{"id":21627,"date":"2009-05-07T07:33:26","date_gmt":"2009-05-07T07:33:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/05\/nora-miedler-warten-auf-poirot\/"},"modified":"2022-06-12T23:47:15","modified_gmt":"2022-06-12T21:47:15","slug":"nora-miedler-warten-auf-poirot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/05\/nora-miedler-warten-auf-poirot\/","title":{"rendered":"Nora Miedler: Warten auf Poirot"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcnf Frauen in einer Bergh\u00fctte, eingeschneit. Da geschieht ein Mord \u2013 und es sind nur noch vier Frauen. Das Ganze hei\u00dft &#8222;Warten auf Poirot&#8220;, und w\u00e4rs von Gilbert Adair, k\u00f6nnten wir uns auf eine witzige Persiflage gefasst machen. Ist aber von Nora Miedler, gar nicht witzig \u2013 aber reichlich durchtrieben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst lernen wir Charlie kennen. Charlie ist eine junge Frau ohne Selbstbewusstsein, daf\u00fcr aber voller Selbstzweifel. In der Klapsm\u00fchle war sie deswegen auch schon. Charlie hat vier Freundinnen, von denen sie mindestens eine, Rita, gerne umbringen m\u00f6chte. Denn Rita ist die Schwester von Mark, Charlie schw\u00e4rmt f\u00fcr Mark, hat ihn sogar ins Bett gekriegt, aber Rita hat ihn da gleich wieder rausgeholt. Zusammen mit drei weiteren Freundinnen (einer Karrierejuristin, einer Edelnutte und einem Hausm\u00fctterchen) fahren Charlie und Rita auf ein z\u00fcnftiges Wochenende in die Berge, werden dort eingeschneit, und Rita, die b\u00f6se Rita bekommt ein Messer zwischen die Rippen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, nicht lustig. F\u00fcnf Frauen, f\u00fcnf Lebensentw\u00fcrfe von Frauen, und die \u00fcberlebenden Vier (es wird nicht bei vier bleiben&#8230;) umkreisen sich in der Folge gegenseitig voller Misstrauen, denn eine von ihnen muss ja die M\u00f6rderin sein. Nat\u00fcrlich tun sich dabei Abgr\u00fcnde auf, br\u00f6ckelt die Fassade, werden bislang unterdr\u00fcckte Aggressionen wie Adrenalin ausgesch\u00fcttet. Das Ganze spielt sich auf engstem Raum ab und lie\u00dfe sich auch als Theaterst\u00fcck gut inszenieren (kein Zufall: Nora Miedler ist gelernte Schauspielerin). Zu lang w\u00e4re der Roman mit seinen 188 Seiten auch nicht, jedoch: Irgendwie hat man als m\u00e4nnlicher Leser das Gef\u00fchl, im falschen Film zu sein. Wie sich die Frauen da verbal umkreisen, das kennt man als Mann gar nicht, da h\u00e4tte man l\u00e4ngst was unternommen, das Auto wieder flottgekriegt, den Marsch in die Zivilisation durchorganisiert, sich wenigstens gegenseitig z\u00fcnftig in die Fresse gehauen. Die Frauen denken daran nur beil\u00e4ufig, sie setzen auf die Psychokarte. Geht in Ordnung, ist aber stellenweise ein wenig zu sehr auf das Spektakul\u00e4re aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende immerhin gewinnt der Roman an Fahrt, und das Ende selbst, das hat einfach Klasse. Der Fall wird gel\u00f6st \u2013 doch wenn man genauer dr\u00fcber nachdenkt&#8230;. vielleicht doch nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Man warte durchaus gespannt auf den n\u00e4chsten Krimi von Frau Miedler. Poirot muss nicht kommen. Die Frau hat auch ohne ihn Talent, sie kann schreiben \u2013 und der Rezensent hat sich bis dahin vielleicht auch dran gew\u00f6hnt, dass Frauen immer so viel reden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Nora Miedler: Warten auf Poirot. <br \/>Ariadne 2009. 188 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf Frauen in einer Bergh\u00fctte, eingeschneit. Da geschieht ein Mord \u2013 und es sind nur noch vier Frauen. 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