{"id":21711,"date":"2009-07-14T15:57:51","date_gmt":"2009-07-14T15:57:51","guid":{"rendered":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/fuenf-steile-thesen-wider-das-lesen-von-kriminalliteratur\/"},"modified":"2022-06-05T23:31:40","modified_gmt":"2022-06-05T21:31:40","slug":"fuenf-steile-thesen-wider-das-lesen-von-kriminalliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/fuenf-steile-thesen-wider-das-lesen-von-kriminalliteratur\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf steile Thesen wider das Lesen von Kriminalliteratur"},"content":{"rendered":"\n<p><em>&#8222;Das gibt\u2019s doch nicht!&#8220; Fr\u00e4ulein Anna Veronica, wie jeden Morgen als erste vor der wtd-T\u00fcr, weil sie als Redaktionsk\u00fcken f\u00fcr den ordnungsgem\u00e4\u00dfen Zustand des Fr\u00fchst\u00fccks verantwortlich ist, Fr\u00e4ulein Anna Veronica also, die sonst immer ein Wort auf der scharfen Zunge parat hat, &#8211; ist sprachlos. Ein DinA4-Blatt, akribisch handbeschrieben, mit Rei\u00dfzwecken an die T\u00fcr gepinnt. &#8222;F\u00fcnf steile Thesen wider das Lesen von Kriminalliteratur&#8220; prangt darauf als \u00dcberschrift, sie seien den wtd-Konsumenten nicht vorenthalten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Erste These: Das Lesen von Krimis bef\u00f6rdert die dem Menschen naturgegebene Denkfaulheit!<\/strong> Glaubt ihnen nicht, wenn sie davon reden, es ginge ihnen beim Lesen der Krimis um die Anregung des Geistes! Welch eitel-dummer Silbenschlag! Unterhalten wollen sich die Viecher, spannend muss es sein, nicht langweilen darf es! Und nach den tradierten Regeln der Heiligen Kirche des Genres geh\u00e4kelt! Nicht langweilen? Ach was! Das Denken empfinden sie als langweilig! Wie trist, wie unspannend der Spaziergang durch die W\u00fcstenei der eigenen Gedanken! Ich aber sage euch: Die Kriminalliteratur, welche wie ein vorgekautes Gummi im Maule hin und her bewegt wird, macht eure tr\u00fcben Hirne noch tr\u00fcber, eure verk\u00fcmmerten Ansichten noch verk\u00fcmmerter, denn sie vertreibt nur die Zeit, die ihr dringend br\u00e4uchtet, euch \u00fcber die Armseligkeit eures Daseins, welches so fern alles Geistigen ist, klar zu werden. Drum lasset ab!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweite These: Das Lesen von Krimis ist die moderne Form des Ablasshandels! <\/strong> Wie war das noch fr\u00fcher? Man kaufte Ablasszettel, um sich von seinen S\u00fcnden reinzuwaschen! Heute kauft man Kriminalromane, in denen die S\u00fcnden der Menschheit, als da w\u00e4ren Mord und Totschlag, L\u00fcge und Betrug, verzeichnet sind! Man hofft nun, dass durch das Lesen derselben die S\u00fcnden quasi aus dem eigenen Leben getilget werden und man also unschuldig ins Paradies hinauff\u00e4hrt, denn man hat sich doch geh\u00f6rig erbost \u00fcber das B\u00f6se und dem Guten stets die Daumen gedr\u00fcckt! Das aber nenne ich den modernen Ablasshandel, doch Der=da=oben wird nicht hereinfallen auf euer Blendwerk, er wird euch im Fegefeuer Telefonb\u00fccher zu lesen geben, immer nur Telefonb\u00fccher, und ihr werdet dann wissen, was die H\u00f6lle ist. Denn eure Handys hat man konfisziert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. These: Wer Krimis liest, senkt das literarische Niveau einer Sprachgemeinschaft!<\/strong> In vergangenen Zeiten war das Schreiben ein Privileg der Berufenen. In Zeiten der Kriminalliteratur aber ist das Schreiben so allgemein wie das Zustuhlegehen, der Beischlaf, das Verzehren vorgefertigter Nahrung. War es fr\u00fcher unabdingbar, vor dem Schreiben die deutsche Sprache (oder irgend eine andere) zu beherrschen, so ist heute das einzige Hindernis auf dem Weg zum eigenen kriminalliterarischen Werk eben diese Beherrschung der Sprache. Und die Kriminalliteratur ist wie ein b\u00f6sartiger Tumor, und sehet, er breitet sich aus, er erfasst alle Literatur! Resultat: Wer nicht lesen kann, schreibt. Wer nicht schreiben kann, tut es gerade darum. Das wird b\u00f6se enden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. These: Sie treiben G\u00f6tzendienst, denn sie huldigen dem F\u00fcrsten Mammon!<\/strong> Warum schreibt man Kriminalromane? Doch nur, um auf m\u00f6glichst bequeme Art Geld zu verdienen! So ein Krimi ist schnell geschrieben, in drei Tagen schafft es der gemeine, pfeifenrauchende Belgier, eigentlich als tr\u00e4ge verschrieen, der flei\u00dfige Deutsche verfertigt einen Roman vor dem Fr\u00fchst\u00fcck und einen danach. Ha! Da klimpert F\u00fcrst Mammon in den Beuteln! Derweil meine LITERARISCHEN Krimis wie sauer Bier in den Regalen verstauben! Doch wartet nur! Sieben Plagen werden kommen und euch heimleuchten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. These: Sie sch\u00e4digen die Volkswirtschaft und das Erbgut!<\/strong> Denn wenn sie erst einmal zu lesen begonnen, k\u00f6nnen sie nicht mehr aufh\u00f6ren! Und die Arbeit bleibt liegen! &#8222;Konnte den Krimi nicht aus der Hand legen!&#8220; So jammern sie, derweil die Asphaltdecken der Stra\u00dfen auf Ausbesserung warten, das Korn auf den Feldern verrottet, die Akten unbearbeitet bleiben, das Glas Bier, welches ich mir bestelle, uneingeschenkt! Immer nur Krimi, Krimi, Krimi! Eine Seite noch, ist gerade so spannend \u2013 noch eine und noch eine \u2013 jetzt noch das vorletzte Kapitel und das letzte, damit man wei\u00df, wie es ausgeht! Und dabei vergessen die Frauen die K\u00f6rperpflege! Wechseln die M\u00e4nner nicht mehr w\u00f6chentlich, nein, h\u00f6chstens noch monatlich die Unterw\u00e4sche! Pflanzt sich vor lauter Verkommenheit der stinkenden K\u00f6rper das Menschengeschlecht nur noch sporadisch und lustlos fort! Geht zugrunde! Und warum? Wegen des vermaledeiten Krimis! Nieder mit ihm!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein entsprungenes M\u00f6nchlein aus der Krimiszene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir finden: ein aufr\u00fcttelndes, ein ersch\u00fctterndes Dokument. Und: Vermisst zuf\u00e4llig jemand einen Krimikritiker?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das gibt\u2019s doch nicht!&#8220; Fr\u00e4ulein Anna Veronica, wie jeden Morgen als erste vor der wtd-T\u00fcr, weil sie als Redaktionsk\u00fcken f\u00fcr den ordnungsgem\u00e4\u00dfen Zustand des Fr\u00fchst\u00fccks verantwortlich ist, Fr\u00e4ulein Anna Veronica also, die sonst immer ein Wort auf der scharfen Zunge parat hat, &#8211; ist sprachlos. Ein DinA4-Blatt, akribisch handbeschrieben, mit Rei\u00dfzwecken an die T\u00fcr gepinnt. 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