{"id":21493,"date":"2011-06-15T09:18:01","date_gmt":"2011-06-15T09:18:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/06\/herbert-dutzler-letzter-kirtag\/"},"modified":"2022-06-17T21:14:07","modified_gmt":"2022-06-17T19:14:07","slug":"herbert-dutzler-letzter-kirtag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/06\/herbert-dutzler-letzter-kirtag\/","title":{"rendered":"Herbert Dutzler: Letzter Kirtag"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"300\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left; margin: 0 20px 20px 0;\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2011\/cover\/dutzler.jpg\" alt=\"dutzler.jpg\"\/> Nach einer Reihe eher unlustiger, daf\u00fcr aber bek\u00f6mmlicher B\u00fccher sollte es diesmal etwas Leichtes sein. Weg vom amerikanischen Noir, hin zum \u00f6sterreichischen Schm\u00e4h. W\u00e4hrend des Kirchweihfestes, titelgebend \u201eKirtag\u201c genannt, wird in Altaussee ein Mann erstochen. Gendarm Gasperlmaier, der den Toten entdeckt hat, macht sogleich einen schweren Fehler und schafft die Leiche aus dem Festzelt ins Pissoir, denn auch im Lande der Lederhosen und Dirndl muss die Show weitergehen, sprich der Gerstensaft ungest\u00f6rt von polizeilichen Ermittlungen flie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bereits nach wenigen Seiten ist die Richtung dieses Romans also klar. Ein T\u00f6lpel von Polizist m\u00e4andert durch eine launige Geschichte, allerhand folkloristisches Personal in mehr oder weniger grenzdebilem Zustand wird den Weg der Lesenden kreuzen, es wird nicht bei einem Mord bleiben, eine Aufl\u00f6sung ist garantiert und Gasperlmaier eine sichere Serienfigur.<br \/>\u00dcberhaupt dieser Gasperlmaier. Ja doch, er ist ein T\u00f6lpel, der, das Wortspiel sei gestattet, in Altaussee ziemlich alt aussieht. Seiner Chefin, der Frau Doktor, schaut er mit schlechtem Gewissen und halbl\u00fcstern in den Ausschnitt, seine Gemahlin zieht ihn aber immer wieder auf den Boden der praktischen Vernunft zur\u00fcck. Im Ausseer Land wird heftig gemauselt, die Presse ist aggressiv und die Verd\u00e4chtigen sind \u00e4u\u00dferst verd\u00e4chtig, immer wieder schweift Gasperlmaier gedanklich ab, immer wieder kommen ihm offenherzige Damen in die Quere, aber das Bier und die Wurst schmecken trotzdem. Wie klingt das? Wie arschverkniffener deutscher Krimistandardhumor, wenn die Idiotisierung des Protagonisten nur noch dazu dient, die Idiotisierung des Lesepublikums voranzutreiben. Aber vor diesem Verdacht muss man den Autor Dotzler in Schutz nehmen: Sein Gasperlmaier agiert zwar als komische, durchaus aber nicht als l\u00e4cherliche Figur. Und hinter all den heiteren Episoden versteckt sich eher Trauriges, die allm\u00e4hliche Vervolkst\u00fcmlichung einer Kulturlandschaft zum Beispiel oder die Br\u00fcchigkeit von Familienverh\u00e4ltnissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit aber des Tiefsinnigen schon genug w\u00e4re. Dutzler hat einen unterhaltsamen Krimi geschrieben, mit der \u00fcblichen Ladung Fragezeichen ausgestattet, einen \u201eErmittlerthriller\u201c, der eher tragisch endet, aber nicht hoffnungslos. Sprachlich gibt es nichts zu beanstanden, es sei denn, man ist f\u00fcr das Kurze und Knappe, aber dann ist man beim \u00d6sterreichkrimi eh auf der falschen Veranstaltung. Alle anderen k\u00f6nnen sich ins gro\u00dfe Festzelt setzen, ihr Quantum Krimi genie\u00dfen und hernach wieder zu ernsthafterer Kriminalliteratur zur\u00fcckwanken. Muss auch mal sein.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Herbert Dutzler: Letzter Kirtag. Ein Altaussee-Krimi. <br \/>Haymon 2011. 262 Seiten. 9,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Reihe eher unlustiger, daf\u00fcr aber bek\u00f6mmlicher B\u00fccher sollte es diesmal etwas Leichtes sein. Weg vom amerikanischen Noir, hin zum \u00f6sterreichischen Schm\u00e4h. W\u00e4hrend des Kirchweihfestes, titelgebend \u201eKirtag\u201c genannt, wird in Altaussee ein Mann erstochen. 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