{"id":21472,"date":"2009-02-04T08:29:32","date_gmt":"2009-02-04T08:29:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/02\/kerstin-rech-hotel-excelsior\/"},"modified":"2022-06-18T03:04:16","modified_gmt":"2022-06-18T01:04:16","slug":"kerstin-rech-hotel-excelsior","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/02\/kerstin-rech-hotel-excelsior\/","title":{"rendered":"Kerstin Rech: Hotel Excelsior"},"content":{"rendered":"\n<p>Kerstin Rech schreibt ihre Kriminalromane, m\u00fcsste man es n\u00fcchtern formulieren, unter Einbeziehung der Mythologie des l\u00e4ndlichen saarl\u00e4ndischen Raums. Das kann sie. F\u00fcr ihr neuestes Werk, &#8222;Hotel Excelsior&#8220;, hat sie sich einem historisch handfesteren Sujet zugewandt, der Saarabstimmung von 1935.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am Vorabend dieses wahrhaft schicksalhaften Ereignisses, im November 1934, betreten wir das legend\u00e4re Saarbr\u00fccker Hotel Excelsior und sind mittendrin in den menschlichen wie zeitgeschichtlichen Turbulenzen. Internationale Beobachter, franz\u00f6sische Besatzer und f\u00fcr die kommende Hitlerei pr\u00e4chtig pr\u00e4parierte Provinzf\u00fcrsten samt kriechendem Anhang sitzen feiernd im Festsaal, von servilen Kellnern umschwirrt. Heiner Lawall, der Oberkellner, wird sich gleich in den Hinterhof des Hotels gegeben, um eine zu rauchen. Seine letzte. Denn jemand tritt aus dem Dunkel und erschl\u00e4gt ihn mit einer Eisenstange. Die Geschichten nehmen ihren Lauf. Die Saar wird, mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit, deutsch, der Mordfall unterdr\u00fcckt, es k\u00f6nnte n\u00e4mlich eine nazifaschistische Eisenstange gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Kerstin Rech schreibt diese Exposition markant und plausibel, wenn auch historisch einseitig, was ihr aber nicht anzulasten ist. In Wirklichkeit war die erste Saarabstimmung mit ihrer Propaganda sehr viel komplexer, wer Hitler w\u00e4hlte, glaubte &#8222;die deutsche Mutter&#8220; zu w\u00e4hlen, das Elend der zerstrittenen Opposition tat das ihrige, der soziale Druck war enorm. Dar\u00fcber sind dicke B\u00fccher geschrieben worden, ein d\u00fcnner Krimi kann davon immer nur die f\u00fcr ihn unabdingbaren Segmente berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitsprung, Jetztzeit. Die alte Mordgeschichte wird pl\u00f6tzlich wieder aktuell, als der Sohn des Ermordeten ein detektivisches Geschwisterpaar beauftragt, den Fall zu untersuchen. Ein ehemaliges Dienstm\u00e4dchen des &#8222;Excelsior&#8220; glaubt zu wissen, wer der M\u00f6rder ist. Leider stirbt die alte Dame, ohne ihr Wissen preisgeben zu k\u00f6nnen. Ihr Neffe lebt jetzt in der Wohnung, er ist, so ein Zufall, Kriminalbeamter, den pers\u00f6nliches Schicksal (die Tochter wurde ihm ermordet) aus Stuttgart nach Saarbr\u00fccken gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Tochter ermordet? Oh, oh. Aber keine Bange. Kerstin Rech wird diesen Umstand nutzen, dem Fall eine \u00fcberraschende Wendung zu geben, denn aus dem Fall werden pl\u00f6tzlich zwei. Dass uns die Autorin am Ende noch eine lange Nase dreht, ist auch recht artig.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit das Positive. Einmal, als ein sch\u00f6ner Innenhof &#8222;zum Verweilen einlud&#8220;, hat der Leser aufgest\u00f6hnt. Diese Formulierungen liest er jede Woche in seinem regionalen Anzeigenbl\u00e4ttchen, dort m\u00f6gen sie hingeh\u00f6ren, jedoch nicht in einen Krimi. Ist aber eine Petitesse. Gewichtiger etwas anderes, etwas beinahe Kerstin-Rech-Spezifisches: Sie spart an den W\u00f6rtern. Gerade dort n\u00e4mlich, wo die Geschichte kippt, tut sie das ein wenig zu \u00fcberraschend, um wirklich zu \u00fcberraschen. Das und anderes (etwa das recht holzschnittartige Ermittlergeschwisterpaar) h\u00e4tte mehr Hinf\u00fchrung gebraucht, drei\u00dfig bis vierzig Seiten, die der Verlag seiner Autorin gewiss nicht verweigert h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber, wie gesagt, ein besonderes Kerstin-Rech-Problem, wir kennen es aus den Vorg\u00e4ngerromanen. Kriegt sie das in den Griff, werden es ihr die B\u00fccher danken. Ein etwas l\u00e4ngerer Erz\u00e4hlatem also. Potential ist gen\u00fcgend vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kerstin Rech: Hotel Excelsior. <br \/>Conte Verlag 2008. 231 Seiten. 11,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kerstin Rech schreibt ihre Kriminalromane, m\u00fcsste man es n\u00fcchtern formulieren, unter Einbeziehung der Mythologie des l\u00e4ndlichen saarl\u00e4ndischen Raums. Das kann sie. 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