{"id":21551,"date":"2009-03-19T07:00:31","date_gmt":"2009-03-19T07:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/friedhelm-werremeier-trimmels-letzter-fall\/"},"modified":"2022-06-18T02:56:02","modified_gmt":"2022-06-18T00:56:02","slug":"friedhelm-werremeier-trimmels-letzter-fall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/friedhelm-werremeier-trimmels-letzter-fall\/","title":{"rendered":"Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall"},"content":{"rendered":"\n<p>Ja, heiliger Bimbam, was ist denn DAS? Entweder schludrigst aus dem Krimistall gegabelter Mist oder das Durchtriebenste, was es an &#8222;Dekonstruktion&#8220; \/ &#8222;Metakrimi&#8220; nur geben kann. Also was nun? Das liegt, wie fast alles, im Auge des Betrachters.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Tasten wir uns unvoreingenommen in diesen Roman, obwohl das nat\u00fcrlich kaum m\u00f6glich sein d\u00fcrfte. Schlie\u00dflich ist dieser Trimmel, dessen letzten Fall uns Friedhelm Werremeier hier nach langer Pause kredenzt, eine Legende, Fernsehmythos, ein im wahrsten Sinne altersloses Fossil, das es in die Handyzeit verschlagen hat. Kurz vor der Pension wird ihm die Freundin w\u00e4hrend einer Kur weggeschossen, Trimmel nimmt seinen Abschied. Und sogleich verwickelt es ihn in seinen n\u00e4chsten, den letzten Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleines M\u00e4dchen wird entf\u00fchrt und zerst\u00fcckelt. Kriminaldirektorin Annette Rechberg mutma\u00dft einen Serienm\u00f6rder hinter der Tat. Dann kommt Trimmel ins Spiel. Der Killer hat den Kopf des M\u00e4dchen im Keller seiner Wohnung deponiert. Man ermittelt, alles geht seinen Gang.<\/p>\n\n\n\n<p>Klingt irgendwie normal und wenig aufregend, ist es aber nicht. Die Story wird von einer weiteren eingerahmt. Ein \u00e4lterer Herr kollabiert auf einem Z\u00fcrcher Friedhof, eine mitleidige Dame nimmt ihn zur Genesung bei sich auf, der Herr hat sein Ged\u00e4chtnis verloren, in seinen Sachen findet sich ein Manuskript mit dem Titel &#8222;Trimmels letzter Fall&#8220;. Das bekommen wir in der Folge zu lesen, bevor am Ende auch die Identit\u00e4t des \u00e4lteren Herren gel\u00fcftet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aha. Weiter im Text. Der Anschlag auf Trimmels Lebensgef\u00e4hrtin. Wie von selbst l\u00f6st sich das, der T\u00e4ter stammt aus Trimmels Vergangenheit, ratzfatz sitzt er im Knast. Ganz offensichtlich diente die ganze Aktion nur dazu, Trimmel anhanglos zu machen und f\u00fcr K\u00fcnftiges zu pr\u00e4parieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mord. Es bleibt das Geheimnis der ermittelnden Kriminaldirektorin, wie sie v\u00f6llig unterschiedliche F\u00e4lle als &#8222;Serie&#8220; identifiziert. Unm\u00f6glich, so etwas. Aber: Die Dame hat recht. Im Laufe der Ereignisse wird Trimmel, der es gewisserma\u00dfen zum Assistenten Frau Rechbergs bringt, ein paar Verd\u00e4chtige aus dem Hut zaubern, Verd\u00e4chtige, denen allen die Vergangenheit in Trimmels beruflicher Biografie gemeinsam ist. Mehr noch: In den B\u00fcchern Werremeiers. Sp\u00e4testens jetzt goutiert man die ganze Sache als eine Art Parodie auf Serienkillerkrimis.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vergangenheit ist allgegenw\u00e4rtig. Nicht nur tauchen besagte Figuren aus Trimmelkrimis wieder auf, der Held selbst verweist auf etliche dieser B\u00fccher, wenn er sich an zur\u00fcckliegende F\u00e4lle erinnert. Da ist der Fall mit dem toten Jungen an der Interzonenautobahn eben nicht der Fall des toten Jungen an der Interzonenautobahn, sondern &#8222;Taxi nach Leipzig&#8220;. Und so weiter. Im weitesten Sinne literarische Anspielungen finden sich zudem.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Erz\u00e4hlstrang betrifft Trimmels Kindheit w\u00e4hrend des Dritten Reichs. Wie bitte? In den Vorg\u00e4ngerromanen haben wir Trimmel als einen etwa um 1910 geborenen Mann kennengelernt, der kriminalistische Erfahrungen w\u00e4hrend der Nazizeit sammeln durfte. Jetzt ist er fast zwanzig Jahre j\u00fcnger, etwa im Alter des Autors. Dass sich dieser Strang auf das Haneb\u00fcchenste mit dem des &#8222;Serienkillers&#8220; verbindet, haben wir inzwischen nicht anders erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag gen\u00fcgen. Andere Merkw\u00fcrdigkeiten (Polizisten h\u00f6ren Polizisten ab, Polizisten v\u00f6geln Polizisten, Polizisten knallen Polizisten \u00fcber den Haufen) nur en passant. Auch dass der Rezensent manche Passagen schlichtweg nicht verstanden hat, sei lediglich erw\u00e4hnt. &#8222;Trimmels letzter Fall&#8220; ist entweder grober Unfug oder eine kuriose Melange aus autobiografischer Camouflage, R\u00fcckblick auf einen Mythos, Parodie und munteres De- und Rekonstruieren eines kriminalschriftstellerischen Lebenswerks. Noch einmal taumelt ein Held durch die Hallen seiner literarischen Vergangenheit \u2013 und sein Autor mit ihm. Gemeinsam fabrizieren sie einen, nun ja, merkw\u00fcrdigen Kriminalroman. Daf\u00fcr spricht vieles. Bleibt die Frage: Wozu das alles?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df es nicht. M\u00f6ge die werte Leserschaft sich selbst ein Urteil bilden. Habe ich den Roman wenigstens gerne gelesen? Ja doch. Romane, bei denen man auch abschlie\u00dfend nicht sagen kann, ob sie gro\u00dfer K\u00e4se oder gro\u00dfe Kunst sind, lese ich grunds\u00e4tzlich gerne.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall. <br \/>Mit einem Nachwort von Frank G\u00f6hre. <br \/>Pendragon 2009. 227 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, heiliger Bimbam, was ist denn DAS? 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