{"id":21562,"date":"2009-03-26T08:02:07","date_gmt":"2009-03-26T08:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/iain-mcdowall-gefaehrliches-wiedersehen\/"},"modified":"2022-06-18T02:55:29","modified_gmt":"2022-06-18T00:55:29","slug":"iain-mcdowall-gefaehrliches-wiedersehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/03\/iain-mcdowall-gefaehrliches-wiedersehen\/","title":{"rendered":"Iain McDowall: Gef\u00e4hrliches Wiedersehen"},"content":{"rendered":"\n<p>Einer wie Iain McDowall m\u00fcsste sich schon sehr anstrengen, um einen schlechten Kriminalroman zu schreiben. Dabei r\u00fchrt er sein S\u00fcppchen mit dem gleichen Wasser an wie die Minderbegabteren seiner Zunft. Ermittlerstory, &#8222;realit\u00e4tst\u00fcchtig&#8220;, die Ermittler mit eigenen Problemen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wieder einmal ist in McDowalls fiktiver Stadt Crowby ein Mord geschehen. Dr. Roger Harvey, Historiker, liegt erschlagen in seiner Wohnung. Die Polizisten Jacobsen und Kerr erscheinen auf der Bildfl\u00e4che und tun ihre Arbeit. Ein Nachbar Harveys, Programmierer, ger\u00e4t in dringenden Tatverdacht, ist er doch seit dem Mord verschwunden. Das turbulente Liebesleben des Toten eignet sich ebenfalls zur Motiv- und T\u00e4tersuche.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie bereits in den Vorg\u00e4ngerromanen dient auch hier das eigentlich &#8222;Kriminelle&#8220; vor allem dazu, das Wirklichkeitsambiente zu beleuchten. Nicht in grobschl\u00e4chtigen Worten und k\u00fcnstlich dramatisierten Konflikten, sondern eher en passant, niemals aufdringlich, aber immer pointiert. In &#8222;Gef\u00e4hrliches Wiedersehen&#8220; reicht das Spektrum von der &#8222;Hobbynutte&#8220; im Frauenhaus, der nat\u00fcrlich kein Mensch glaubt, bis zur \u00e4therisch angehauchten Sinnsucherin auf einer &#8222;New Age&#8220; \u2013 Farm, die sich beim Abh\u00f6ren von Van Morrisons &#8222;Astral Weeks&#8220; erkundet (dieses klassische Album h\u00f6ren andere im Roman ebenfalls, es ist also der akustische rote Faden). Auch die Protagonisten tragen ihre Sorgen mit sich herum. Kerr etwa wird von einer Ehekrise gebeutelt, Jacobsen trinkt zuviel. In den \u00fcblichen Schablonen ers\u00e4uft dies allerdings nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnt sei auch McDowalls stilistische Flexibilit\u00e4t. Manchmal schweift die distanzierte Erz\u00e4hlweise in eine Art inneren Monolog ab und kehrt dann wieder auf die urspr\u00fcngliche Erz\u00e4hlebene zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass McDowall sein Handwerk beherrscht, ist in &#8222;Gef\u00e4hrliches Wiedersehen&#8220; auch dringend n\u00f6tig. Denn der Mordfall selbst ist ihm diesmal recht farblos geraten. Harvey, ein Durchschnittsmensch, bleibt zu vage, die Dramaturgie kommt aus dem Vorhersehbaren (nat\u00fcrlich ist der Programmierer NICHT der M\u00f6rder, das wei\u00df man sofort) nicht heraus, ein kleiner Twist t\u00e4te der finalen Spannung ganz gut. Die Intensit\u00e4t dessen, was McDowall hier aufbaut, mindert das aber nur geringf\u00fcgig. Crowby, der Ort, den man auf keiner Landkarte findet, ist ein Experimentierfeld in Sachen soziologischer Verwerfungen. Gut entwickelt, gut erz\u00e4hlt. Und unterhaltsam dazu. Nein, dieser McDowall m\u00fcsste sich wirklich m\u00e4chtig ins Zeug legen, um zu scheitern.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Iain McDowall: Gef\u00e4hrliches Wiedersehen. Dtv 2009 <br \/>(A Study in Death, 2000, deutsch von Werner L\u00f6cher-Lawrence). <br \/>255 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer wie Iain McDowall m\u00fcsste sich schon sehr anstrengen, um einen schlechten Kriminalroman zu schreiben. Dabei r\u00fchrt er sein S\u00fcppchen mit dem gleichen Wasser an wie die Minderbegabteren seiner Zunft. 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