{"id":21662,"date":"2009-06-03T10:19:07","date_gmt":"2009-06-03T10:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/06\/monika-geier-die-herzen-aller-maedchen\/"},"modified":"2022-06-18T02:48:40","modified_gmt":"2022-06-18T00:48:40","slug":"monika-geier-die-herzen-aller-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/06\/monika-geier-die-herzen-aller-maedchen\/","title":{"rendered":"Monika Geier: Die Herzen aller M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Ermittler werden auch immer unzul\u00e4nglicher. Und daf\u00fcr die Krimis immer dicker, kein Wunder. Ganz zu schweigen von den Geschichten, die da erz\u00e4hlt werden. Rettete man sich fr\u00fcher vor dem prallen Leben und seinem Handlungsgewirr in eine sch\u00f6n \u00fcberschaubare Spannungsgeschichte, ist man jetzt nach der Lekt\u00fcre bisweilen froh, in die \u00dcbersichtlichkeit des wirklichen Lebens zur\u00fcckkehren zu d\u00fcrfen. Mei, was f\u00fcr F\u00e4den da manchmal ausgelegt werden! Tr\u00f6stlich immerhin, wenn man an Ariadnef\u00e4den durch diese Labyrinthe gelotst wird.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Ermittlern. Bettina Boll zum Beispiel, die in Monika Geiers &#8222;Die Herzen aller M\u00e4dchen&#8220; als Halbtagspolizistin ihr Geld verdient. Sie wird als solche manch schweren Fehler begehen, angefangen damit, dass sie mit nichtvorhandenen Lateinkenntnissen renommieren m\u00f6chte und damit sofort beim BKA landet. In der dortigen Sonderkommission gr\u00fcbelt man \u00fcber das anonyme Auftauchen einer alten und selbstverst\u00e4ndlich wertvollen Handschrift. Irgend jemand hat vor vielen hundert Jahren Ovids &#8222;Liebeskunst&#8220; in ein unscheinbares Heft geschrieben und mit entsprechenden Zeichnungen versehen. Jetzt ruht der Schatz in einer noblen Bibliothek, vom Experten Gregor Krampe wissenschaftlich betreut. Dieser Gregor ist auch der Sohn eines bekannten, inzwischen verstorbenen Bestsellerautors. Auf seine Mutter hat man zudem gerade einen Sprengstoffanschlag ver\u00fcbt, und eine bayrische Wahrsagerin macht dem Forscher und Frauenliebling auch noch zu schaffen. Pralles Leben eben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem geh\u00f6rt nat\u00fcrlich, dass sich Bettina Boll in Gregor verliebt und just in der Nacht mit ihm im Bett landet, als die Handschrift gestohlen wird. Eine gem\u00fctlich-undurchsichtige Versicherungsdetektivin, eine herbe BKA-Chefin und allerhand sonstiges Personal mischen ebenfalls mit, und Bettina Boll macht wacker weitere Fehler. Au\u00dferdem kommt sie mit ihren beiden Kindern nicht klar, die eigentlich gar nicht ihre Kinder, sondern die ihrer verstorbenen Schwester sind, zudem fliegt die Geschichte durch Zeit und Raum und landet, nicht nur Ovids wegen, im Italien vergangener Zeiten und Traumata.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal: pralles Leben, alles drin. Und so etwas muss doch schiefgehen, oder? Normalerweise schon, wir k\u00f6nnten Legionen von traurigen Beispielen am inneren Auge der Leserschaft vorbeischlurfen lassen. Dass Monika Geier die Sache ganz gut \u00fcber die B\u00fchne bringt (na ja; am Ende ist die Boll vielleicht ein bissel zu hellsichtig, obwohl sie doch gar nicht die Hellseherin im St\u00fcck ist), hat einen einfachen, aber klassischen Grund: Die Frau beherrscht ihr Handwerk. So einfach ist das.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so einfach eben wieder nicht. Schon wie Geier das Thema &#8222;Liebeskunst&#8220; von Ovid variiert und um dieses strukturierende Leitmotiv ihren eigenen Text webt, ist von allererster G\u00fcte und beileibe kein neckisches Kunsthandwerk. Ovids Lehrgedicht \u00fcber das Zustandekommen und das Festhalten der Liebe, \u00fcber den best\u00e4ndigen Kampf und die technischen Feinheiten spiegelt sich in allen Handlungsf\u00e4den wieder, von der Liebe eines Sohnes zu seinem Vater bis zum Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod und den Liebesverrat. Hier wird nicht doziert, sondern gezeigt, in einer Sprache, die man am k\u00fcrzesten und treffendsten vielleicht als &#8222;wach&#8220; bezeichnen kann, als wach und konzentriert, mit wohldosierten Abschweifungen und ironischen Brechungen. Aber das kennen wir schon aus den Vorg\u00e4ngerromanen.<\/p>\n\n\n\n<p>So gibt es \u00fcber &#8222;Die Herzen aller M\u00e4dchen&#8220; nur Gutes zu sagen. Und selbst dort, wo ob des allzu prallen Lebens ein wenig Skepsis sich regt, verfliegt diese rasch wieder. Eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Intelligenz ist Monika Geier da gelungen, wie man denn \u00fcberhaupt sagen muss, dass sich die Ariadne Krimis immer eindrucksvoller aus dem sonstigen Krimiallerlei erheben. Weiter so.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Monika Geier: Die Herzen aller M\u00e4dchen. <br \/>Ariadne \/ Argumente 2009. 351 Seiten. 11 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ermittler werden auch immer unzul\u00e4nglicher. Und daf\u00fcr die Krimis immer dicker, kein Wunder. Ganz zu schweigen von den Geschichten, die da erz\u00e4hlt werden. 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