{"id":21405,"date":"2008-12-15T09:00:57","date_gmt":"2008-12-15T09:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/12\/eine-bestseller-strategie\/"},"modified":"2022-06-07T00:51:49","modified_gmt":"2022-06-06T22:51:49","slug":"eine-bestseller-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/12\/eine-bestseller-strategie\/","title":{"rendered":"Eine Bestseller &#8211; Strategie"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/cover\/ratekrimi.jpg\" alt=\"ratekrimi.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Endlich hat Bestseller-Kurzratekrimi-Autor Dale Patrick Rutherford das Flehen seiner Gemeinde erh\u00f6rt und eine legend\u00e4re Figur reanimiert, um sie in ihrem vertracktesten Fall durch die Welt des Verbrechens zu geleiten: Anna Beller! Wie immer wird sie von ihrem Assistenten Gunter Gras begleitet, dem Experten f\u00fcr das Eisenbahnwesen im Sachsen-Anhalt der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, dessen Fachwissen schon bei der Aufkl\u00e4rung so mancher Straftat von Nutzen war. <\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Interessiert betrachtete Anna Beller den fassungslosen Mann, der hinter einem m\u00e4chtigen Schreibtisch in einem gediegenen B\u00fcro sa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sie hei\u00dfen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Galvanus. Torsten Galvanus. Ich bin der Inhaber von LEICHENBUCH.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>LEICHENBUCH war der auf Kriminalliteratur spezialisierte Verlag, in dessen Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen vor kaum einer Stunde ein Toter aufgefunden worden war: der Genredeb\u00fctant Bruno de Korsela.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sie sind Kleinverleger?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Galvanus hob erstaunt sein ersch\u00fcttertes Haupt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Woher wissen Sie das?&#8220; fragte der kaum 1 Meter 60 gro\u00dfe Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es ist mein Beruf, vieles zu wissen&#8220;, antwortete Anna Beller. &#8222;Und jetzt erz\u00e4hlen Sie mir bitte der Reihe nach, was sich heute morgen gegen acht Uhr hier zugetragen hat.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Galvanus seufzte tief und r\u00e4usperte sich endlich.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eine delikate Geschichte, Frau Kommissarin. Der Tote \u2013 ich meine \u2013 Bruno de Korsela, als er noch nicht tot war \u2013 hat bei LEICHENBUCH seinen ersten Kriminalroman ver\u00f6ffentlicht. &#8222;H\u00e4nde weg von Dorothea&#8220;. Ein beeindruckendes, vielversprechendes Werk auf der H\u00f6he des Genres. Leider \u2013 Herr de Korsela hat kein Blatt vor den Mund genommen. Unter anderem hat er Herrn D\u00fcrkheimer&#8220; \u2013 Galvanus blickte kurz zu einem finster und starr in einem entfernten Sessel br\u00fctenden, elegant gekleideten Mittvierziger, der nun ein rhythmisches Kopfsch\u00fctteln begann \u2013 &#8222;hat er also Herrn D\u00fcrkheimer, einen der blendendsten Kritiker der Branche&#8220; \u2013 der so Titulierte ging vom Sch\u00fctteln des Kopfes in ein nicht weniger rhythmisches Nicken \u00fcber \u2013 &#8222;schwer beleidigt. Zum Beispiel als &#8212; Kriminutte und Intellektuellen.&#8220; D\u00fcrkheimer murmelte Unverst\u00e4ndliches in seinen durchaus vorhandenen, gepflegten 17-Tage-Bart.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nun, wie auch immer&#8220;, fuhr Galvanus fort, &#8222;wir haben uns hier bei mir getroffen, um die unsch\u00f6ne Sache im Rahmen eines geselligen Vers\u00f6hnungstermins aus der Welt zu schaffen. F\u00fcr acht Uhr waren wir verabredet. Herr D\u00fcrkheimer erschien p\u00fcnktlich, de Korsela zehn Minuten sp\u00e4ter. Bevor wir das Gespr\u00e4ch beginnen konnten, verlie\u00df de Korsela das Zimmer. Wir warteten. F\u00fcnf Minuten. Herr D\u00fcrkheimer nutzte die Wartezeit zur Frequentierung unserer Toilettenr\u00e4ume. Ich selbst begab mich auf die Suche nach Herrn de Korsela. Als ich vor der T\u00fcr unseres Gemeinschaftsraumes stand \u2013 meine Sekret\u00e4rin, Frau Neufang und ich nehmen dort unsere Mahlzeiten ein -, gab es hinter dieser T\u00fcr pl\u00f6tzlich einen furchtbaren Knall. Ich stand wie erstarrt, bis Herr D\u00fcrkheimer neben mir stand und fragte, was das eben gewesen sei. Wir \u00f6ffneten die T\u00fcr und fanden Herrn de Korsela in seinem Blut. Er hielt eine Pistole in der Hand, mit der er sich in den Kopf geschossen hatte.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Beller nickte und wandte sich D\u00fcrkheimer zu.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;K\u00f6nnen Sie das best\u00e4tigen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch D\u00fcrkheimer nickte. Sagte aber nichts. Anna Beller stellte ein Paar neue Fragen in den Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;K\u00f6nnen Sie sich ein Motiv f\u00fcr diese Tat vorstellen? Herr Galvanus? Herr D\u00fcrkheimer?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der zuerst angesprochene seufzte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich bef\u00fcrchte&#8230; also&#8230; es ist so. Trotz seiner unbestreitbaren Qualit\u00e4ten hat sich &#8222;H\u00e4nde weg von Dorothea&#8220; bislang nicht als Verkaufserfolg herausgestellt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrkheimer lachte auf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;In unseren Kreisen hei\u00dft das Buch &#8222;H\u00e4nde weg von diesem Schei\u00dfdreck&#8220;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann versank er wieder in Schweigen und rhythmisches Kopfnicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Galvanus seufzte abermals.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was sollten wir tun? Wir sind, wie Sie richtig sagten, ein Kleinverlag. Unsere Mittel sind begrenzt. Ich schlug \u2013 bei einer kleinen Feier, es flo\u00df, wie ich zu meiner Entschuldigung sagen muss, viel Alkohol \u2013 vor, Herr de Korsela solle sich erschie\u00dfen, damit er in die Zeitung kommt. Es gibt keine bessere Werbung. Es war ein schlechter Scherz, ich wei\u00df. Ich konnte doch nicht ahnen, dass&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr Galvanus&#8220;; mischte sich D\u00fcrkheimer ein, &#8222;ist der irrigen Meinung, Kritiker w\u00fcrden keine toten Autoren verrei\u00dfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Mag sein&#8220;, sagte Galvanus, &#8222;und de Korsela antwortete auch, bei seinem Pech k\u00e4me er nicht mal in die Zeitung, sondern h\u00f6chstens auf die Bestenliste.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Beller hatte sich inzwischen dem B\u00fccherregal gen\u00e4hert, in dem die Gesamtproduktion von LEICHENBUCH aufgereiht war. Ein Werk mit grauen Cover, auf dem sich zwei M\u00e4nner die H\u00e4nde sch\u00fctteln, erregte ihr Interesse. Galvanus war dies nicht entgangen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Auch so ein Fall&#8220;, sagte er. &#8222;Dieses hoch artifizielle Werk lag ebenfalls wie Blei in den Regalen. Bis sich der Autor entschloss, als Krawallschachtel der Krimiszene aufzutreten. Jetzt verkauft es sich wie geschnitten Brot, der Autor tritt sogar zu \u00f6ffentlichen Schlammringk\u00e4mpfen mit \u00e4lteren Kritikern oder wahlweise barbusigen Nacktt\u00e4nzerinnen an.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt seufzte die Beller.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr D\u00fcrkheimer, warum tragen Sie eigentlich Handschuhe? Mitten im Juli?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrkheimer schaute \u00fcberrascht auf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist mein pers\u00f6nlicher Stil. Man muss sich absetzen in dieser Branche.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gibt es eigentlich einen zweiten Zugang zum Gemeinschaftsraum, in dem sich der Autor&#8230;?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Galvanus nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja. Er f\u00fchrt auf den Flur, gegen\u00fcber ist das Badezimmer.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrkheimer lachte wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wollen Sie etwa sagen, dass ich? Warum? Ich hatte doch&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Eintritt von Kriminalhauptsekret\u00e4r Gunter Gras unterbrach D\u00fcrkheimer.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Herr Galvanus? Drau\u00dfen ist ein Spediteur. Er fragt, was er mit den B\u00fcchern in seinen drei LKWs machen soll. Das Lager ist zu klein daf\u00fcr&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Galvanus seufzte so tief wie nie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ach, das hatte ich ganz vergessen. Eine Ladung von &#8222;H\u00e4nde weg von Dorothea&#8220;. Welche Tragik! Gerade jetzt&#8230; Wenn Sie mich f\u00fcr einen Moment&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Beller winkte ab.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Schon gut. Machen Sie nur. Der Fall ist gel\u00f6st.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ist der M\u00f6rder? Galvanus oder D\u00fcrkheimer? Oder ganz jemand anderes? Oder war es doch Selbstmord? LeserIn, \u00fcbernehmen Sie! Und begr\u00fcnden Sie gef\u00e4lligst Ihre L\u00f6sung!<\/p>\n\n\n\n<p>Dale Patrick Rutherford<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich hat Bestseller-Kurzratekrimi-Autor Dale Patrick Rutherford das Flehen seiner Gemeinde erh\u00f6rt und eine legend\u00e4re Figur reanimiert, um sie in ihrem vertracktesten Fall durch die Welt des Verbrechens zu geleiten: Anna Beller! Wie immer wird sie von ihrem Assistenten Gunter Gras begleitet, dem Experten f\u00fcr das Eisenbahnwesen im Sachsen-Anhalt der 70er Jahre des 19. 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