{"id":21554,"date":"2009-03-20T10:12:06","date_gmt":"2009-03-20T10:12:06","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/aus-der-werkstatt-leseprobe\/"},"modified":"2022-06-13T16:28:51","modified_gmt":"2022-06-13T14:28:51","slug":"aus-der-werkstatt-leseprobe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/aus-der-werkstatt-leseprobe\/","title":{"rendered":"Aus der Werkstatt: Leseprobe"},"content":{"rendered":"\n<p>Okay, okay, weil praktisch schon Wochenende ist und die fiebernde Anobella doch dringend gute Lekt\u00fcre braucht. Hier die ersten drei Seiten des neuen Romans. Noch einigerma\u00dfen roh, aber schon in etwa so, wie&#8217;s am Ende werden soll. Wird aus vier Teilen bestehen, &#8222;durchnummeriert&#8220;, &#8222;1. bis 4. Mord&#8220;. Sehr klassisch, sehr unklassisch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Erster Mord<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wach. Es stinkt nach Schafsschei\u00dfe. Schnell auf und die Schnauze in die Waschsch\u00fcssel getunkt. Ah! Kalt! Wasser absch\u00fctteln und runter, rasch, rasch, komm. Angeekelt einen Blick auf meine Umrisse im Heu, dunkler als das Zeug drum herum, wahrscheinlich nass, klar doch: nass. M\u00f6chte gar nicht wissen, wie das riecht. Schon hell drau\u00dfen? &#8212; Es d\u00e4mmert. Gut so.<br \/>Unten wird zuerst die Kaffeemaschine eingerichtet, eingeschaltet, dann der Laptop hochgefahren. Beides geht viel zu langsam \u2013 Geduld, Geduld, ich m\u00fcsse mehr Geduld haben! Sagt sich so. Immerhin: Der Generator brummt gleichm\u00e4\u00dfig und diskret, ist da oben nicht zu h\u00f6ren. Keine Gefahr.<br \/>Na also. Einw\u00e4hlen, Emails checken. Auch wieder eine Ewigkeit. Klack, klack, klack, mit den Fingern auf die Tischplatte musiziert. Endlich: der Kaffee ist durch. Die erste Tasse in drei, vier gro\u00dfen Schlucken. Dass ich mir die Zunge daran verbrenne: unbedeutend.<br \/>Was Wichtiges?<br \/>Die \u00fcbliche Erinnerung aus der Zentrale: Au-gen-auf! Ja, ja. Augen auf. Ihr&#8230;<br \/>Keine Unterschrift. Soll ich eine Antwort tippen? Nee, oder? Doch? Wird erwartet, ja, ja, ja. Aber an wen eigentlich? Den Priester? Den Silberkopf (lass ihn das blo\u00df nicht h\u00f6ren&#8230;)? Die Quatschtante \u2013 \u00e4h&#8230; die Stirnumkr\u00e4nzte?<br \/>&#8222;Alles unter Kontrolle. Planm\u00e4\u00dfiger Gang der Dinge. Herzliche Gr\u00fc\u00dfe!&#8220;<br \/>&#8222;Herzliche Gr\u00fc\u00dfe&#8220; streichen. Die sind imstande und drucken das aus und heften das ab. Man macht sich zum Gesp\u00f6tt der Nachwelt. \u2013 Issn das da?<br \/>Ha! Der Programmierer hat ein neues Spiel geschickt! Der wei\u00df, was ich brauche! SPACE CAR RACE, ohne Bindestriche, der hats nicht so mit Sprache. Muss er auch nicht. Hei\u00dft &#8222;race&#8220; nicht auch &#8222;Rasse&#8220;? Doch, gelt? Komisch.<br \/>Also, was haben wir denn da. Mit 200.000 Sachen die Sekunde durch xbeliebige Galaxien gepehst, aufpassen, feindliche Flotten aus bizarren Fahrzeugen, Sternbarrieren als Hindernisse, schwarze L\u00f6cher \u2013 TILT. Planeten kaputtballern, unbewohnte zehn Punkte, bewohnte hundert. Um die Kugeln kurven, m\u00f6glichst dicht, aufpassen, dass dich die Schwerkraft nicht ins Nirwana katapultiert oder mitten ins Herz des B\u00f6sen, wo sie einen mit ihren Bomben zupflastern. Wer 10.000 Punkte hat, gewinnt.<br \/>Ja, nett. Heute Abend mal in aller Ruhe durchhecheln. Kann man das auch zu mehreren spielen? \u00dcbers Netz? M\u00fcsste eigentlich. Klar, m\u00fcsste eigentlich.<br \/>Jetzt noch einen Kaffee und kr\u00e4ftig durchatmen. &#8212; Ein St\u00fcck von diesem furchtbaren Brot mit der ranzigen Margarine. B\u00e4h! Kaut sich vor lauter Abscheu von alleine. Und wieder hoch. Und wieder die Schafsschei\u00dfe. Gew\u00f6hnt man sich denn nie daran? Die Biester sind auch wachgeworden in ihrem Gatter und bl\u00f6ken hysterisch nach Atzung. Der Hund knurrt, auch noch schlaftrunken, der. Es ist hell drau\u00dfen, man siehts jetzt im Fensterrahmen funkeln und glitzern. Die Klamotten anziehen und raus.<br \/>Schafe h\u00fcten.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag des 20. August 2168 hielt Extrapost von der Station des Weilers Bannkies. Ich, einziger Fahrgast, stieg aus. Der Kutscher sprach leise zu seinen nassen Tieren, ich verstand nicht, was er sagte. Der Ort kam mir menschenleer vor. In der Station bewegte sich nichts, die Fensterl\u00e4den waren geschlossen, dahinter kein Ger\u00e4usch. &#8222;Zum B\u00fcrgermeister?&#8220; fragte ich den Kutscher. Der Kutscher sagte, ohne mich anzusehen: &#8222;Da den Berg hoch. Die B\u00e4ckerei.&#8220; Und redete dann weiter auf die Pferde ein.<br \/>Man hatte hier einen Menschen get\u00f6tet. Die Leiche, die man am Morgen des 11. August 2168 nahe des Weilers Bannkies entdeckte, war ein Fremder mit eingeschlagenem Sch\u00e4del. Niemand im Orte kannte ihn oder hatte ihn zuvor gesehen. Es wurde Wasser bei ihm gefunden. Der Schulze Winzram hatte Meldung gemacht, nach einem Beamten des Kriminalgerichts verlangt. Nicht jeder an seiner Stelle h\u00e4tte das getan. N\u00e4chst 20 Liter in einem Beh\u00e4ltnis lagen neben dem Toten. Kostbares Gut, Man h\u00e4tte es mit den wenigen Mitwissern teilen k\u00f6nnen. Dem Manne, der die Leiche aufgefunden, und einer jungen Frau, die zuf\u00e4llig dar\u00fcber hinzugekommen war. Den Toten l\u00e4sst man verschwinden, das geschieht oft. Man regelt die Dinge unter sich. Oder man vergisst sie.<br \/>Bannkies mochte aus 40 Feuerstellen bestehen, ein kleiner elender Ort wie viele in unserem Bezirk. Es war hei\u00df wie immer zwischen M\u00e4rz und November. Ich \u00fcberquerte die Stra\u00dfe, Staub wirbelte auf. Ich sah die andere Stra\u00dfe, in die ich zu gehen hatte, hoch. Der Berg war mehr ein H\u00fcgel, der sich vor gebirgichtem Hintergrund w\u00f6lbte und deshalb, weil es diesig und glei\u00dfend zugleich war, von fremden Augen f\u00fcr einen wirklichen Berg gehalten werden konnte. Links und rechts standen die Gerippe von H\u00e4usern. Sie waren nicht zahlreich. Ich z\u00e4hlte sieben zur Linken, acht zur Rechten. Dazwischen einige H\u00fctten, die eine gr\u00f6\u00dfer als die anderen, das mochte die B\u00e4ckerei, das B\u00fcrgermeisteramt sein. Ich stieg hinan. Hinter mir ert\u00f6nte jetzt die Stimme des Kutschers, der eine andere Stimme antwortete, sie lachten dann auch. Sie sahen mir nach, das wusste ich. Ich drehte mich nicht um.<br \/>Es waren armselige H\u00fctten. Mit aus den jetzt ruinierten H\u00e4usern entnommenen Steinen erbaut, es gab Ritzen, es gab L\u00f6cher, mit Stroh, seltener mit M\u00f6rtel gef\u00fcllt. Die H\u00fctten waren einst\u00f6ckig, sie waren windschief, die Fenster sp\u00e4rlich, winzig und geschlossen. Die H\u00fctte Winzrams hingegen erhob sich in zwei Stockwerken. Sie wirkte solider als die benachbarten. Ein Schild hing \u00fcber der T\u00fcr. &#8222;B\u00e4ckerei&#8220;. Darunter: &#8222;Verwaltung&#8220;. Darunter: &#8222;Wasserausgabe&#8220;. Ich klopfte an die T\u00fcr.<br \/>&#8222;Brot morgens, Wasser abends&#8220;, sagte nach einer Weile eine Stimme aus dem Innern. Es mochte die des B\u00e4ckers selbst sein, denn sie klang wie von einem, der Befehlen gewohnt ist.<br \/>&#8222;Ich bin der Kriminalrichter&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okay, okay, weil praktisch schon Wochenende ist und die fiebernde Anobella doch dringend gute Lekt\u00fcre braucht. Hier die ersten drei Seiten des neuen Romans. Noch einigerma\u00dfen roh, aber schon in etwa so, wie&#8217;s am Ende werden soll. Wird aus vier Teilen bestehen, &#8222;durchnummeriert&#8220;, &#8222;1. bis 4. Mord&#8220;. Sehr klassisch, sehr unklassisch.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21554"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21554\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}