{"id":21544,"date":"2009-03-13T07:46:58","date_gmt":"2009-03-13T07:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/fuenf-todsuenden-beim-verfassen-von-kriminalromanen\/"},"modified":"2022-06-05T22:42:04","modified_gmt":"2022-06-05T20:42:04","slug":"fuenf-todsuenden-beim-verfassen-von-kriminalromanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/fuenf-todsuenden-beim-verfassen-von-kriminalromanen\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Tods\u00fcnden beim Verfassen von Kriminalromanen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wtd m\u00f6chte, dass Sie Erfolg haben. Ja, SIE! Eine aufstrebende, momentan im Umgang mit dem Business noch recht unerfahrene Fachkraft auf dem schl\u00fcpfrigen Terrain der Spannungsliteratur. Was gibt es zu beachten? Vor allem: Welches sind die DONT&#8217;S des Gewerbes, jene Fehler, die die Chancen auf eine Verlagsver\u00f6ffentlichung mit einem Schlag zunichte machen k\u00f6nnen? Wtd kennt sie. Und wtd nennt sie. Schonungslos. F\u00fcnf Tods\u00fcnden in aufsteigender Linie, vom katastrophalen Faux Pas bis zum endg\u00fcltigen Aus f\u00fcr alle Ihre Hoffnungen und Ambitionen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>5. Sie belassen es bei EINEM Mord.<\/strong><br \/>Oh, oh. Ein Mord nur? Und der m\u00f6glicherweise schon auf den ersten zehn Seiten? Und wie wollen Sie Ihre Leser auf den restlichen 280 bei der Stange halten? Selbst wenn Sie l\u00e4ngst erkannt haben, dass Serienm\u00f6rder total out sind, sollten Sie Ihren Text mit dem einen oder anderen Bonusmord aufp\u00e4ppeln. Er kann v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig sein \u2013 macht nichts. Legen Sie irgend eine Ihrer Figuren \u2013 am besten die, die Ihnen am wenigsten gelungen ist \u2013 z.B. auf Seite 120 h\u00fcbsch drapiert in eine Blutlache, lassen Sie Ihre Heldin, Ihren Helden sinnierend drum herum schleichen. LektorInnen m\u00f6gen das. Weil LeserInnen es m\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Sie schreiben aus zu vielen Perspektiven. <\/strong><br \/>Das verwirrt nur, glauben Sie uns. Da war f\u00fcnf Seiten lang von Frau Meier die Rede \u2013 und pl\u00f6tzlich erscheint f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Herr M\u00fcller. H\u00e4? Wer soll das auseinanderhalten? Schreiben Sie also lieber aus EINER, dritte Person Singular. Nicht &#8222;ich&#8220; sagen! Sonst meint Ihre Leserin, Ihr Leser am Ende noch, sie \/ er w\u00e4re gemeint! Und das kann ganz sch\u00f6n verwirren! Ihre Lektorin sch\u00fcttelt fassungslos den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Sie arbeiten mit Sprache. <\/strong><br \/>Nun, werden Sie einwenden, mit was arbeitet man sonst beim Schreiben? Antwort: Mit sprachlichen Gleitmitteln. Ohne Sprache, das ist richtig, w\u00fcrde Ihr Text nicht funktionieren. Aber es geht ja nicht um den TEXT, es geht um seinen INHALT. Sie haben etwas zu sagen, das Ihnen seit Jahren derart auf dem Herzen liegt, dass es beinahe unter Ihren Fu\u00dfn\u00e4geln brennt, etwas, auf das die Menschheit seit Urzeiten wartet. Zum Beispiel, dass der nette Herr Schr\u00f6der aus dem dritten Stock in seiner Freizeit kleine Kinder sch\u00e4ndet und diese, fein zerteilt, dann im Stadtpark ablegt. Das ist DIE BOTSCHAFT! Damit sie r\u00fcberkommt, muss sie ins Bewusstsein der Leserschaft flutschen wie ein mit Vaseline&#8230; nun, lassen wir das. Sie wissen, wovon hier die Rede ist. Also k\u00fcmmern Sie sich bitte nicht um korrekte, gar literarisch relevante Sprache. Schmieren Sie das, was Sie sagen wollen, einfach mit den \u00fcblichen \u00f6ligen Worth\u00fclsen zu und hoffen Sie, dass das Loch im Kopf Ihrer Leserschaft, in welches Ihr so pr\u00e4parierter Text geschoben werden soll, gro\u00df genug ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Ihre Protagonistin \/ Ihr Protagonist ist unsympathisch.<\/strong><br \/>Wenn Sie nicht zuf\u00e4llig Patricia Highsmith hei\u00dfen oder sich damit begn\u00fcgen, f\u00fcr die winzige Kaufgemeinschaft der Noir- und \/ oder Hardboiledleser zu schreiben, sollten Sie Ihre Heldin \/ Ihren Helden mit all den Eigenschaften ausstatten, die auch Ihre werte potentielle Leserschaft gerne ihr Eigen nennen w\u00fcrde resp. glaubt, sie in hohem Ma\u00dfe zu besitzen. Also: Intelligenz, Unbestechlichkeit, Witz, gewaltige K\u00f6rperkr\u00e4fte, sexuelle Ausstrahlung, ein schweres Kindheitstrauma, verzogene Nachkommen. Um nur die wichtigsten zu nennen. Sich mit der Hauptperson identifizieren zu k\u00f6nnen, nur aus diesem Grund werden B\u00fccher gelesen. Glauben Sie Ihrem Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Ihr Krimi endet nicht mit einer Aufl\u00f6sung.<\/strong><br \/>Das Allerschlimmste. Aus, Schluss, vorbei, legen Sie Ihr Manuskript sofort in die Schublade eines Schrankes, den Sie sowieso schon immer dem Sperrm\u00fcll \u00fcberlassen wollten und tun Sie das. Aus Ihnen wird niemals ein n\u00fctzliches Glied der deutschen Krimiinnung. Keine Aufl\u00f6sung! Die Lektorin, der Lektor wird sich \u00fcbergeben m\u00fcssen! Das ist wie ein Kreuzwortr\u00e4tsel, das am Ende nicht aufgeht, wie ein Leben, das nicht mit dem Tod endet, wie ein Tod, der nicht in sofortige Wiederauferstehung \u2013 wie von der Kirche vorausgesagt \u2013 m\u00fcndet. Sinnlos vertane Zeit. Schade. Dabei h\u00e4tte Ihr Krimi ein Klassiker des Genres werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wtd m\u00f6chte, dass Sie Erfolg haben. Ja, SIE! Eine aufstrebende, momentan im Umgang mit dem Business noch recht unerfahrene Fachkraft auf dem schl\u00fcpfrigen Terrain der Spannungsliteratur. Was gibt es zu beachten? 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