{"id":21350,"date":"2008-11-07T08:21:56","date_gmt":"2008-11-07T08:21:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/11\/pentti-kirstilae-den-goettern-trotzt-man-nicht\/"},"modified":"2022-06-18T03:06:44","modified_gmt":"2022-06-18T01:06:44","slug":"pentti-kirstilae-den-goettern-trotzt-man-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/11\/pentti-kirstilae-den-goettern-trotzt-man-nicht\/","title":{"rendered":"Pentti Kirstil\u00e4: Den G\u00f6ttern trotzt man nicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Das ist der Fluch des hohen Niveaus. Wenn es mal nicht ganz so hoch ist, wird gleich die Nase ger\u00fcmpft, w\u00e4hrend man beim gew\u00f6hnlich Durchschnittlichen jede noch so kleine Steigerung wohlwollend begr\u00fc\u00dft. Pentti Kirstil\u00e4 unterh\u00e4lt uns stets auf hohem Niveau. Und ist das, wie in &#8222;Den G\u00f6ttern trotzt man nicht&#8220;, mal ein wenig schwankend, dann sagen wirs halt und f\u00fcgen hinzu: Aber lesenswert bleibt das allemal.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kommissar Lauri Hanhivaara macht Urlaub auf Sizilien. Nat\u00fcrlich verschl\u00e4gt es ihn unter lauter Finnen, was ihm gar nicht gef\u00e4llt. Merkw\u00fcrdige Burschen sind dabei, Pornoh\u00e4ndler, undurchsichtige Gesch\u00e4ftemacher und ein allerseltsamster Medizinstudent namens Aarno Piskonen, der von einem seiner Mitreisenden bestohlen wird und ihm deshalb vermittels allerhand neckischer Anspielungen auf &#8222;die Rache der Mafia&#8220; die H\u00f6lle hei\u00df macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas zu hei\u00df. Denn eines Morgens ist dieser Dieb tot \u2013 und Piskonen hat sich verkr\u00fcmmelt. Wieder in Finnland, nimmt sich Hanhivaara des Falles an, befragt und beobachtet Piskonen und den Rest der illustren Reisegesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00e4rke des Romans ist nat\u00fcrlich Hanhivaara selbst, ein Mann, den man am besten dadurch charakterisiert, dass er sich f\u00fcr die Menschen, f\u00fcr die er sich eigentlich nicht interessiert, ausgesprochen interessiert. Das ergibt einen sch\u00f6nen, mal lakonischen, mal resigniert philosophischen Blickwinkel, aus dem Hanhivaara die Welt betrachtet, seine Kollegen inklusive. Und geschrieben ist &#8222;Den G\u00f6ttern trotzt man nicht&#8220; wie immer 1-A \u2013 sein Alter (1981 erstver\u00f6ffentlicht) sieht man dem Werk nicht an, zeitlos nennt man so etwas, zu recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es fehlt etwas. Bei allen bisher ins Deutsche \u00fcbertragenen Titeln konnte man sicher sein, am Ende eine meist ziemlich b\u00f6se Pointe serviert zu bekommen, und so wartet man auch hier auf den finalen gro\u00dfen Clou. Allein: Er bleibt aus. Nun k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich sagen: Okay. Gerade dass er ausbleibt, macht diesen Clou diesmal aus. Eine \u00dcberpointe ex negativo. Jedoch: Auch der Fall selbst wartet nicht mit den \u00fcblichen kleinen Twists auf, er bleibt relativ konventionell und gradlinig, das Personal besitzt eine f\u00fcr Kirsil\u00e4s Verh\u00e4ltnisse unbefriedigende Eindimensionalit\u00e4t, einzig der kurze Auftritt von Piskonens Schwester, einer verhuschten Hysterikerin, ganz fl\u00fcchtig und doch tief mit Worten gezeichnet, \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun denn. Ein Lesevergn\u00fcgen ist das, siehe oben, dennoch. Mancheiner w\u00e4re froh, seine gelungensten Werke k\u00f6nnten sich mit den weniger gelungenen Kirstil\u00e4s messen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Pentti Kirstil\u00e4: Den G\u00f6ttern trotzt man nicht <br \/>(Jumalia ei uhmata, 1981, deutsch von Gabriele Schrey-Vasara). <br \/>Grafit 2008. 251 Seiten. 17,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der Fluch des hohen Niveaus. Wenn es mal nicht ganz so hoch ist, wird gleich die Nase ger\u00fcmpft, w\u00e4hrend man beim gew\u00f6hnlich Durchschnittlichen jede noch so kleine Steigerung wohlwollend begr\u00fc\u00dft. Pentti Kirstil\u00e4 unterh\u00e4lt uns stets auf hohem Niveau. 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