor wir es Ihnen morgen verraten!<\/p>\n\n\n\n<p>Dale Patrick Rutherford<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich: Kurzratekrimi-Erfolgsautor Dale Patrick Rutherford pr\u00e4sentiert ein neues Ermittlerpaar mit geradezu tragisch-griechischem Potential. 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