{"id":21633,"date":"2009-05-11T08:02:59","date_gmt":"2009-05-11T08:02:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/05\/wer-braucht-ein-krimimagazin\/"},"modified":"2022-06-05T22:21:59","modified_gmt":"2022-06-05T20:21:59","slug":"wer-braucht-ein-krimimagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/05\/wer-braucht-ein-krimimagazin\/","title":{"rendered":"Wer braucht ein Krimimagazin?"},"content":{"rendered":"\n<p>Erst einmal der Chronistenpflicht Gen\u00fcge tun und ein paar aktuelle Reaktionen auf das Krimijahrbuch 2009 nachgetragen: \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.at\/2009\/05\/amusante-sammlung.php\">Ingeborg Sperl<\/a> h\u00e4lt es f\u00fcr <em>&#8222;keinesfalls langweilig oder unverst\u00e4ndlich&#8220;<\/em>, \u2192<a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/stz\/page\/2019378_0_5667_-sumpfausfluege-ovid-und-mafianostalgie.html\">Thomas Klingenmaier<\/a> verspricht, man habe <em>&#8222;das bisschen Geld f\u00fcr den Band (&#8230;) schnell wieder raus&#8220;,<\/em> wundert sich aber \u00fcber das Fehlen eines Krimimagazins, w\u00e4hrend \u2192<a href=\"http:\/\/kriminalakte.wordpress.com\/2009\/05\/07\/krimijahrbuch-wurde-zu-kriminalromanjahrbuch\/\">Axel Bussmer<\/a> im KJB 2009 <em>&#8222;nur eine beliebige Zusammenstellung von kriminalromanaffinen Texten&#8220;<\/em> sieht, <em>&#8222;die auch an anderen Orten zu anderen Zeiten, zum Beispiel einem Krimimagazin, h\u00e4tten erscheinen k\u00f6nnen&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Dumme daran: Es gibt kein Krimimagazin, keinen gedruckten Ort f\u00fcr Kritik, Analyse, Information und Austausch. Brauchen wir \u00fcberhaupt einen? Der Markt, das steht fest, kann auch ohne gut leben. Und wird es weiterhin tun, denn die Wahrscheinlichkeit, ein mehrmals j\u00e4hrlich erscheinendes Printprodukt zur Kriminalliteratur begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen, \u00e4hnelt verteufelt der, den Lottojackpot zu knacken und dabei vom Blitz erschlagen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Erfahrungen aus vier Jahren Krimijahrbuch sind ern\u00fcchternd, dabei h\u00e4tte man die schlichte Wahrheit voraussehen k\u00f6nnen. Wo keine Krimitradition, da auch keine Krimikultur. Was so nicht ganz stimmt und sofort korrigiert werden muss: Erstaunlicherweise gab es immer gen\u00fcgend Willige und F\u00e4hige, die bereit waren, f\u00fcr das KJB zu arbeiten. Es gab \u00fcberdies einen exklusiven, sprich: kleinen Kreis treuer LeserInnen, vorwiegend positive Kritiken, mithin eine Basis, auf der auch ein so ehrgeiziges Projekt wie ein Krimimagazin h\u00e4tte entstehen k\u00f6nnen. Nur: Das Krimijahrbuch funktionierte allein nach dem Prinzip der Selbstausbeutung. Die Honorare waren so gering, dass es l\u00e4cherlich sein d\u00fcrfte, sie \u00fcberhaupt Honorare zu nennen. Das Absatzfazit h\u00e4tte sich immer auf ein einziges Wort beschr\u00e4nken k\u00f6nnen: entt\u00e4uschend. Die Herausgeber verbrachten mit der Konzeption, der Akquise, dem Schreiben, dem Lektorieren jeweils die zweite H\u00e4lfte des Berichtsjahres, wovon die letzten zwei Monate oft zur Stresssituation wurden. Ohne Aussicht auf Bezahlung, neben der Brotarbeit, versteht sich. Mir ist es immer noch ein R\u00e4tsel, wie unter diesen Bedingungen vier Krimijahrb\u00fccher das Licht der Welt erblickten. Aber ein Krimimagazin? Das ist ein ganz anderes Kaliber.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Papierversion eines solches Magazins bleibt also nach allem, was ich in diesen vier Jahren an Erfahrungen sammeln konnte, illusorisch, und deshalb verschwende ich daran auch keinen Gedanken mehr. Bliebe das Internet, wo es &#8222;Magazine&#8220; ansatzweise ja schon gibt, man denke nur an &#8222;Europolar&#8220; oder Thomas W\u00f6rtches &#8222;Krimisamstag&#8220; beim Titel-Magazin. Und die Blogs nicht zu vergessen. Positiv formuliert: Was rufen wir eigentlich nach einem Krimimagazin, wo doch die Aktivit\u00e4ten im Netz zusammengefasst bereits Magazincharakter haben? Gut, es w\u00e4re sch\u00f6n, g\u00e4be einen Ort, an dem sich all dies b\u00fcndeln k\u00f6nnte. Eine Redaktion, feste Rubriken, der tagesaktuelle journalistische Blick, die eingehende Analyse. Wahlweise als Internetportal mit integrierter Blogtechnik, um auch die Kommunikation mit den Lesern zu gew\u00e4hrleisten, oder als h\u00fcbsche digitale Zeitschrift im PDF-Format, warum nicht auch beides kombiniert. Alles kostenlos, mit der M\u00f6glichkeit, dem Team einen kleinen Obolus nach Gutd\u00fcnken zukommen zu lassen, um wenigstens die Kosten reinzukriegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Krimimagazin st\u00fcnde nicht in Konkurrenz zu den bereits existierenden Angeboten. Es w\u00e4re eine Plattform, State of the Art in Sachen Krimikultur. Indem man die Aufgaben auf viele Schultern verteilte, auch arbeitsm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberblicken. Ein permanentes Krimijahrbuch, gewisserma\u00dfen, mit einer Redaktion, in der sich jede\/r der Verantwortlichen einer Spielart von Krimi widmen k\u00f6nnte, dem Roman, dem Film, dem Comic, au\u00dferdem den Aktualit\u00e4ten, den umfassenderen Ans\u00e4tzen. Gerade letztere w\u00fcrden von einem solchen Magazin profitieren. Es w\u00fcrden Arbeiten entstehen, wie wir sie auch im Krimijahrbuch immer wieder gef\u00f6rdert haben, gro\u00dfe, vielseitige Projekte, die ohne die M\u00f6glichkeit zur Publikation ansonsten ungeschrieben geblieben w\u00e4ren. Krimikultur jenseits der blo\u00dfen Rezension, Wertendes, Zusammenfassendes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob sich vielleicht auf diesem Umweg ein Printmagazin lancieren lie\u00dfe? Ich wei\u00df es nicht, bleibe aber skeptisch. Als Realist sollte man die Marktgesetze im Blick haben, und die sagen einem erbarmungslos: Dem Angebot steht keine ausreichende Nachfrage gegen\u00fcber. Ob sich wenigstens eines Tages gen\u00fcgend Leute finden, ein digitales Magazin auf die Beine zu stellen? Oder brauchen wir auch das nicht? \u2013 F\u00fcr einen Moment vergesse ich meine Skepsis und sage: Doch, brauchen wir. Ja, k\u00f6nnten wir schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst einmal der Chronistenpflicht Gen\u00fcge tun und ein paar aktuelle Reaktionen auf das Krimijahrbuch 2009 nachgetragen: \u2192Ingeborg Sperl h\u00e4lt es f\u00fcr &#8222;keinesfalls langweilig oder unverst\u00e4ndlich&#8220;, \u2192Thomas Klingenmaier verspricht, man habe &#8222;das bisschen Geld f\u00fcr den Band (&#8230;) schnell wieder raus&#8220;, wundert sich aber \u00fcber das Fehlen eines Krimimagazins, w\u00e4hrend \u2192Axel Bussmer im KJB 2009 &#8222;nur [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-21633","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21633"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21633\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}