{"id":21462,"date":"2009-01-29T07:57:34","date_gmt":"2009-01-29T07:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/01\/frank-goyke-altweibersommer\/"},"modified":"2022-06-13T02:26:36","modified_gmt":"2022-06-13T00:26:36","slug":"frank-goyke-altweibersommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/01\/frank-goyke-altweibersommer\/","title":{"rendered":"Frank Goyke: Altweibersommer"},"content":{"rendered":"\n<p>Theodor Fontane ermittelt. So, so. Nicht mehr ganz jung, die gro\u00dfen Romane noch ungeschrieben, mit journalistischen Brotarbeiten h\u00e4lt er sich und seine Familie \u00fcber Wasser. Auf einer Recherchereise durch die Mark Brandenburg wird er pl\u00f6tzlich mit dem Tod eines alten Bekannten konfrontiert. Der, einst Arbeitskollege Fontanes, hat es zum Immobilienking und eingeheirateten Adligen gebracht und liegt jetzt mit zerfetztem Kopf in einer Wildschweinkuhle. Selbstmord? Sieht so aus, denn die Gesch\u00e4fte des Herrn standen vor dem Bankrott. Und Fontane? Der zweifelt an der Selbstmordthese, wie auch anders in einem Kriminalroman, und, siehe oben, ermittelt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Okay; Edgar Poe haben sie ja auch schon zum Ermittler gemacht, desgleichen Arthur Conan Doyle, demn\u00e4chst d\u00fcrfte Friedrich Glauser unter die Detektive fallen. Warum also nicht zur Abwechslung mal Theodor Fontane, Autor von &#8222;Unterm Birnbaum&#8220;, jener klassischen Kriminalnovelle, aus der f\u00fcr manchen die gesamte Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts zu bestehen scheint, von der &#8222;Judenbuche&#8220; und dem &#8222;Fr\u00e4ulein von Scuderi&#8220; einmal abgesehen. Und wenn sich mit Frank Goyke ein durchaus routinierter Autor der Aufgabe annimmt, kann nichts schiefgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht auch nicht. &#8222;Altweibersommer&#8220; ist ein nach bew\u00e4hrten Mustern gestrickter Roman, dem Herrn Fontane wird ein \u00e4u\u00dferst hilfsbereiter Kommissar beigegeben, zusammen ist man bem\u00fcht, Licht ins Dunkel zu bringen. S\u00e4mtliche Beteiligten werden abgegrast, gute Gelegenheit f\u00fcr Goyke, uns mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten des jungen deutschen Kaiserreichs von 1873 bekannt zu machen. Wir verkehren in h\u00f6heren Kreisen ebenso wie im nackten Elend der Berliner Slums, werden Zeuge, wie eine Immobilienblase platzt (da hat der Autor nat\u00fcrlich, was den Bezug zur Gegenwart anbelangt, furchtbar Gl\u00fcck gehabt) und erhalten nebenher Einblicke in das Leben eines Dichters, bevor er als solcher anerkannt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur das. Weiteres historisches Personal von Gewicht darf mitspielen. Der Maler Adolph Menzel etwa, dem es obliegt, &#8222;Fahnungsfotos&#8220; zu zeichnen. Und der weltber\u00fchmte Mediziner Rudolf Virchow, der die Leiche des Opfers obduziert und feststellt: Es war Mord! Schreiben kann Goyke ohnehin. Er \u00fcbertreibt es nicht mit den Fakten und versteht es, sie beil\u00e4ufig in die Geschichte einzuschmuggeln. Gut, ein &#8222;Thriller&#8220; ist das nicht gerade. Die Spannung h\u00e4lt sich in Grenzen, wer warum, das ist die gro\u00dfe Frage. Sie wird ohne gr\u00f6\u00dferes \u00dcberraschungsmoment zuverl\u00e4ssig von Fontane und der ihm beigegebenen Polizei beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Altweibersommer&#8220;: eine h\u00fcbsche Lekt\u00fcre, wenn einem die dunklen Abgr\u00fcnde, in die Kriminalliteratur ansonsten ihr N\u00e4schen steckt, f\u00fcr ein paar Tage zuwider sind, wenn\u2019s zur Abwechselung mal was Historisch-Regionales sein darf. Harmlos. Na und? Nett eben. Wird fortgesetzt, versteht sich.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Frank Goyke: Altweibersommer. Theodor Fontanes erster Fall. <br \/>berlin.krimi.verlag (Bebra) 2008. 268 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theodor Fontane ermittelt. So, so. Nicht mehr ganz jung, die gro\u00dfen Romane noch ungeschrieben, mit journalistischen Brotarbeiten h\u00e4lt er sich und seine Familie \u00fcber Wasser. Auf einer Recherchereise durch die Mark Brandenburg wird er pl\u00f6tzlich mit dem Tod eines alten Bekannten konfrontiert. 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