{"id":21407,"date":"2008-12-16T08:26:00","date_gmt":"2008-12-16T08:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/12\/carl-hiaasen-striptease\/"},"modified":"2022-06-12T23:43:30","modified_gmt":"2022-06-12T21:43:30","slug":"carl-hiaasen-striptease","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2008\/12\/carl-hiaasen-striptease\/","title":{"rendered":"Carl Hiaasen: Striptease"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit seinen \u00fcber 500 Seiten ist &#8222;Striptease&#8220; ein l\u00e4ngliches Vergn\u00fcgen. Aber wir winken es trotzdem durch; denn das Vergn\u00fcgen obsiegt am Ende doch \u00fcber das L\u00e4ngliche.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Carl Hiaasen eben und eine seiner opulenten, vielstr\u00e4ngigen Stories. Ein Sexschuppen namens &#8222;Eager Beaver&#8220;, in dem nackt getanzt wird. Ein Kongre\u00dfabgeordneter, der sich gehen l\u00e4sst, einen anderen Gast krankenhausreif pr\u00fcgelt, dabei erkannt und fotografiert und \u2013 logisch \u2013 erpresst wird, eine T\u00e4nzerin im Clinch mit ihrem Ex, der sich das Sorgerecht f\u00fcr die gemeinsame Tochter ergaunert hat und mit ihr seinem Gewerbe \u2013 dem Diebstahl von Rollst\u00fchlen \u2013 nachgeht, ein gigantischer Rausschmei\u00dfer namens Shad, dessen Sinnen und Trachten es ist, Kakerlaken in Yoghurt zu versenken, darob ein seelisches Trauma zu erleiden und die Herstellerfirma abzuzocken. Ein edler Detective mit Vorzeigefamilie, r\u00fccksichtslose Politikerberater, gewissenlose Zuckerbarone, viel Korruption und noch mehr verquere Liebe. Und selbstverst\u00e4ndlich kaum ein Absatz ohne Gag. Nicht feinsinnig-ironisch, nein, knallhart witzig. Carl Hiaasen, wie man ihn kennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau: Wie man ihn kennt. Wer auch nur ein Buch von Hiaasen gelesen hat, wird sich \u00fcber den Wiedererkennungswert freuen und gleichzeitig fragen, warum er sich das noch mal \u00fcber 500 Seiten antun soll. Vielleicht, weil es sich so gut liest? Oder weil Hiaasen das Scherzen ja nicht um des Scherzens willen betreibt? Weil er die Florida-Gesellschaft brutal seziert und drastisch \u00fcberzeichnet, das wohl in einigen Punkten tats\u00e4chlich merkw\u00fcrdige Rechtssystem der USA anprangert, die Untriebe der Politik, in der Volks- vor allem Interessensvertreter der Besitzenden sind, beim Namen nennt? Auf die gigantischen Umweltverschmutzungen hinweist, gegen die anzuk\u00e4mpfen schon deshalb sinnlos scheint, weil, siehe oben, die Interessen der Verschmutzer von den M\u00e4chtigen unterst\u00fctzt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Das wissen wir doch alles. Mag sein. Aber es soll Menschen geben, die es eben noch nicht wissen. Und die auch kaum eine wissenschaftliche Studie zur Hand nehmen, sondern, wenn \u00fcberhaupt, einen Kriminalroman, in dem &#8222;Muschis&#8220; und &#8222;Titten&#8220; nicht nur sexuell stimulieren k\u00f6nnen. Manchmal dienen sie sogar der gesellschaftlichen Aufkl\u00e4rung. Und Oben-Ohne-Ringk\u00e4mpfe in s\u00fc\u00dfem Mais mit Schlagsahne oder Nudeln, die nicht al dente sind, das ist doch ein sch\u00f6nes Bild kultureller Istzust\u00e4nde nicht nur in Neu-Obama-Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: F\u00fcr die einen ist es erhellend, f\u00fcr die anderen einfach nur krachend lustig. Kenner bewundern zum wiederholten Male Hiaasens Talent, aberwitziges Personal durch souver\u00e4n gestrickte Stories zu jagen, ohne dass die Dramaturgie dabei kollabiert. Und die Gagdichte ist, wie gesagt, enorm. Auch das muss man beherrschen. Hiaasen tuts.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Carl Hiaasen: Striptease. <br \/>Goldmann 2008 (Strip Tease, 1993, deutsch von Michael Kubiak). <br \/>526 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seinen \u00fcber 500 Seiten ist &#8222;Striptease&#8220; ein l\u00e4ngliches Vergn\u00fcgen. 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