{"id":21717,"date":"2009-07-21T17:41:59","date_gmt":"2009-07-21T17:41:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/krimileseleben-2\/"},"modified":"2022-06-13T02:08:57","modified_gmt":"2022-06-13T00:08:57","slug":"krimileseleben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2009\/07\/krimileseleben-2\/","title":{"rendered":"Krimileseleben -2-"},"content":{"rendered":"\n<p>Und ein weiterer Leser, der f\u00fcr wtd die H\u00fcllen fallen l\u00e4sst. Georg, auch als \u2192<a href=\"http:\/\/giorgione.twoday.net\/\">Giorgione<\/a> bekannt, erz\u00e4hlt uns aus seinem wilden Leseleben&#8230; Zwei weitere Bekenntnisse \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2009\/07\/krimileseleben-1.php\">hier<\/a>, ein viertes folgt auf jeden Fall in den n\u00e4chsten Tagen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>dpr: Georg, du bist Literaturwissenschaftler, Autor, Kritiker, Buchh\u00e4ndler, Blogger, also irgendwie ein &#8222;professioneller Leser&#8220;. Erz\u00e4hl doch mal, wie deine Leserkarriere so verlaufen ist und an welchem Punkt Kriminalliteratur f\u00fcr dich \u00fcberhaupt ein Thema wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>GP: Meine ersten Erfahrungen habe ich mit meiner Oma gemacht, die mir M\u00e4rchen vorgelesen hat. Sp\u00e4ter las ich querbeet, was mir einfiel, ich erinnere mich noch an Simenon, den ich auf franz\u00f6sisch gelesen habe. Dann habe ich alles gelesen, was mir in die Finger kam, auch immer wieder Krimis. Und als ich Kritiker wurde, habe ich dann auch irgendwann Krimis besprochen. Ein Thema war es also immer, aber nie so vorherrschend wie bei anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr: Ich gehe mal davon aus, du kannst auch nicht &#8222;aus reiner Wolluscht&#8220;<br \/>lesen. Das Wissenschaftler-\/Kritikerhirn bleibt ja immer eingeschaltet.<br \/>Liest du Krimis anders als anderes? Gibst du ihnen einen Bonus \u00e0 la &#8222;Nu,<br \/>literarisch belanglos, aber immerhin spannend?&#8220;. Oder legst du Friedrich Ani<br \/>auf die selbe Waage wie, sagen wir, Arno Schmidt?<\/p>\n\n\n\n<p>GP: Doch kann ich. Das Hirn bleibt immer eingeschaltet, aber wenn ich in den<br \/>Ferien oder abends im Bett oder auf der Wiese liegend lese, lese ich, nicht<br \/>unkritischer, aber unanalytischer. Wenn das Buch gar zu schlecht ist, h\u00f6re ich auf zu lesen. Ansonsten sind meine Kriterien etwas laxer. Ich muss dann ja auch gar nicht rauskriegen, warum ich das nun genau gut oder schlecht finde, ich lese es manchmal einfach nur weg. Bis zu einem gewissen Grad, wie gesagt. Aber das betrifft Krimis und Nurromane gleicherma\u00dfen.<br \/>Prinzipiell lese ich Krimis nicht anders. Thomas Mann, Arno Schmidt, Robert Musil, Friedrich Ani, Oliver Bottini, DP Rudolph (hatte nicht Arno Schmidt mal was zum DP gesagt? Hm&#8230; ;-)): entweder es ist gut oder nicht. Ich lege sie auf dieselbe Waage. Nurromane k\u00f6nnen ja auch &#8222;literarisch belanglos, aber immerhin spannend&#8220; oder interessant, aufkl\u00e4rend oder sonstwas sein. Aber ein bestimmtes Nie=wo d\u00fcrfen sie alle nicht unterbieten, sonst setzt es was: B\u00fccherweitwurf.<br \/>Dpr: Nie=wo; genau. Beschr\u00e4nkt auf Deutschsprachiges: Wo liegt es deiner Meinung nach aktuell, dieses Niveau? Befinden wir uns in einer Bl\u00fctezeit des Genres? Oder ist es wie immer: Viel Schrott, wenige Pretiosen? Und was k\u00f6nnte man anstellen, um die allgemeinen Existenzbedingungen f\u00fcr die Preziosen zu verbessern?<\/p>\n\n\n\n<p>GP: Es ist wie immer: viel Schrott, wenige Preziosen, finde ich. Shigata ga nai! Da kann man nichts machen. Weil die meisten Preziosen ja nicht erkannt werden, weil der Schrott die Preise kriegt (siehe Bottini). Es ist halt wie immer. Na, wenn alle auf mich h\u00f6rten, dann w\u00fcrde es besser. Aber sonst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>DPR: Nein, nein, mein Lieber. So billig kommst du mir nicht davon! Woran liegts? Sind die Kritiker so schlecht? Die Leser zu dumm \/ unkritisch \/ indifferent? St\u00fcrzt sich der Buchhandel zu gierig auf das Leichtverk\u00e4ufliche? Sind die Autorinnen und Autoren einfach zu SCHLECHT, weil sie das Genre nicht ernst genug nehmen und es bei &#8222;Nur-Krimi&#8220; belassen wollen? Oder ist es, wie in der Nur-Literatur ja auch, schlichtweg ein Naturgesetz, dass die Schlechten die Villen und die Guten den Nachruhm ernten?<\/p>\n\n\n\n<p>GP: Habe ich selbst schon gemerkt. Also: Es liegt an allem.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Autoren sind zu schlecht (welche guten fallen mir da ein? Deutsche? Mehr als f\u00fcnf werden&#8217;s wohl kaum werden) &#8211; vielleicht w\u00e4re eine Ausbildung angeraten, damit mal wenigstens die Grundlagen klar sind. Die Verleger wollen meist eh nur Geld verdienen, denen ist&#8217;s egal. Buchh\u00e4ndler dito. Die meisten Kritiker sind zu bl\u00f6d karrieregeil machtbesessen, um Qualit\u00e4t und Mist wirklich zu erkennen, und die meisten Leser sind zu unkritisch, viele wollen einfach nur unterhalten werden, da st\u00f6rt Qualit\u00e4t doch nur. Immer mit der Einschr\u00e4nkung: die meisten. Ist halt wie immer: zu wenig Qualit\u00e4t, zu viel Massenware.<br \/>Das mit den Autoren, die das Genre nicht ernst nehmen: die schreiben auch keine guten &#8222;richtigen&#8220; Romane. Siehe, wie hei\u00dft der Knabe, Altmann, Althaus. Hab&#8217;s vergessen. Der immer mit dem Fahrrad rumd\u00fcst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dpr: Starker Tobak, mein Lieber. Also resignieren? Oder wacker weiterk\u00e4mpfen, sei es solo oder im Verbund? Stichwort &#8222;Krimikultur&#8220;. Gibt\u2019s die \u2013 und wenn nicht: Kanns die geben? Und was k\u00f6nnte sie dann sein?<\/p>\n\n\n\n<p>GP: Resignieren? Nee, aber realistisch bleiben. K\u00e4mpfen ohne an den Sieg zu<br \/>glauben, also alles wie immer.<br \/>Krimikultur: gibt es. Im Kleinen. Bei wtd und anderen. In Buchhandlungen, Verlagen, bei Kritikern und Lesern und Autoren: bei wenigen allerdings. Weiter gefasst sind das ja alle, auch die schlechten, denn auch die geh\u00f6ren dazu. Wenn man Krimi ganz wichtig findet, muss man sich ja \u00fcber die letzten Jahre freuen, weil&#8217;s so viele geworden sind. Mir ist das relativ schnurz. Hauptsache, es gibt gute B\u00fccher, Krimi oder nicht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dpr: Und zum gelungenen Abschluss: Drei Lieblingskrimis \/ Autoren, mit Ein-Satz-Begr\u00fcndung, und dasselbe au contraire: die drei schauerlichsten Krimileseerlebnisse&#8230;<br \/>GP: Lieblingsautoren: deutsche oder international?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich entscheide mich f\u00fcr \u00fcberhaupt:<br \/>Janwillem van de Wetering, weil er es geschafft hat, witzig und spannend den<br \/>Zen-Buddhismus in seine B\u00fccher einflie\u00dfen zu lassen. Nicolas Freeling, weil er die sch\u00f6nsten Liebesromane geschrieben hat, die ich kenne &#8211; fast merkt man nicht, dass sie auch Krimis sind (spricht jetzt nicht gegen Krimis, nur f\u00fcr die intensive Aufladung und Unterf\u00fctterung seiner sp\u00e4ten (!) Romane). Robert van Gulik, weil er mit Sympathie und tiefem Verst\u00e4ndnis eine fremde Kultur dargestellt hat<br \/>Negativ:<br \/>Oliver Bottini, weil er einfach nicht schreiben kann. Er kann&#8217;s nicht. Mehr wei\u00df ich nicht, weil ich die anderen nicht zu Ende lese. Nee, im Ernst, f\u00e4llt mir nix ein. Sind auch einfach zu viele, die ich nach der ersten Seite in die Ecke warf. Vielleicht noch Dick Francis, weil er stereotyp immer dieselben Konstellationen und Figurenzeichnungen benutzt (da habe ich noch zwei, drei weitergelesen, weil ich die ersten zwei ganz nett fand)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und ein weiterer Leser, der f\u00fcr wtd die H\u00fcllen fallen l\u00e4sst. 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