{"id":21556,"date":"2009-03-23T07:47:53","date_gmt":"2009-03-23T07:47:53","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/daten\/"},"modified":"2022-06-06T21:41:04","modified_gmt":"2022-06-06T19:41:04","slug":"daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/daten\/","title":{"rendered":"Daten"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Freitagsausgabe der TAZ hat Rudolf Walther einen inzwischen heftig diskutierten \u2192<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/leben\/internet\/artikel\/1\/%5Copen-enteignung%5C-dank-google\/\">Artikel<\/a> \u00fcber die Digitalisierung und &#8222;Demokratisierung&#8220; von Wissen ver\u00f6ffentlicht. Ist die Verf\u00fcgbarkeit von wissenschaftlichen Arbeiten im Internet tats\u00e4chlich ein zu lobender Schritt? Wie sieht es mit dem Urheberrecht aus? \u2013 Fragen, die uns alle in Zukunft noch besch\u00e4ftigen werden, hier aber nicht thematisiert werden sollen. Am Ende seiner kritischen Ausf\u00fchrungen erw\u00e4hnt Walther indes einen Aspekt, der auch jenseits von &#8222;Open Access&#8220; relevant ist: die Haltbarkeit respektive Nichthaltbarkeit von Daten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Wie lange erhalten und lesbar bleibt, was im Netz steht, ist v\u00f6llig offen \u2013 5 Jahre, 50 Jahre, 500 Jahre, &#8222;ewig&#8220;? Das hei\u00dft, die Gesellschaft, die ihre wissenschaftlichen und kulturellen Hervorbringungen allein im Netz speichert, l\u00e4uft Gefahr, ihre Geschichte, ihr Wissen, ihre Kultur eines Tages \u00fcber Nacht ganz zu verlieren oder st\u00fcckweise zu vergessen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nun ist das, wenngleich in differenzierter Form, auch ein Thema in meinem neuen Roman: Datenverlust, Datenrekonstruktion, Datenkontrolle, Datenmissbrauch. Und es ist wei\u00df Gott keine akademische Fragestellung, die Walther hier anspricht. Man stelle sich vor, seine gesamte Bibliothek auf einem E-Book-Reader, einem Laptop oder einem USB-Stick gespeichert zu haben, und pl\u00f6tzlich gibt es den gro\u00dfen Crash \u2013 und alles ist perdu. Als w\u00e4re eine Bibliothek abgebrannt, ein Archiv eingest\u00fcrzt, nur sehr viel unspektakul\u00e4rer, nicht weniger endg\u00fcltig (wenn man keine Sicherungskopien hat&#8230;).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem: Datenkompatibilit\u00e4t. Wenigstens zweimal j\u00e4hrlich erhalte ich Panikmails von Freunden und Lesern, die unbedingt an Daten herankommen m\u00fcssen, die vor zwanzig Jahren auf irgendwelchen ATARIS oder COMMODORES erstellt und entsprechende Datentr\u00e4ger gespeichert wurden. Zwar existieren Dienstprogramme, solche Daten auf modernen Rechnern sichtbar zu machen und dort erneut speichern zu k\u00f6nnen, unkompliziert ist das aber nicht immer \u2013 und manchmal v\u00f6llig f\u00fcr die Katz. Wenn dann kein Papierausdruck zum Einscannen oder Abtippen zur Verf\u00fcgung steht \u2013 dumm gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss Walthers apokalyptisches Szenario (&#8222;\u00fcber Nacht&#8220;) nicht teilen, um die latente Gefahr f\u00fcr digitale Daten zu erkennen. Sie sind labil, sie sind manipulierbar, ohne dass sich eine solche Manipulation nachweisen lie\u00dfe \u2013 jedenfalls nicht von Laien -, sie sind \u00fcberall verf\u00fcgbar, man kann sie miteinander oder mit g\u00e4nzlich anderen Daten zum Zwecke der Verf\u00e4lschung verkn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist l\u00e4ngst auch ein Thema von Kriminalliteratur geworden. Der n\u00e4chste Krimistammtisch etwa wird sich mit Charles den Tex&#8216; Roman &#8222;Die Zelle&#8220; besch\u00e4ftigen, in dessen Mittelpunkt Datenmissbrauch steht. Wenn wir f\u00fcr einen Moment in die Zukunft schauen, sehen wir, dass neben den klassischen Arten, einen Menschen auszul\u00f6schen, eine weitere auftaucht: die L\u00f6schung aller Daten, sei es absichtlich oder durch technisches Versagen. Dann ist ein Mensch tot, mag er auch physisch weiterleben. Spannende Geschichte, realistische Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Freitagsausgabe der TAZ hat Rudolf Walther einen inzwischen heftig diskutierten \u2192Artikel \u00fcber die Digitalisierung und &#8222;Demokratisierung&#8220; von Wissen ver\u00f6ffentlicht. Ist die Verf\u00fcgbarkeit von wissenschaftlichen Arbeiten im Internet tats\u00e4chlich ein zu lobender Schritt? Wie sieht es mit dem Urheberrecht aus? \u2013 Fragen, die uns alle in Zukunft noch besch\u00e4ftigen werden, hier aber nicht thematisiert [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21556\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}