{"id":21599,"date":"2009-04-21T10:14:07","date_gmt":"2009-04-21T10:14:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/04\/krieg-am-doppelnabel-der-welt\/"},"modified":"2022-06-09T23:27:50","modified_gmt":"2022-06-09T21:27:50","slug":"krieg-am-doppelnabel-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/04\/krieg-am-doppelnabel-der-welt\/","title":{"rendered":"Krieg am Doppelnabel der Welt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Ja doch, es vermittelt uns, die wir am Rande der bewohnten Krimiwelt dahinvegetieren, schon ein wenig klammheimliche Freude, wenn wir Zeuge eines Schlagabtauschs werden, bei dem ein Weltnabel dem anderen seinen Platz missg\u00f6nnt. Eine Gruppe britischer Autoren, die sogenannte &#8222;Curzon Group&#8220; hat ein &#8222;Manifest&#8220; in der \u2192<a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/books\/2009\/apr\/20\/british-thrillers-curzon-group\">Presse<\/a> lanciert, das sich gegen die Hegemonie amerikanischen Thrillerschreibens wendet und eine R\u00fcckkehr zur traditionellen \u2013 und originelleren \u2013 Form britischer Kriminalliteratur fordert. <em>&#8222;All the writers in this group believe in bringing that back &#8230; Too many of the American thrillers are just being churned out to a rigid formula. Good writing is never a production line.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite des Atlantik sch\u00e4umt man darob vor Wut, \u2192<a href=\"http:\/\/www.sarahweinman.com\/confessions\/2009\/04\/who-knew-the-british-thriller-was-in-jeopardy.html\">Sarah Weinman<\/a> jedenfalls kann kaum an sich halten. Die Curzons haben auch gleich f\u00fcnf Prinzipien formuliert, die ein jeder beim Schreiben beherzigen sollte. Unterhaltsam muss es sein, die Wirklichkeit reflektieren, sich vom Formelhaften fernhalten, f\u00fcr Autor wie Leser gleicherma\u00dfen auf ein &#8222;Abenteuer&#8220; hinauslaufen. Und f\u00fcnftens den Beweis antreten, dass auch elegante, geistreiche und einf\u00fchlsame Kriminalliteratur spannend bis zum Nagelbei\u00dfen sein kann <em>(&#8222;combined with edge-of-the seat excitement&#8220;)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Prinzipien erinnern mich doch stark an den alten Witz aus dem Satiremagazin &#8222;Titanic&#8220;: &#8222;Hungerproblem gel\u00f6st! Einfach mehr spachteln!&#8220; Genau. Wir sehen mit Genugtuung, wie sich Myriaden lausiger AutorInnen an ihre Schreibtische setzen und gem\u00e4\u00df der Curzonregeln zu dichteln beginnen. Und alles wird gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie weit solch eine Diskussion von der Realit\u00e4t entfernt ist (also schon mal diesen Punkt des Manifestes missachtet), braucht kaum erw\u00e4hnt zu werden. Wieder einmal begreift sich die angloamerikanische Kriminalliteratur als das Nonplusultra, hier und nur hier finden die K\u00e4mpfe f\u00fcr eine bessere Kriminalliteratur statt, an den alten Schaupl\u00e4tzen glorreicher Momente des Genres. Dass man anderswo ebenfalls Krimis schreibt, die die besagten Prinzipien erf\u00fcllen, dass die wirklichen Innovationen just dort stattfinden k\u00f6nnten, wo die Wirklichkeit das Schreiben st\u00e4rker beeinflusst als das Schreiben die Wirklichkeit \u2013 es dringt einfach nicht bis zum Doppelnabel der Welt vor. Und so streiten sie sich um &#8222;Produktlinien&#8220; und meinen doch nur: Vorherrschaft. Und die am Katzentisch, die in S\u00fcdamerika, Asien, Afrika, der europ\u00e4ischen Diaspora, sie schauen staunend zu.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja doch, es vermittelt uns, die wir am Rande der bewohnten Krimiwelt dahinvegetieren, schon ein wenig klammheimliche Freude, wenn wir Zeuge eines Schlagabtauschs werden, bei dem ein Weltnabel dem anderen seinen Platz missg\u00f6nnt. 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