{"id":21490,"date":"2009-02-11T08:09:39","date_gmt":"2009-02-11T08:09:39","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/02\/stefan-mani-das-schiff\/"},"modified":"2022-06-18T03:03:17","modified_gmt":"2022-06-18T01:03:17","slug":"stefan-mani-das-schiff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/02\/stefan-mani-das-schiff\/","title":{"rendered":"Stef\u00e1n M\u00e1ni: Das Schiff"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine isl\u00e4ndische Schiffsbesatzung kurz vor dem Auslaufen nach Surinam, wo Rohstoffe f\u00fcr die Aluminiumindustrie geladen werden sollen. Einer aus der Mannschaft bringt seine Frau um. Ein anderer f\u00fcrchtet um das Leben seiner Familie, das von Schuldeneintreibern bedroht wird. Andere planen eine Meuterei, weil sie am Ende der Reise entlassen werden sollen. Selbst der Kapit\u00e4n steht vor existentiellen Problemen. Und dann erscheint auch noch der leibhaftige Satan an Bord&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Stef\u00e1n M\u00e1nis Buch &#8222;Das Schiff&#8220; hat zwar 2007 den Isl\u00e4ndischen Krimipreis gewonnen, ist aber kein Krimi gewohnter nordischer Machart. Wohl nutzt der Autor s\u00e4mtliche Versatzst\u00fccke und Spannungstechniken \u2013 sehr gekonnt, \u00fcbrigens -, seine Dramaturgie indes folgt einer anderen Maxime: Zeige, wie Menschen, die von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten sind und allein mit ihren Obsessionen und \u00c4ngsten, reagieren. Mische dem allem das personifizierte B\u00f6se bei und beobachte die Reaktionen der Beteiligten. Eine Versuchsanordnung. Und sie gelingt pr\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir begleiten das Schiff auf seiner Fahrt durch den Atlantik. Die M\u00e4nner, wie gesagt, werden von Angst aufgefressen, die Bedrohungen lauern \u00fcberall. Durch eine ungl\u00fcckliche Verwechslung ist auch ein Gangster unter sie geraten, ein Gangster, der sich &#8222;Satan&#8220; nennt und als Inbegriff des B\u00f6sen agieren wird. Die See ist st\u00fcrmisch, das Schiff st\u00e4ndig in Bedr\u00e4ngnis, Sabotage legt Radar und Funk lahm, keine Verbindung mehr zur Au\u00dfenwelt. Die vor lauter Angst panisch gewordenen M\u00e4nner tun Dinge, die alles nur noch verschlimmern, mitten drin &#8222;Satan&#8220;, das B\u00f6se in einer \u00e4u\u00dferst ambivalenten Rolle. Er ist Bedrohung und St\u00fctze zu gleich, als Piraten das Schiff entern wollen, wird er gar zum Retter.<\/p>\n\n\n\n<p>Surinam wird man nicht erreichen, das steht fest. Das Schiff, man\u00f6vrierunf\u00e4hig geworden, die Mannschaft dezimiert, ergibt sich der Macht des Meeres und treibt nach S\u00fcden ab. Was nahe der Arktis begann, endet in der Antarktis. Nicht nur diese geografische \u00dcbereinstimmung erinnert beim Lesen von &#8222;Das Schiff&#8220; an einen anderen gro\u00dfen Seeroman, Edgar Poes &#8222;Arthur Gordon Pym&#8220;. Hier wie dort begeben sich bedrohte Personen, denen die Angst aus allen Poren schwitzt, in die Hand der \u00fcberm\u00e4chtigen Elemente. Gleich zu Anfang hat sie M\u00e1ni darauf reduziert, blo\u00df noch auf die Gefahren reagieren zu k\u00f6nnen, das B\u00f6se zu f\u00fcrchten, zugleich aber, wenn es n\u00f6tig wird, mit ihm zu paktieren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das Schiff&#8220; setzt diese Konzeption, die sehr leicht auch als h\u00f6lzernes Konstrukt unter seinem Anspruch zusammenfallen k\u00f6nnte, mit viel handwerklichem Geschick und hoher Intensit\u00e4t um. Sympathisches Personal gibt es nicht, ja, wer es dringend ben\u00f6tigt, wird sich wohl oder \u00fcbel an &#8222;Satan&#8220; pers\u00f6nlich halten m\u00fcssen. Eine intime, mitrei\u00dfende Studie von Angst ist das geworden \u2013 und der Beweis, dass Krimi zu allem M\u00f6glichen taugt, wenn man seine Kunst beherrscht.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Stef\u00e1n M\u00e1ni: Das Schiff. Ullstein 2009 <br \/>(Skipi\u03b4, 2006. Deutsch von Tina Flecken). 412 Seiten. 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine isl\u00e4ndische Schiffsbesatzung kurz vor dem Auslaufen nach Surinam, wo Rohstoffe f\u00fcr die Aluminiumindustrie geladen werden sollen. Einer aus der Mannschaft bringt seine Frau um. Ein anderer f\u00fcrchtet um das Leben seiner Familie, das von Schuldeneintreibern bedroht wird. Andere planen eine Meuterei, weil sie am Ende der Reise entlassen werden sollen. 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